Am Eingang zum Hofladen des Landwirtschaftsbetriebs Schlembach in der Hauptstraße 3 im Münnerstädter Stadtteil Kleinwenkheim hängt seit wenigen Tagen ein Schild mit der Aufschrift "Demonstrationsbetriebe ökologischer Landbau. Ein Blick in die Öko-Landwirtschaft". Der Betrieb von Landwirtschaftsmeister Andreas Schlembach ist der einzige im Landkreis Bad Kissingen, der in das Bundesprogramm "ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aufgenommen wurde. Aus Bonn war extra Thomas Kollritsch von der Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe ökologischer Landbau gekommen, um das Schild zu überreichen. Nicht ganz so weit hatte es Bürgermeister Michael Kastl.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hatte aus knapp 32 000 Öko-Betrieben in Deutschland 290 Demonstrationsbetriebe "ökologischer Landbau" ausgewählt, darunter auch den Landwirtschaftsbetrieb Schlembach am Ortsende von Kleinwenkheim in Richtung Großwenkheim, wo die Straße nach Maria Bildhausen abzweigt. Thomas Kollritsch wies darauf hin, dass bereits jeder 8. Betrieb in Deutschland nach ökologischen Vorgaben arbeitet und dass die Bundesregierung es sich zum Ziel gesetzt hat, den Anteil der Bio Fläche in der Landwirtschaft bis zum Jahr 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen. Ein Bundesprogramm soll dazu dienen, ein Netzwerk zu schaffen, die Rahmenbedingungen für die nachhaltige und ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft zu verbessern und die Voraussetzungen für ein gleichgewichtiges Wachstum von Angebot und Nachfrage zu schaffen.

Führungen, Feste und Seminare

Zum Angebot der Demonstrationsbetriebe muss nicht nur die ökologische Herstellung landwirtschaftlicher Produkte aller Art vom Käse und Ziegenfleisch bis zum Honig zählen, sondern eben auch die Demonstration. Das bedeutet die Organisation von Führungen, Seminaren oder Hoffesten für Verbraucherinnen und Verbraucher, Familien, Schulklassen, Kolleginnen und Kollegen, die auf biologischen Landbau umstellen oder sich einfach informieren wollen.

Umstellung auf Vollerwerb

Die Familie Schlembach bewirtschaftet den Hof seit drei Generationen. Andreas Schlembach übernahm ihn vor vier Jahren von seinem Vater und stellte ihn sogar von Neben- auf Vollerwerbswirtschaft um. Gleichzeitig richtete er ihn auf Naturland-Zertifizierung aus. 50 Hektar Ackerfläche und Grünland, 30 Merino-Schafe sowie 1000 Legehennen und 200 Hähnchen sorgen dafür, dass Andreas Schlembach und seiner Frau Anna, die auch noch zwei Tage in der Woche als Ärztin im Campus in Bad Neustadt arbeitet, die Arbeit nie ausgeht.

Nicht zu vergessen der Bio-Hofladen mit seinem breiten Sortiment, der mittwochs und freitags jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 7.30 bis 12 Uhr geöffnet ist und die einzige Möglichkeit zum Einkaufen im Dorf bietet. Samstags gibt es frisches Brot und Brötchen. "In München oder Berlin sind sie natürlich kein Thema, aber auf dem Land gibt es eine große Nachfrage nach solchen Hofläden", ergänzte Thomas Kollritsch.

Im Schäferstübchen neben dem Hof gibt es sieben Tage in der Woche und rund um die Uhr Eier, Eis oder gekühlte Getränke, was Radler, Wanderer oder Spaziergänger besonders schätzen. Die frei laufenden Hühner und speziell der Hahn am Ortsrand sind vor allem für Kinder eine besondere Attraktion . Oft legen auch Autofahrer, meist mit Kennzeichen aus Städten, deshalb hier einen kurzen Stopp ein. "Als Familienvater bekomme ich mit, dass die Kinder von der Landwirtschaft außer Schleppern auf den Straßen nichts sehen. Hier ist es wie Urlaub auf dem Bauernhof, nur ohne Übernachtung", stellte Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl (CSU) fest.

Falsche Ortsangabe

"Die Hühner hier fallen wirklich total auf in der Landschaft", sagte auch Thomas Kollritsch. "Es war falsch, dass Landwirte ihre Höfe zugemacht und abgeschirmt haben", ergänzte Andreas Schlembach und "wir haben jeden Tag Tag der offenen Tür". Thomas Kollritsch hatte eine Deutschland-Karte mit 290 roten Punkten, die die "Demonstrationsbetriebe ökologischer Landbau" symbolisieren. Die meisten Betriebe, nämlich 48, gibt es im Freistaat Bayern. Andreas Schlembachs Landwirtschaftsbetrieb ist bereits dabei. Allerdings muss die Adresse noch korrigiert werden, denn als Ortsangabe steht da "Kleinwecklein". Die nächste Karte, dann mit "Kleinwenkheim", kommt nächsten Januar, versprach Thomas Kollritsch.