Ein Kleinbus und ein Transporter halten etwas außerhalb von Amanvillers. Der kleine Ort in Frankreich, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Metz, wirkt verschlafen. Da kommen die zwei Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen. Sie halten einem Denkmal, das an gefallene deutsche Soldaten des Krieges von 1870/71 erinnert.
Acht Männer steigen aus, laufen um das Objekt herum, begutachten den Zustand des Denkmals, der Einzäunung, des Umfeldes. Sie holen ihre Werkzeuge vom Transporter: Heckenschere, Bürsten, Wasser, Motor-Grasschneider, Rechen und Besen. Geradezu energisch gehen die Männer auf ihre Aufgaben zu. Jeder weiß, was er zu tun hat: Benno Trost und Paul Ziegler beginnen sofort, das hohe Gras, das die Anlage umgibt, zu kürzen. Martin Ziegler und Herbert Schleier haben Bürsten in der Hand, mit denen sie dem Metallzaun und dem Schmutz und Moos, was sich auf ihm abgelagert hat, zu Leibe rücken. Norbert Ziegler nimmt eine kleine Säge und Astschere zur Hand, sachkundig und fachmännisch schneidet er Äste von den Bäumen. Günter Behr hat derweil den Rasenmäher in Gang gebracht und schneidet das Gras im Inneren der Anlage. Richard Schleier und Alfred Veeth kümmern sich um die Wege, ziehen und schneiden das Unkraut heraus und säubern die Ränder.


Wieder zwei Teams im Einsatz

Es ist ein eingespieltes Team, diese acht Männer. Sie sind das zweite Team der Reservistenkameradschaft Großwenkheim, die jährlich jeweils für eine Woche freiwillig zu einem Kriegsgräbereinsatz ins europäische Ausland ausrückt. Das tun sie seit acht Jahren. In der ersten Gruppe waren Erich Fries, Gerhard Freibott, Edgar Schlembach, Rainer Werner, Helmut Hesselbach, Alfred Veeth und Dennis Kessler dabei. Diese Männer haben für die Gegend um Metz, der Hauptstadt des Departement Moselle, vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Spezial-Aufgabe bekommen: Die Großwenkheimer sollen nicht nur in einem einzigen Friedhof für Sauberkeit sorgen, sondern in der Landschaft verstreute Denkmale des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 suchen und diese und ihr Umfeld wieder herrichten.

Eric Schuster ist im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Pflegeleiter für den Bereich III in Frankreich. Die deutschen Soldatenfriedhöfe und -denkmale hat der Volksbund in unserem Nachbarland in vier Bezirke aufgeteilt: Nordfrankreich-Normandie (I), Nordfrankreich Ost (II), Lothringen/Moselle (III) und Elsaß (IV). Eric Schusters Zuständigkeitsbereich ist groß, er reicht von Belgien im Norden bis nach Nancy im Süden und von Charleville-Mézières im Westen bis zur deutschen Grenze im Osten. "Es wäre für uns sehr schlimm, wenn keine Reservisten aus Deutschland mehr zur Unterstützung kämen", sagt Eric Schuster im Gespräch. " Wir haben einfach nicht genügend Mitarbeiter für alles." Eric Schuster und sein Team von 25 Gärtnern betreut 50 Soldatenfriedhöfe und rund 100 Denkmale, die an den Krieg 1870/71 erinnern. Es sei schön zu sehen, sagt Schuster, dass in Deutschland der deutsch-französische Krieg von 1870/71 nicht vergessen sei und sich Freiwillige um die Säuberung und Erhaltung der diesbezüglichen Denkmale kümmern können. Und was sind das für herrliche Anlagen.


