Sehr viel hatte Bürgermeister Fridolin Zehner (CSU) bei der Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle zu berichten. Das Spektrum reichte vom Kirchplatz über die Wasserversorgung bis zum Abwasser und dem "leidigen Thema" Mehrzweckhalle. Eine Tagespflege wird es nicht so schnell wie gewünscht geben, da die Caritas und die Diakonie nicht bereit sind, sie zu betreiben. Auf dem Schul- und Kirchhof wird es eine Zisterne geben, in die das Wasser Rathauses, der Schule, des Jugendtreffs und einer Seite des Kirchendaches fließt, so Zehner. Das Wasser soll als Löschwasser und zum Gießen verwendet werden. Einziger Wermutstropfen seien die Kosten: der Schulhof allein koste 1,3 Millionen statt eine Million Euro, die ganze Sanierung 1,9 Millionen einschließlich Jugendtreff. Die Gemeinde bekommt 800 000 Euro Zuschuss, muss also 1,1 Millionen selbst aufbringen. "Der Haushalt gibt's her, das tut uns noch nicht weh. Das würde ohne Verschuldung gehen, wenn das die einzige Maßnahme wäre", kommentierte der Bürgermeister.

2014 wurde die Gemeinde an den Abwasserzweckverband Obere Werntalgemeinden angeschlossen. Seitdem wurden immer wieder die gemessenen Abwassermengen kritisiert. Deshalb schaltete die Gemeinde die Schiedsstelle im Landratsamt Schweinfurt ein. Fridolin Zehner rechnete vor, dass die Gemeinde etwa 120 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag verkauft, die zum allergrößten Teil wieder im Kanal landen. Die Messergebnisse für das Abwasser seien aber oft viel höher. Der Grund ist offenbar gefunden: an der Messeinrichtung konnte sich ein Rückstau bilden. Der Schaden sei behoben, so Zehner. Auch auf den Neubau der Wasserversorgung ging der Bürgermeister ein. Geplant ist, am Johannesberg neue Tiefbehälter aus Beton oder Hochbehälter aus Stahl mit einem Fassungsvermögen von zweimal 200 Kubikmeter zu bauen. Die Kosten in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro holt sich die Gemeinde von den Bürgern zum größeren Teil wieder: Pro Quadratmeter Grundstücksfläche sollen alle etwa 90 Cent bezahlen. Pro Quadratmeter Geschossfläche werden etwa sechs Euro fällig. Die Eigentümer unbebauter Baugrundstücke bezahlen stattdessen sechs Euro pro Quadratmeter für ein Viertel der Grundstücksfläche. Zehner hofft, dass dies für die Eigentümer einiger unbebauter Grundstücke ein Anreiz wird, nun doch zu verkaufen, denn es gebe viele junge Leute, die bauen wollen.

Zum "leidigen Thema Mehrzweckhalle" führte Zehner aus, dass die Gemeinde sich um einen Zuschuss aus einem Förderprogramm des Bundes mit 45 Prozent Förderung bemüht. Entschieden ist allerdings noch nichts. Ansonsten gebe es maximal 900 000 Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Der zweite Bürgermeister Werner Keller betonte, dass die 400.000 Euro, die 2018 im Haushalt für die Halle standen, dieses Jahr nicht gebraucht wurden. Sie werden 2019 wiedereingestellt, "oder auch etwas mehr." Er teilte mit, dass die Planung der Halle europaweit ausgeschrieben worden war. Die eingegangenen Angebote wurden gesichtet. Drei Bewerber werden möglichst noch 2018 eingeladen. Zur geplanten Tagespflege in der Schuldengasse teilte Bürgermeister Zehner mit, dass zwar die Firma Wolf-Haus das Gebäude erstellen würde, aber bisher kein Betreiber gefunden wurde. Die Diakonie und die Caritas haben abgesagt. Nun sollen andere Betreiber angesprochen werden.

In der anschließenden Diskussion mussten sich der Bürgermeister und die anwesenden Gemeinderäte viel Kritik anhören. Klaus Erhard bemängelte, der Gemeinderat habe Beschlüsse gefasst, die gegen die Gemeindeordnung verstießen. Durch die teure Renovierung des Kirchplatzes werde die Renovierung der Mehrzweckhalle auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Dies gelte auch für die Ausweisung eines Baugebietes. Abgeblockt würden alle Lösungsmöglichkeiten für die Straße Rannungen-Rottershauen. Die Vorwürfe gipfelten in der Bemerkung, manche Gemeinderäte würden eigene Interessen vor Gemeinnutz stellen. Erhard bekam dafür Applaus von vielen Bürgern. Der Kirchplatz habe seit 2016 eine hohe Priorität gehabt. Man müsse den Gemeinderat zugestehen, dass er nach bestem Wissen und Gewissen entscheide, auch wenn die Meinungen auseinandergehen, kommentierte Bürgermeister Zehner.

Altbürgermeister Manfred Hoffmann stellte fest, dass die Einwohnerzahl seit Jahren immer weiter abnehme, was auch weniger Finanzmittel bedeute. "Was hat den Gemeinderat dazu gebracht, das geplante Baugebiet doch nicht zu erschließen?", wollte er wissen. Bauinteressenten würden sagen "steigt mir den Buckel rauf" und woanders bauen. Wichtigste Sorge, vor allem anderen, müsse es sein, die jungen Leute im Dorf zu halten. Zur von der Gemeinde geförderten Innenentwicklung sagte Hoffmann "ich glaube nicht, dass manche Gemeinderäte in das eine oder andere Haus einziehen oder es umbauen wollen." Kirchenpfleger Joachim Markert nahm sich den Kirchplatz vor und wollte wissen, warum zuerst 900 000 und jetzt 1,9 Millionen Euro Kosten genannt würden. Er forderte "lasst den Jugendtreff stehen und baut die Brunnenstraße aus." Die früher genannten 900  000 Euro seien der Nettopreis ohne Architektenhonorar und Mehrwertsteuer, antwortete Bürgermeister Zehner.

Markert fühlte sich deshalb "an der Nase herumgeführt, da wurde ein Betrag genannt der ja gar nicht stimmt." Kritisiert wurde auch, dass der Bauwagen, der als Treffpunkt für Jugendliche diente, auf Anweisung des Landratsamtes nicht mehr im alten Steinbruch stehen darf. In anderen Gemeinden sei so etwas möglich. Fridolin Zehner betonte dazu, dass dieses Gebiet als Wasserschutzgebiet ausgewiesen sei.