Man kennt das ja. Viele Vereine haben massive Nachwuchsprobleme, etliche Vereinsvorstände suchen händeringend einen Nachfolger. Nicht selten steht am Ende die Auflösung eines Vereins, der vielleicht Jahrzehnte lang entscheidend das Leben in einem Dorf mitgestaltet hat. Eine Entwicklung, die viele Menschen mit großer Sorge sehen. Die muss sich Karl Heinz Mangold, der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Münnerstadt und Umgebung nun wirklich nicht machen. Der Nachwuchs ist gesichert. Viele Kinder und Jugendliche hat er in den letzten 16 Jahren für die Kleintierzucht begeistern können, manche so sehr, dass sie leidenschaftliche Züchter geworden sind. Und sogar ein Europameister ist dabei.

Im Jahr 2004 ist Karl Heinz Mangold zum Kleintierzuchtverein Münnerstadt und Umgebung gekommen. "Vorher hatte ich keine Zeit", sagt er. Die Arbeit hat ihn voll in Anspruch genommen. Dafür ist er gleich voll beim Verein eingestiegen, war sofort Schriftführer, wenig später Vorsitzender. Karl Heinz Mangold hat einen riesigen Ordner mitgebracht. Nach kurzem Blättern ist klar, dass er die laufende Nummer elf hat, heute hat der Verein 42 Mitglieder. "Also sind 31 Mitglieder mit der Zeit dazugekommen".

Sieben Jugendliche sind unter den Mitgliedern, etliche weitere sind in jungen Jahren beigetreten und inzwischen erwachsen geworden. Und es ist ganz und gar nicht so, dass die Jugendlichen eintreten, deren Eltern oder Großeltern bereits Kleintierzüchter waren. "Da bleiben von 100 gerade einmal zwei", sagt der Vereinsvorsitzende. Nach einem Blick in seinen Ordner steht fest: "Es sind alles Quereinsteiger."

Wie schafft es der Verein, Jugendliche zu gewinnen, deren Eltern und Großeltern nichts mit Kleintierhaltung zu tun hatten? Da verweist Karl Heinz Mangold auf den Namen Kleintierzuchtverein. "Zucht heißt, Tiere vermehren nach den Standards. Mein Prinzip ist, sich nicht nur an Züchter halten, sondern an Leute, die an Tieren Spaß haben."

Das gelingt ihm erst einmal durch Öffentlichkeitsarbeit. Bei der Baumesse der Firma Seger-Transporte im Frühjahr 2008 in der Unteren Au war der Kleintierzuchtverein Münnerstadt und Umgebung erstmals vertreten. "Wir haben ein kleines Zelt aufgebaut und Tiere ausgestellt", erinnert er sich. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten.

Inzwischen mietet der Kleintierzuchtverein Münnerstadt und Umgebung alljährlich zum Schutzengelmarkt den Schlosshof, verköstigt die Besucher und stellt Tiere aus. Früher gab es einen kleinen Streichelzoo, aber inzwischen ist es nicht mehr erlaubt, die Tiere aus den Käfigen zu nehmen. Aber auch die reine Ausstellung verfehlt ihre Wirkung nicht.

Mit dem reinen Interesse wecken ist es nicht getan. Wenn die jungen Neumitglieder erst einmal Tiere haben, bekommen sie Hilfestellung von den erfahrenen Züchtern. "Wir geben Tipps zur Fütterung, Impfen, Tätowieren und wie man die Tiere für Ausstellungen vorbereitet", sagt der Vorsitzende. Und bei den monatlichen Treffs bekommen sie die Fachzeitschriften. Auch bei Festen werden die Jugendlichen mit eingebunden. "Ich lege Wert darauf, dass die Jugendlichen bei unserer Lokalschau integriert sind, aber auch bei größeren Ausstellungen."

Der Kleintierzuchtverein Münnerstadt und Umgebung, der Mitglieder in Nordheim v. d. Rhön, in Alsleben und Gerolzhofen hat, beschränkt sich nicht auf Lokal- und Regionalschauen. "Wir haben Landesmeister, Deutsche Meister und Europameister in unseren Reihen." Felix Mack, der einst auch als Nachwuchs gewonnen wurde, hat mit einem seiner Kaninchen diesen Titel geholt. Darauf ist Karl Heinz Mangold schon ein bisschen stolz.

Aber es gibt auch einen Wermutstropfen. An diesem Wochenende hätte die diesjährige Lokalschau im Vereinsheim in Althausen stattfinden sollen. Auch sie fällt wegen Corona aus. "Das ist unser Erntedankfest. Du züchtest die Tiere, damit du sie im Herbst ausstellen kannst." In diesem Jahr nicht. Schade findet das Karl Heinz Mangold besonders mit Blick auf den Nachwuchs. Jedes Tier wird bewertet, die besten prämiert. Das sei auch immer ein schöner Ansporn. So ruht die Hoffnung auf dem nächsten Jahr.