Mehr oder weniger berühmte Persönlichkeiten sind als Namenspatrone für Straßen, Wege und Plätze auch in Münnerstadt und den Stadtteilen sehr beliebt. 210 gibt es, 43 sind nach Ärzten, Pfarrern, Dichtern, Politikern oder Größen aus dem Wirtschaftsleben benannt. Auffallend ist, dass keine einzige Frau darunter ist.

Wenn demnächst neue Baugebiete erschlossen werden, wäre Gelegenheit dazu, das zu ändern. Im Stadtteil Windheim ist eine 264 Meter lange Straße nach dem Würzburger Bischof Arno (oder Arn) benannt. Wann er geboren wurde, ist nicht bekannt. Auch wo er herkommt, weiß niemand. Möglicherweise war er ein Schüler von Bischof Gozwald von Würzburg und Angehöriger des Domstifts. Erst mit seiner Weihe zum neunten Bischof von Würzburg tritt der Kirchenmann, der auch vielfältige politische und militärische Aufgaben übernahm, aus dem Dunkel der Geschichte. Im Jahr 855 wurde Arno von Ludwig dem Deutschen, der zuerst Unterkönig von Bayern war und von 873 bis 846 König des Ostfrankenreiches, zum Bischof von Würzburg ernannt. Dazu brauchte ein Herrscher jenseits der Alpen damals den eher unwichtigen Papst im fernen Rom nicht. Arnos Regierungszeit als Bischof fällt in die Zeit der karolingischen Herrscher Ludwig II. von Italien, Karl II., Karl III. und Arnulf von Kärnten.

Zwei verschiedene Quellen

Bischöfe waren in jenen Jahrhunderten nicht nur Kirchenmänner, sondern hatten auch wichtige Aufgaben in der Verwaltung und waren Heerführer. Zum einen ging Arno als Erbauer des zweiten Würzburger Doms in die Bistumsgeschichte ein. Am 5. Juni 855, kurz bevor er zum Nachfolger Gozbalds auf dem Bischofsstuhl ernannt worden war, war der Blitz in den von Bischof Berowelf geweihten Salvatordom eingeschlagen, heißt es in einer Quelle. Der Bau, der an der Stelle des heutigen Neumünster stand und zu den größten Kirchenbauten seiner Epoche zählte, brannte völlig nieder; ein nachfolgendes Unwetter brachte dann auch noch die Mauern des Domes zum Einsturz.

Nach einer anderen Quelle wurde Arno er allerdings schon im September 854 zum Bischof geweiht. Bischof Arno ließ in unmittelbarer Nähe zu Ehren der Frankenapostel einen neuen Dom errichten. Geweiht wurde der dreischiffige spätkarolingische Kiliansdom (basilica sancti Kiliani) vermutlich zwischen 880 und 890. Aus diesem Anlass wurden die Kilians-Reliquien in einer feierlichen Prozession in die neue Krypta überführt, dabei sollen viele Wunder geschehen sein. Auch außerhalb seiner Bischofsstadt war Bischof Arno als Baumeister tätig: Im Osten seines Bistums ließ er, so der Geschichtsschreiber Thietmar von Merseburg, in zehn Jahren neun Kirchen bauen. Im Dienste des Reiches und der Reichskirche nahm er wiederholt an Reichstagen und Reichssynoden teil. In vier Feldzügen war er Heerführer.

Am Altar erstochen

Während der Regierungszeit von König Ludwig fielen die Mähren, Böhmen und Wenden in Bayern ein und richteten große Verheerungen an. Bischof Arno begleitete den König auf dem Kriegszug gegen sie. 891 zog er mit Kaiser Arnulf gegen Herzog Zwentibold von Mähren und Böhmen zu Feld. Der Herzog wurde geschlagen und in das Meißener Land zurückgeworfen. Arnulf verfolgte ihn dahin.

Am 13. Juli 891, als im Kriegslager von Kaiser Arnulf zu Ehren der heiligen Margaretha ein Gottesdienst gefeiert wurde, stand natürlich Bischof Arno am Altar. Plötzlich stürmten die Krieger des Herzogs das Lager und richteten ein furchtbares Gemetzel an. Bischof Arno erstachen sie am Altar. Sein Leichnam wurde nach Würzburg geführt und dort an beim Altar der heiligen Apostel Petrus und Paulus bestattet. Im ökumenischen Heiligenlexikon ist Bischof Arno als Heiliger aufgeführt. Dort heißt es "die Verehrung als Märtyrer war in Franken vor allem im 16. bis 18. Jahrhundert lebendig". An anderer Stelle sucht man ihn jedoch vergeblich unter den Heiligen. Als Seliger wird er ebenfalls öfter bezeichnet.