Wegen der Corona-Pandemie gab es keinen rauschenden Abi-Ball bis zum frühen Morgen in Gleis 13 im Nachbarort Burglauer und auch nicht in der viel kleineren Aula des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums. Das traditionelle Fußballspiel der Lehrer gegen die Schüler fiel ebenso ins Wasser wie der Abi-Streich, lange Reden von prominenten Gästen oder ein Gruppenfoto.

Trotzdem wird die Zeugnisausgabe nicht nur für die 57 Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2020 unvergesslich bleiben, sondern in die lange Geschichte der 1660 gegründeten Schule eingehen. Außergewöhnlich war nicht nur, dass die Zeugnisübergabe im Freien auf dem Parkplatz neben dem Gymnasium stattfand, sondern auch die Form, die gewählt wurde.

Die 57 Absolventen waren an diesem Nachmittag "Abinauten" auf dem Weg ins All. Ihre Lehrer einschließlich Schulleiter Peter Rottmann und auch die vielen Eltern und Freunde, die dabei waren, begleiteten sie dabei. Genau 57 Autos, vom Porsche über den "Elefantenrollschuh" bis zum Lieferwagen waren im inneren Bereich des Parkplatzes in Reih und Glied platziert worden, in jedem Fahrzeug auf dem Beifahrersitz eine Abiturientin oder ein Abiturient und am Steuer und auf dem Rücksitz Eltern, Brüder, Schwestern, Freunde.

Oberstufen-Koordinatorin Ulrike Wagner-Kubitza begrüßte die ungewöhnliche Versammlung mit "Chef-Astronaut" Oberstudiendirektor Peter Rottmann an der Spitze. Sie verwies gleich darauf, dass dieses Jahr wegen einer "ominösen Weltraumkrankheit" namens Corona auf die Einladung von prominenten Gästen verzichtet worden sei. Ihr Dank galt den Abiturienten "für die stets respektvolle und geduldige Zusammenarbeit in den letzten Jahren". Zwar könne nicht wie sonst in Gleis 13 gefeiert werden, aber diese Feier habe trotzdem das Potenzial, in die Annalen der Schule einzugehen.

Landrat grüßt per Videobotschaft

Dann kam doch noch Landrat Thomas Bold zu Wort, allerdings nicht in Person, sondern mit einer kurzen Audiobotschaft. Er beglückwünschte die erfolgreichen Schüler und betonte: "Lassen Sie sich die Freude nicht verderben". Sein besonderer Wunsch an alle: "Bleiben Sie dem Landkreis auch in Zukunft gewogen". Es gebe auch hier interessante Berufe und Arbeitsplätze, die es lohnen, hier zu bleiben oder nach Studium und Ausbildung zurückzukommen.

Auch Bürgermeister Michael Kastl gratulierte per Audiobotschaft zum bestandenen Abitur und hob hervor "ich freue mich, wenn Sie Münnerstadt in guter Erinnerung behalten und auch einmal wieder zurückkommen in die Stadt". Petra Heil für den Elternbeirat erinnerte an das acht Jahre dauernde Abinauten-Training, das nun zu Ende sei.

Die fünf Jahrgangssprecher Sebastian Kirschner, Simone Rose, Patricia Rose, Bastian Weigand und Yannis Wüst erinnerten an die erlebnisreichen Abi-Fahrten nach London und Barcelona, die noch lange vor Beginn der Corona-Pandemie stattgefunden hatten. "Diese außergewöhnliche Abschlussfeier wird uns allen im Gedächtnis bleiben", betonten sie und überreichten Ulrike Wagner-Kubitza als Dank für ihre Arbeit als Oberstufen-Koordinatorin einen Olivenbaum. Statt Applaus gab es ein weithin hörbares Hupkonzert.

Oberstudiendirektor Peter Rottmann betonte "Abinauten, Sie greifen nach den Sternen" und "kaum ein Jahrgang vor euch hat so erfolgreich nach den Sternen gegriffen, Mister Spock wäre stolz auf euch". Er dankte den Abiturienten für den guten Zusammenhalt und wünschte ihnen viel Ausdauer in der Zukunft, "wagt etwas, traut euch etwas zu und haltet durch". Rottmann rief ihnen zu: "Erobern Sie die Welt und den Weltraum", sagte aber auch, dass dazu der Segen Gottes nötig sei. Schließlich erinnerte er auch noch an das im kommenden Jahr geplante Studiengenossen-Fest, "da ist ein Tisch für Sie reserviert". Mit einem lauten Hupkonzert dankten ihm die Gäste.

Dann kam schließlich der große Augenblick der Zeugnisübergabe. Jede einzelne Abiturientin und jeder Abiturient fuhr im Auto vor und Peter Rottmann, geschützt durch eine Corona-Maske, gratulierte mit freundlichen Worten, aber ohne Handschlag und überreichte durch das heruntergekurbelte Seitenfenster das Abi-Zeugnis. Manchmal war es auch etwas mehr, wenn Buchpreise für besondere Leistungen übergeben wurden. Fetzige Musik untermalte die "Zeremonie".

Hupkonzert für die Besten

Besonders laut waren die Hupkonzerte als Franca Schneider, Leonard Benkert und Luisa Trautmann an der Reihe waren. Mit einem Schnitt von 1,0 waren sie die besten Abiturienten des Jahrgangs 2020. "Wir brauchen Gott als Begleitung, egal wie unsere Wege aussehen", hob Pater Rudolf Götz OSA hervor, der zusammen mit Mitgliedern des Gottesdienst-Teams die Abiturienten segnete. In diesen Minuten erklang die Glocke vor der Schule. Wenigstens das traditionelle Glöckles-Läuten fiel der Corona-Pandemie nicht zum Opfer. Fünf Abiturienten läuteten die Glocke, die nur einmal pro Jahr beim Abitur erschallt. Ganz zum Schluss der gerade einmal zweistündigen Feier wurden die Luftballons, die bis dahin an den Autos festgebunden waren, hoch in die Luft gelassen und zum Abschied gab es noch einmal ein Hupkonzert.