Auf für heutige Verhältnisse relativ kleinen Parzellen wächst unterschiedliches Getreide, aber auch Mais und Raps ist zu sehen. An den Rändern stehen für Laien eher nichtssagende Schilder mit Bezeichnungen wie "Bazooka", "Sandra", "Solist", "RGT Planet", "Faustus", "Avatar" oder "Steffi". Doch den weit über 100 Landwirten aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld, die am Samstag zum Landbautag gekommen waren, musste es natürlich niemand erklären: Es handelt sich hier um Versuchs-Anbauflächen.

Hier werden unterschiedliche Getreidesorten zu Testzwecken angebaut und die Schilder geben ihre Handelsnamen preis. In erster Linie ging es beim Landbautag um die Gretchenfrage "was wächst wo am besten?" - und dazu um die Auswahl der notwendigen Spritz- und Düngemittel.

Zu dieser Veranstaltung hatten die Kreisverbände Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern, der Erzeugerring landwirtschaftliche pflanzliche Qualitätsprodukte Würzburg sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt eingeladen. Der Landbautag fand erstmals wenige hundert Meter nördlich der Grenze zwischen beiden Landkreisen statt, und zwar auf einer Fläche von acht Hektar, die der Burgläurer Landwirt Jochen Then zur Verfügung gestellt hatte.

Geplant ist, den Landbautag in Zukunft immer hier zu veranstalten. Then hatte es auch übernommen, die einzelnen Parzellen mit den unterschiedlichen Getreidesorten einzusäen. Den Versuchsverlauf selbst hatte die Erzeugerring-Beratung betreut.

Auf den Versuchsflächen sind Schauversuche mit verschiedenen Sorten von Wintergerste, Roggen, Triticale (eine Kreuzung zwischen Weizen und Roggen), Durum (Hartweizen), Dinkel, Weizen, Winterraps, Sommergerste und unterschiedlichen Mais-Sorten angelegt. Saatmischungen und Flächen für Ufer- und Schutzstreifen sind auch dabei.

Peter Will vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt und Sebastian Ries (Poppenlauer) vom Erzeugerring konnten neben den über 100 Landwirten aus den Landkreisen Rhön-Gradfeld und Bad Kissingen auch den Burgläurer Bürgermeister Kurt Back sowie Vertreter des Bauernverbandes und von Behörden begrüßen. Weizen ist nicht gleich Weizen oder Roggen nicht gleich Roggen, das wurde auch dem unbedarften Teilnehmer bei den geführten Rundgängen schnell deutlich.

Von jeder Getreidesorte gibt es zahlreiche Arten, die alle spezifische Eigenschaften aufweisen. Da erklärten die Fachleute die unterschiedliche Winterhärte, Standfestigkeit, den unterschiedlichen Gehalt an Rohproteinen oder die Resistenz gegen Schädlinge.


Frage nach dem Ertrag

Natürlich kam immer wieder die Frage auf, wie ertragreich die einzelnen Sorten sind und welche man in welchem Gebiet am besten einsetzt. Die Landwirte schauten genau hin und fragten immer wieder kritisch nach. Einem waren gelbe Spitzen an den Ären aufgefallen. "Das kommt vom Stress, den die Pflanzen in der Hitze hatten", erfuhr er.

Beim Landbautag ging es nicht nur um die Auswahl der richtigen Getreidesorte für den jeweiligen Boden und das Klima. Ludwig Thoma, Mitarbeiter eines Düngemittelherstellers, referierte über die erst vor wenigen Tagen, am 2. Juni, in Kraft getretene neue Düngeverordnung mit ihren Konsequenzen für die landwirtschaftliche Praxis.
Die EU hatte die Nitratrichtlinien geändert, deshalb musste die deutsche Umsetzung dieser Richtlinien geändert werden. Thoma erläuterte unter anderem, dass die Novelle der Düngeverordnung schärfere Regeln zugunsten des Gewässerschutzes und der Luftreinhaltung beinhalte.

Auch Anne Wischemann, Wildlebensraumberaterin für Unterfranken (Fachzentrum Agrarökologie im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt) war zum Landbautag nach Burglauer gekommen. Sie informierte die Landwirte über die Anlage von Gewässer- und Erosionsschutzstreifen, Stillegungsflächen und Wildlebensräume und stellte passende Saatmischungen vor.

Wischemann erklärte: "Erosionsschutzstreifen sind nicht nur wichtiger Lebensraum für Kleintiere, sie wirken vor allem auch der gefährlichen Bodenerosion entgegen. Hecken und Feldgehölze beugen der Wasser- und Winderosion vor." Die Bodenerosion gilt in Bayern als die derzeit größte Gefährdung der Böden und ihrer Funktion.

Regen liefert der Landwirtschaft das dringend benötigte Wasser. Wenn aber in kurzer Zeit zu viel davon kommt, dann schwemmt er schnell den Boden weg. Wie die Bodenerosion funktioniert, zeigte die Landesanstalt für Landwirtschaft Freising mit ihrem Erosionswagen.

Dieser simuliert einen starken Regen und zeigt, wie gut oder schlecht unterschiedliche Böden mit unterschiedlichem Anbau bei einem starken Regen das Wasser speichern. Normales Grünland erwies sich bei dem Test als bester Wasserspeicher.

Veranstaltungen wie der Landbautag sind auch außerhalb des fachlichen Teils ein beliebter Treffpunkt für die Landwirte aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Ohne Bewirtung geht es deshalb nicht. Die hatte die Jagdgenossenschaft Burglauer übernommen.