Seit ein paar Tagen steht im Standesamt der Stadt Münnerstadt ein neuer, feuerfester Stahlschrank. Gestern füllten ihn Standesamts-Chefin Marina Härder und ihre beiden Kollegen Bernd Hochrein und Peter Reuß mit den Standesamtsbüchern aus Maßbach, Poppenlauer, Rannungen, Rothausen, Theinfeld, Thundorf, Volkershauen und Weichtungen. Bisher waren die zum Teil bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Akten im Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach gelagert. Das dortige Standesamt wird jedoch zum 1. November aufgelöst und ins Standesamt von Münnerstadt integriert.

Äußerer Anlass dafür war, dass der Maßbacher Standesbeamte Volker Heim zum 1. Dezember diesen Jahres in den Ruhestand geht. In der Verwaltungsgemeinschaft hatte man auch an Schweinfurt als Partner gedacht. Doch Münnerstadt liegt näher. Ein weiteres Argument dürfte der Preis gewesen sein. Je 2,50 Euro zahlt die Verwaltungsgemeinschaft, in der zu Jahresanfang 6565 Menschen lebten, pro Einwohner für diesen Dienst. Sowohl der Stadtrat als auch die Verbandsversammlung und die drei Gemeinderäte waren einstimmig oder mit sehr großer Mehrheit dafür.

Ein schneller Blick auf die alten Akten, in denen insbesondere Hochzeiten, Sterbefälle oder Geburten dokumentiert sind, macht schon deutlich: Sie sind oft sehr schwer zu lesen. Einerseits hatten frühere Standesbeamte, das waren zum Teil die Bürgermeister, eine sprichwörtliche "Sauklaue". Andererseits hat die Schreibschrift mehrfach gewechselt. Viele Formulare wurden in Sütterlin, Kurrent oder Deutscher Schrift ausgefüllt statt in der heutigen Druckschrift. "Ich kann das noch lesen", sagt Bernd Hochrein.

Für Ahnenforschung und Grundstückskäufe

Seit dem Jahr 2009 gibt es allerdings diese Standesamtsbücher gar nicht mehr, denn die Daten werden alle auf einem Server gespeichert, der in München steht. Wozu braucht man überhaupt die Jahrzehnte alten Akten? Schon die aktuelleren Stempel und Eintragungen auf manchen alten Seiten machen es deutlich: Hier werden die Sterbefälle dokumentiert oder auch Scheidungen und Neu-Verheiratungen. Die ganz alten Akten werden zum Beispiel für Ahnenforschung oder bei Grundstücksverkäufen gebraucht.

Den Bürgermeistern des Marktes Maßbach, von Rannungen und Poppenlauer war wichtig, dass in ihren Orten auch weiterhin Hochzeiten stattfinden können. Deshalb beschloss die Verbandsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft, dass alle drei Bürgermeister und vier Stellvertreterinnen und Stellvertreter in ihren Orten Trauungen vornehmen können. Hochzeitspaare müssen dazu also nicht unbedingt ins Rathaus nach Münnerstadt fahren. Dort müssen sie allerdings die vor einer Hochzeit nötigen Formalien erledigen. "Die Verwaltungsarbeit machen immer wir", betont Marina Härder. Die letzte Trauung in Maßbach, die verwaltungsmäßig über das nun aufgelöste Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft lief, fand am 3. Oktober dieses Jahres statt. Vor allem die Frage der Trauungen bzw. Hochzeiten sorgte vor der Übergabe des Standesamtes für Schlagzeilen. Dabei hat diese Behörde noch zahlreiche weitere Aufgaben. Sie registriert Sterbefälle (in Münnerstadt dieses Jahr bisher 160), Geburten (dieses Jahr bisher keine, voriges Jahr eine Hausgeburt), Namensänderungen, Vaterschaftsanerkennung, Kirchenaustritte.

Bisher 45 Trauungen

Dieses Jahr gaben bisher 45 Paare im Münnerstädter Standesamt ihr Ja-Wort. Die Zahlen werden sich, nachdem die Verwaltungsgemeinschaft Maßbach hinzugekommen ist, natürlich ändern. Zur Corona-Pandemie sagt die Standesamt-Chefin: "Alle Trauungen können stattfinden". In Münnerstadt selbst können übrigens neben den drei Standesbeamten auch Bürgermeister Michael Kastl (CSU) und seine beiden Stellvertreter Andreas Trägner (Freie Wähler) und Axel Knauff (SPD) Trauungen vornehmen.