Gräber auf der Viehweide

Im kleinen Ort Sainte-Barbe halten sie am Ortsrand und stapfen mit dem Werkzeug 500 Meter über eine Viehweide zu einer kleinen Anlage, die an den Krieg von 1870/71 erinnert. Hier findet sich unter anderem ein Metallkreuz für "Lieutenant Franz Schneider, geb. zu Heidenmühle bei Stuhm in Westpreußen am 10. Juni 1845. Gefallen vor Metz am 14. August 1870". Die kleine Anlage, etwa fünf auf fünf Meter, ist von einer Mauer und einem Metallzaun umschlossen. Vier Metallkreuze stehen hier für vier gefallene Soldaten und eine kleine Gedenktafel. Teilweise sind die Kreuze umgefallen, stehen schief, das Gras in der Anlage und drum herum ist üppig gewachsen. Moose und Schmutz setzen dem Metallgitter zu und werden mit Spachteln auch von der umgebenden Mauer entfernt. Norbert schneidet die Äste, die in die Anlage ragen, mit Bürsten wird der Zaun gereinigt, die Eingangstüre wird wieder hergestellt und ein Öffnen derselben ermöglicht. Norbert, Martin und Paul kümmern sich um die Kreuze, die zuerst gesäubert werden und dann wieder auf einem soliden Fundament aufgestellt werden. Nach zwei Stunden hat die Mannschaft ganze Arbeit geleistet, die Anlage sieht sehr sauber und aufgeräumt aus.


Auf den Äckern blüht der Raps

So geht es an den nächsten Tagen weiter. Tobias Pauli (40), Stabsunteroffizier, und Philipp Wiedemann (20), Hauptgefreiter, sind von der Bundeswehr in Kitzingen dafür abgestellt worden, die Männer und ihr Arbeitsgerät zu den Einsatzorten und am Ende der Woche wieder nach Hause zu bringen. Die beiden arbeiten tagsüber fleißig mit. Die Gegend um Metz erinnert an die fränkische Heimat: Die Landschaft ist hügelig, Ackerland allenthalben, nur wenig Viehwirtschaft. Derzeit blüht überall der Raps und würde es nicht Baguette zum Frühstück geben, könnte man meinen, man befände sich in der Rhön. Die Arbeitstage ähneln sich: Ausrücken zu den Grabmalen, alles wieder herrichten, weiter zum nächsten. Pro Tag schaffen wir vier Denkmale. Die zu finden ist nicht immer leicht. Ein besonderes Denkmal steht zwischen einem Acker und dem Waldrand, irgendwo zwischen Vernéville und Chantrenne. Mit den Fahrzeugen kommt man gar nicht hin. Rund 500 Meter müssen die Männer ihr Arbeitsgerät erst schleppen, bis sie die Anlage erreicht haben. "Es starben den Heldentod vom Schleswsch. Inf. Rgt. Nr. 84 im Feldzuge 1870 - 71 14 Off. 11 Unt.off. 181 Soldaten" steht auf der Erinnerungstafel. An der Seite sind etliche Namen aufgeführt. Das Denkmal ist gut fünf Meter hoch, eingezäunt, es steht auf einem soliden Mauer-Fundament. Die gesamte Anlage ist ziemlich überwuchert, das Unkraut sprießt reichlich. Norbert, Martin, Benno und Günter kümmern sich um die Grobarbeiten außen: Äste und ganze Bäume werden entfernt, das hohe Gras und Unkraut gemäht. Derweil rücken Herbert, Richard und Paul dem Denkmal mit Spachteln und Bürste zu Leibe, ringsherum wird das Moos entfernt, der Schmutz vom weichen Sandstein geschrubbt. Am Ende wischen sich alle mit zufriedenen Gesichtern den Schweiß von der Stirn: Die Arbeit hat sich gelohnt. Das Denkmal ist jetzt wieder weit sichtbar, die Texte auf den Tafeln und die Namen sind gut zu lesen, das Mauerwerk als solches wieder erkennbar und nicht mehr vom Moos überwuchert. "Es ist absolut zufriedenstellend, das Ergebnis unserer Arbeit zu sehen", meint Herbert. Er spricht damit allen aus dem Herzen. Und weiter geht's, zum nächsten Denkmal ...