Die Sanierung der Bergstraße mit ihren zahlreichen Straßen- und Gehwegschäden und die Aufstellung eines Bebauungsplanes für ein Wohngebiet am Johannesberg standen im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Viel entschieden wurde allerdings nicht. Klar scheint nur, dass aus finanziellen Gründen die Bergstraße höchstens in Etappen saniert werden kann. Planer Matthias Kirchner aus Oerlenbach präsentierte seine Pläne zur Sanierung der Bergstraße auf 330 Meter Länge. Sie habe Verbindungsfunktion zum Ort und sei eine Verbindungsstraße in die Rannunger Flur, in den Wald und zu den Brunnen. Damit müsse ein Kompromiss aus guter Befahrbarkeit und hoher Aufenthalts- und Wohnqualität geschaffen werden.

Die Planung

Die Pläne von Kirchner sehen deshalb eine Fahrbahnbreite von sechs Metern vor, die Gehwege sollen einseitig mindestens eineinhalb Meter breit sein. Die Wasser- und Kanalleitungen sollen erneuert und die Anschlüsse jeweils bis zur Grundstücksgrenze gelegt werden. Vorgesehen sind auch Kabel für ein schnelles Datennetz, die Erneuerung der Straßenbeleuchtung sowie - wo möglich - Entsiegelung und Straßenbegleitgrün.

Die Kosten

Besonders gespannt waren die Gemeinderäte auf Kirchners Ausführungen über die Kosten. Er nannte für die Ingenieurbauwerke (Kanalisation und Wasserversorgung) 477 000 Euro und für die Verkehrsanlagen (in erster Linie Straßenbau) 879 000 Euro. Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer sind das insgesamt 1 614 Millionen Euro, noch ohne Baunebenkosten. Förderung vom Freistaat gibt es nur für die zuwendungsfähigen Kosten des Straßenbaus.

Der Zeitplan

Sogar einen Zeitplan hatte Matthias Kirchner schon dabei. Er beginnt mit der Bestätigung der Ausführungsplanung durch den Gemeinderat noch im September 2020. Baubeginn könnte im Herbst 2021 sein, als Bauzeit kalkulierte der Planer ein Jahr. Bürgermeister Fridolin Zehner (CSU) winkte aber gleich ab und wies darauf hin, dass diese Arbeiten so nicht im Haushalt stehen und die Mehrzweckhalle Vorrang habe - "jeder von euch kennt den Haushalt und die Situation". Kirchner wies darauf hin, dass die Straße für Kanal, Wasser und die Hausanschlüsse auf etwa drei bis 3,50 Meter aufgegraben werden müsse und stellte die Frage: "Was macht man dann mit diesem Provisorium?" Der Bürgermeister betonte noch: "Die Bergstraße ist nicht die einzige, die saniert werden muss, aber die schlechteste von allen". Der Tagesordnungspunkt wurde ohne eine Entscheidung beendet.

Außerdem war erwartet worden, dass Matthias Kirchner einen Planungsentwurf für das auf dem Johannesberg vorgesehene Wohngebiet mit etwa zehn bis zwölf Bauplätzen vorlegt. Doch der hatte keine Entwürfe dabei, sondern hob hervor, dass zuerst die Bauleitplanung abgeschlossen werden sollte. Bürgermeister Zehner betonte, es gebe in der Gemeinde Bedarf für Bauland. Drei bis vier junge Familien würden darauf warten. Die Gemeinde müsse zweigleisig mit Innenentwicklung auf der einen und der Erschließung von Baugelände auf der anderen Seite fahren. "Zurzeit herrscht der pure Wahnsinn, wir machen im Augenblick zwölf bis 15 Baugebiete und die Plätze gehen sehr schnell weg" erklärte Matthias Kirchner. Innenentwicklung im ländlichen Raum sei schwierig, da viele Leute nicht verkaufen wollten. Für das vorgesehene Baugebiet auf dem Johannesberg müsse die Bauleitplanung bis Ende nächsten Jahres fertig sein, denn dann sei kein förmliches aufwändiges Verfahren für die Änderung des Flächennutzungsplanes notwendig. Auch hier wurde nichts entschieden.

In der Sitzung fiel, jedenfalls im öffentlichen Teil, nur eine Entscheidung: Eine Familie will in der Brunnenstraße auf einem noch unbebauten Baugrundstück ein Einfamilienwohnhaus errichten. Der Gemeinderat stimmte zu.

Kommentar von Dieter Britz:

Man muss keinesfalls Straßenbauexperte sein, um zu erkennen, dass die Bergstraße dringend saniert werden muss. Nicht nur die Straßendecke und die Gehwege haben es nötig, das ist mit bloßem Auge leicht zu erkennen. Auch die Kanäle müssen erneuert werden, das beweisen die Fernsehbilder aus dem Untergrund. Der Planer Matthias Kirchner kalkuliert Baukosten von gut 1,6 Millionen Euro für das Gesamtprojekt plus Nebenkosten.

Angesichts der Finanzlage der Gemeinde und weil vordringlich die Mehrzweckhalle saniert werden soll, kam der Vorschlag, die Sanierung in zwei Etappen aufzuteilen: Zuerst sollten die Kanäle und die Wasserleitungen saniert werden. Dann bleibt die Straße zwei, drei oder auch mehr Jahre liegen, bevor auch die Straßendecke und die Gehwege saniert werden. Diese Vorgehensweise kann die Gemeinde unter Umständen teuer zu stehen kommen.

Erstens werden Bauarbeiten im Lauf der Zeit selten billiger und zweitens ist so eine Aufteilung ohne erheblichen Mehraufwand kaum denkbar. Noch ist kein Beschluss gefasst. Der Gemeinderat sollte genau überlegen, ob das der richtige Weg sein kann. Die Bergstraße ist schon lange in schlechtem Zustand. Kann man sie nicht noch einmal zwei bis drei Jahre so lassen, bis wieder mehr Geld in der Gemeindekasse ist und die Sanierung in einem Zug durchgezogen werden kann? Auch die Anwohner wären vermutlich froh, wenn sie den Ärger und die Probleme mit den Baumaßnahmen und Straßensperrungen nur einmal gebündelt hätten.