Der Franke an sich ist schon ein ganz besonderer Mensch. Nicht nur, dass er sich notorisch weigert anzuerkennen, dass es in der Standardsprache, dem "Hochdeutschen" durchaus einen Unterschied zwischen "d" und "t" und "p" und "b" gibt - nein, er hat auch einen ganz eigenen Charakter, der seine Mentalität prägt. Eben diesen typischen "Frangn", stellte der Mundartdichter und Musikmacher Wilhelm Wolpert aus Haßfurt bei seinem Auftritt in der Alten Aula in Münnerstadt vor.

Kein Konsonantenmangel

Mit Gedichten, lustigen Geschichten und schalkhaften Liedern brachte er das Publikum zum Schmunzeln und sorgte für viel gute Laune. Und dabei war man natürlich von Lauschattacken sicher. "Die NSA würde uns Franken nie verstehen", so Wolpert verschmitzt. Kein Wunder - das "I hoo a äi ü" (Ich habe ein Ei übrig), schnell herausgepresst ist für nicht Eingeweihte zweifelsohne nur schwer zu verstehen - Außenstehende würden wohl eher denken, dass der Sprechende an chronischem Konsonantenmangel leidet.
Natürlich hat der Franke an sich auch einen guten Draht nach ganz oben. Ist er, wie Wolpert in einem kurzen Gedicht erwähnt mit Gott doch per Du. "Ich tät sach, mir sache du zueinander", so das Stoßgebet eines Franken. Nicht lange aus bleibt da natürlich die Antwort des Weltenrichters, der ähnlich verschmitzt reagiert: "Des kannst Du mach. Du kommst eh bald, und dann könne mer red" - man sieht also, auch Gott scheint Franke zu sein.

Lachend die Wahrheit sagen

Man sieht schon an diesem Beispiel: die allesamt von ihm vorgetragenen "Gschichtli" und "Gedichtli" hatten es in sich, auch wenn sie manchmal scheinbar harmlos daher kamen. Fast hätte man meinen können, Wilhelm Wolpert habe sich den römischen Dichter Horaz zum Vorbild genommen: "lachend die Wahrheit sagen" - dies könnte der Wahlspruch sein, den sich auch der Haßfurter auf die Fahnen geschrieben hat.
Dabei gelang es ihm wie kaum einem anderen, in die Mentalität der Franken einzudringen. Gerade das war es, was die Zuschauer so begeisterte: hatten sie hier doch einen wahren Kenner der Frankenseele vor sich, der es meisterhaft verstand, das Publikum auch über die eigenen kleinen Unzulänglichkeiten lachen zu lassen.
Und der Franke ist tatsächlich ein besonderes Exemplar. Gelten doch für die zehn Gebote nur in abgeschwächter Form. "Du sollst nicht" heißt in Franken eigentlich soviel wie: "eigentlich söllste net, ower wenns net annerscht gäht" - das Publikum war begeistert.
Ein Lied über die Schutzpatrone zeigte dann, dass es für fast alles einen solchen gibt, nur für Betrüger nicht. Außerdem ist der Franke an sich ja auch nicht geizig, sondern nur sparsam - diese Tatsache untermalte Wolpert mit einer Geschichte, die wirklich zum Schießen war. Im Mittelpunkt stand ein Musiker, dessen in die Jahre gekommener Hosengummi das zeitliche segnet und so die Unterhose auf Halbmast hängt - und das natürlich mitten auf der Wallfahrt, was für viele Kalamitäten sorgt.
Natürlich ging es am Abend auch über den "frängischen Moo", der durchaus auch einmal Philosoph sein kann: wenn beim Schoppengenuss die "schwierigen Wörter nur noch bröckelesweis rauskomme" denkt sich dieser oft: wenn wir noch gehen können, dann bleiben wir. Wenn wir nicht mehr gehen können, gehen wir heim.

Loblied auf dem Mangel

Für viel Heiterkeit sorgte das Lied "Wer net viel hot, der tröicht aach net so schwer", ein Loblied auf den Mangel sozusagen. Vergessen wurde natürlich auch das "schöne Geschlecht" nicht, das in Franken ausnehmend schön ist. Gelobt wurde die Sparsamkeit der häuslichen Mamsell, die im Badewasser auch das Geschirr und die Wäsche wäscht, denn "mir müse spoar und des Wasser is nuch hääß".
Und was passiert, wenn der fränkische Mann und die fränkische Frau aufeinander treffen: natürlich, sie heiraten. Und auch vom Eheleben wusste Wolpert zu berichten. Trotz aller Schwierigkeiten bleibt die fränkische Ehe stabil, selbst wenn der Ehemann beim Vergeben von Komplimenten eher sparsam ist.
Am Ende der Darbietung spendete das Publikum kräftigen Applaus und forderte Zugabe, die Wolpert gerne gewährte. Auch wenn verschiedene fränkische Schwächen aufs Korn genommen wurden, so blieben die Stücke doch immer heiter, oder wie bezeichnete es Wilhelm Wolpert: "Wer von mir auf den Arm genommen wird, wird auch von mir noch ganz zart gestreichelt und ich ziehe die Leute so langsam durch den Kakao, dass ihnen noch genügend Zeit bleibt, ein bisschen Süßes zu schlecken."