"Ich habe mich immer und überall verständlich machen können", meinte der Erzähler des Tages, als ihm zu Beginn seiner Ausführungen ein Mikrofon bereitgestellt wurde. Und weiter: "Ich hatte im Leben eigentlich immer Glück! Ich bin ein Sonntagskind und wurde an einem Sonnentag, noch dazu in Oldenburg, im Jahre 1946 in einem Lehrerhaushalt geboren."
Während der Schulzeit erwies sich das Gymnasium für ihn als völlig ungeeignet, da er mit Mathematik und Latein generell auf dem Kriegsfuß stand. Die Realschule zeigte sich für den von Kindheit an für Musik begeisterten Schüler als idealer Schulkörper.

Er wollte Buchhändler werden

Auf die Frage seiner Eltern nach seinem Berufswunsch nannte er damals: "Buchhändler". Er erlernte dann doch noch einen "ordentlichen" Beruf, er schloss eine Lehre als Optikergeselle ab!
Nebenbei war Müller-Ras tede in verschiedenen Hobbychören aktiv, nahm heimlich Gesangsunterricht. Durch eine Optiker-Kollegin erfuhr er von einer Ausschreibung des Großen Schauspielhauses in Köln, wo ein Knabe mit hoher Singstimme gesucht wurde. 1970 wurde er dort vorstellig - und angenommen!
Was nun? Sein Arbeitgeber spielte mit, der Versuch wurde gewagt. Dreißig Vorstellungen gab es mit dem ersten Stück; während dieser Zeit konnte Müller-Rastede in Köln auch seinen Schauspiel- und Gesangsunterricht abschließen. Der junge Schauspieler und Sänger blieb in Köln, das Glück und die Umstände waren ihm gewogen, es gab neue Engagements, neue Stücke. "Dabei durfte ich auch mit so großen Kolleginnen wie Elisabeth Flickenschildt gemeinsam agieren."
Dann wurden 14 Schauspieler für eine große griechische Tragödie gesucht. 850 Bewerbungen gab es, 300 kamen in die nähere Auswahl. "Ich war dabei." Es folgten drei Jahre in Berlin, Begegnungen mit großen Namen und Vorbildern folgten, die zeigten: "Schauspieler sind Handwerker, ihr wichtigstes Werkzeug ist die Sprache." Und dann erreichte Rastede 1976 ein Angebot für ein Engagement nach Maßbach, wusste der Berufsschauspieler zu berichten. Aber: "Wo bitte ist denn Maßbach?" Er fand es, fand Gefallen am ersten Stück "Ein Engel namens Schmitt", der ungewohnten Bühne, dem Umfeld, dem Arbeiten unter Lena und Heinz Hutter - und blieb von 1977 bis 1981 im Fränkischen. "Die Zeit möchte ich nicht missen", meinte Jens Müller-Rastede dazu und erinnert sich an die besonderen Umstände bei Theater-Tourneen wie Garderoben in Großküchen oder Kohlenkellern. Völlig frei von Engagements ging er später in die Bayerische Landeshauptstadt, musste "Klinken putzen", Kontakte knüpfen, bei Rundfunk und Fernsehen vorsprechen, um wenigstens zu kleinen Engagements zu kommen.

Rolle im Jugendtheater

Großes Glück dann wieder: Es gab eine schöne Rolle am Jugendtheater der Kammerspiele der Stadt München. Die nachfolgenden vier Jahre in Pforzheim waren für ihn eine schwierige Zeit; mit dem "Schwäbischen" kam er überhaupt nicht zurecht.
Es folgten wieder Jahre auf den Bühnen in Maßbach, danach in Coburg; viele Intendanten konnte er erleben und überleben, wirkte vermehrt bei Musikschauspielen mit. Auch in Thüringen gab es Spielzeiten; seine letzte Vorstellung mit dem Theater Maßbach in der Aula in Münnerstadt hatte Müller- Rastede im Jahre 1987 gegeben. Nach 40 Jahren Schauspielerleben, mitten in der Spielzeit, gewann die Überlegung und der Entschluss bei ihm die Oberhand: Es reicht, ich will nicht mehr. Und: "Ich vermisse das Theater und die Bühne nicht. Wenn ich mir allerdings mal wieder eine Vorstellung ansehe, dann juckt's manchmal schon."