Und so war es dann auch. Es wurde zwar selten so gelacht, wie diesmal, doch das war der kleinere, pfiffigere Beitrag von Bärbel Fürst, Bernt Sieg und Jens-Müller Rastede. Bekannt sind die drei ja von der ersten Lesung vor fünf Jahren als Klartextsprecher und Gemütsmahner, doch hätte einer der Gäste gerade Suppe gegessen, als das Buch der Bücher des säkularen Deutschland, das Grundgesetz zum Thema wurde, er hätte sich verschluckt.

Der Artikel 20 hatte es ihnen angetan. Die Litera(n)ten interpretierten besonders den Absatz 2 in der für sie so besonderen Weise: "Alle Gewalt geht vom Volke aus." Dieser Staat ist ein Dienstleitungsunternehmen und das Volk der Arbeitgeber. Es stellt ein und feuert auch, es sorgt für Betriebsfrieden und lässt auch beim Gewaltmonopol seine leitenden Mitarbeiter, auch Politiker genannt, nicht von der Leine. Der Arbeitsvertrag mit diesen, die laut Artikel 20 vom Volk durch Wahlen bestimmt werden, müssen die geltenden Arbeitsverträge einhalten und bekommen auch neue, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Die Vorleser nennen in ihrem Beitrag dazu viele Details und kommen zu dem Schluss, dass "wir, das Volk" unsere Angestellten gut behandeln, sie jedoch bei Nichteinhaltung der Arbeitsverträge mit dem Verlust ihrer Stelle rechnen müssen. Schlucken im Publikum!

Das löst sich in den Zwischenspielen schnell, wenn Milli Genth mit dem Glockenspiel oder mit der Gitarre Weihnachtshymnen klimpert oder lauthals den "König von Deutschland" hochleben lässt. Sie verbreitet den Optimismus, dessen Gegenteil die Litera(n)ten mitunter aus ihren Texten laufen lassen. Da ist zum Beispiel ein Herr Infantino, ungeübte Kenner der Fußballszene verstehen erst einmal "infantil". Die Zuhörer werden durch die Recherchetexte aus verschiedenen Medien schnell in das brutale Geschäft mit dem Volkssport Fußball geführt. Dessen Weltverbandschef Infantino versucht das Unternehmen FIFA noch weiter zu kommerzialisieren, bzw. sogar überflüssig zu machen. Es geht um Gier, Macht und Egoismus. Auch die Litera(n)ten haben das entlarvt. Ein wenig Herz zeigt Bärbel Fürst dann doch: "Ich würde gerne den Paule wieder auf der Ehrentribüne sehen."

Milli Genth bringt mit "Theodor im Fußballtor" Stadionstimmung in den übervollen Keller des Bayerischen Hofs und hebt die Weihnachtsstimmung mit der Eigenproduktion "Weihnachten ist doll". Die Nachdenklichkeit bei der Lesung wird von einer gelösten Stimmung durch satte und sarkastische Weihnachtssprüche abgelöst, bei denen, auch für die Vortragenden selbst, kein Auge trocken blieb. Eine kleine Auswahl gefällig? Bernt Sieg zitiert Arthur Koestler: "Wer zu Weihnachten Gutes tun will, richtet auch sonst viel Schaden an". Bärbel Fürst zitiert Gerhard Polt: "Gesegnet seien jene, die ein Gedicht gelernt haben und schon in der ersten Zeile stecken bleiben". Und Jens Müller-Rastede fand etwas von Albert Schweitzer: "Gelobt der Gast, der Pünktlichkeit versteht; gepriesen sei jener der schnell geht!" Zu einem wiederholten Höhepunkt geriet die Lese-Szene zwischen Gott und seinem Diener Don Camillo. Dessen gutherziger Versuch, Hühner an Weihnachten für die Armen zu besorgen, bedurfte mal wieder der Hilfe seines irdischen Gegners Peppone und der ordnenden Worten Gottes. Weihnachten eben!

Hartmut Hessel