Das Wetter war am Samstag nicht gerade einladend für ein Fest im Freien. "Schlechtes Wetter? Das interessiert doch uns Pfadfinder nicht", winkt Yvonne Sturmat, Stammesvorsitzende der Münnerstädter Georgspfadfinder ab. Der "Stamm Kreuzritter", wie sie sich nennen, feierte sein 70jähriges Bestehen und hatte aus diesem Anlass ins Jugendzentrum und ins Freigelände dahinter eingeladen.

Natürlich kamen nicht nur die heute aktiven Pfadfinder, sondern auch viele Ehemalige, stolze Eltern und Großeltern und auch Interessierte. "Ich war vor 50 Jahren dabei und möchte einfach mal schauen, was aus den Pfadfindern so geworden ist und was sie heute machen," meinte ein schon etwas älterer Herr. Auch Stadtpfarrer Pater Markus Reis, der Kurat der Kreuzritter, ließ es sich nicht nehmen, vorbeizuschauen.

"Ich will mir das mal ansehen, vielleicht kann ich meine Buben dafür begeistern", erzählte eine Mutter, die ihren neunjährigen Sohn Josef an der Hand hatte. Sie absolvierte mit ihm alle Stationen eines Kreuzritter-Laufs. Die Aufgaben, die die Jungen und Mädchen zu lösen hatten, waren zum Teil ganz schön schwierig. Echte Pfadfinder verwenden keine Streichhölzer, wenn sie ihr geliebtes Lagerfeuer entzünden. Sie nehmen dazu einen Magnesium-Stab und reiben ihn gegen ein Stück Stahl. Die Funken, die dabei entstehen, entzünden zum Beispiel einen Wattebausch. Die meisten Buben und Mädchen, die sich am Lagerfeuer in der Jurte aus schwarzen Planen damit versuchten, schafften es sehr schnell. Für jede gelöste Aufgabe gab es einen Stempel in die Festschrift, die jeder Teilnehmer dabei hatte.


Viel Geschick für Stempel

Eine Jurte zusammenzubauen, ist gar nicht so einfach. Die Jungen und Mädels mussten, um den Stempel in ihr Heft zu bekommen, die Knoten üben, die man dazu braucht. Stammesvorsitzende Yvonne Sturmat führte es ihnen erst einmal vor, dann war es nicht der ganz schwer.

Wenige Meter weiter mussten die Kinder bei Rosina Eckert und ihrem Mann gezeichnete Tierspuren, Früchte und Blätter erraten. Sie waren zwar keine Pfadfinder, "aber wir sind jahrzehntelange Pfadfinder-Eltern", erklärt Eckert. Sie verweist stolz darauf, dass die Stammesvorsitzende ihre Tochter ist.

Auch angewandte Physik war gefragt. Es galt nämlich, mit einfachsten Mitteln einen Kompass zu bauen. Wie das geht? Auf eine dünne Flaschenkork-Scheibe wird mit einem Klebestreifen eine vorher magnetisch gemachte Stecknadel befestigt. Die Nadel richtet sich automatisch in Nord-Süd-Richtung aus, wenn die Scheibe zum Beispiel in einem mit Wasser gefüllten Becher oder ein Glas platziert wird. Pfadfinder haben ihre eigenen Wegzeichen, die sie natürlich kennen müssen, um sich zu orientieren. An einer Station galt es, diese Zeichen zu erraten, zum Beispiel "Folge dem Weg noch drei Kilometer" oder "wir haben uns getrennt". Diese Zeichen sind übrigens international und bei allen Pfadfindern rund um den Globus in Gebrauch.

Mehr künstlerisch betätigen mussten sich die Teilnehmer am Kreuzritter-Lauf, als es galt, Steine bunt zu bemalen. Die vielen kleinen Kunstwerke, die hier zum Trocknen lagen, zeigten, dass die Buben und Mädchen Fantasie und Talent haben.

Die sportliche Seite der Teilnehmer war an einer anderen Station gefragt. Hier galt es, unter einem langen Tunnel aus Tarnnetzen hindurch zu krabbeln. Immerhin gab es hier Salzgebäck als Belohnung, und natürlich den begehrten Stempel ins Stempelheft. Wer alle sieben Stationen absolviert und damit alles Stempel im Heft hatte, der erhielt einen Button.

Natürlich wurde der 70. Geburtstag der Georgs-Pfadfinder vom Stamm der Kreuzritter nicht nur mit Spielen gefeiert. Sie konnten sich auch über zahlreiche Gäste, die zu Kaffee und Kuchen gekommen waren, freuen. Nach dem Gottesdienst am frühen Abend in der Stadtpfarrkirche klang die Geburtstagsfeier mit einem gemeinsamen Abend in der Jurte mit Lagerfeuer und Musik aus.