Wenn mehr als 200 Chorsänger in der Münnerstädter Stadtpfarrkirche ihre Stimme erheben und von Orgel und Blechbläsern sowie Percussion punktgenau begleitet werden, dann erzeugt das Gänsehautfeeling im Gottesdienst. In der Stadtpfarrkirche fand das Regionaltreffen der Kirchenchöre statt. 17 Chöre aus zwei Landkreisen (Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) gestalteten die Vorabendmesse zum Patrozinium des Gotteshauses mit. "Es ist beeindruckend, sie singen zu hören", stellte Stadtpfarrer Markus Reis gleich nach dem Einzug fest, bei dem Chöre, Orgel, Blechbläser und Pauken und die Gottesdienstbesucher das Lied "Das Jahr steht auf der Höhe" sangen und spielten. Und Pater Markus hatte recht mit dieser Feststellung. Gesang und Musik waren tatsächlich eine Werbung für die Kirchenmusik.
Regionalkantor Peter Rottmann, der zu diesem Treffen geladen hatte, wählte die Missa brevis in B des 2015 verstorbenen englischen Komponisten Christopher Tambling für diesen Anlass aus. Monumental, aber auch romantisch und dann wieder ganz leicht waren die Kompositionen des Engländers, die der große Gemeinschaftschor eindrucksvoll darbot. Mit dem Blechbläserensemble der Musikakademie Hammelburg und den beiden Solisten, Matthias Braun (Orgel) und Frank Stäblein (Pauke, Röhrenglocken) sowie mit ihrem Dirigenten Peter Rottmann wussten die Sänger einfühlsame Partner an ihrer Seite. Eindrucksvoll auch Matthias Brauns feinfühlige Variationen über das Kirchenlied "Maria, dich lieben" während der Kommunion sowie Louis Viernes fulminantes Finale aus der Orgelsinfonie op 28 zum Ende des Gottesdienstes.
Für das Regionaltreffen hatten die Chöre in ihren Heimatgemeinden das Liedgut einstudiert. Die einzige gemeinsame Probe aller Teilnehmer war gleich die Hauptprobe und ein wichtiger Teil des Regionaltreffens.
Das Regionaltreffen war ein Programmpunkt des Rhöner Orgelsommers. Peter Rottmann hat sich damit den lang gehegten Wunsch erfüllt, einen Gottesdienst mit vielen Chören und mit Begleitung von Bläsern und Orgel im Rahmen dieser Musikreihe zu gestalten. In diesem Zusammenhang hatte sich das Patrozinium in der Stadtpfarrkirche "St. Maria Magdalena" angeboten. Peter Rottmann freute sich, dass fast alle Chöre aus beiden Landkreisen an diesem Treffen teilnahmen. Nur zwei hatten abgesagt.
Dabei verschwieg Rottmann auf Anfrage nicht, dass die Kirchenchöre durchaus ihre Probleme haben, weil die Sänger und Sängerinnen weniger werden. "Doch es gibt hoffnungsvollen Nachwuchs", betonte Rottman und zeigte in die Reihen, wo sich neben vielen älteren Sängern doch auch wieder junge Leute für die Kirchenmusik interessieren. Der Chorgesang sei ein unschätzbares Gut, betonte Peter Rottmann am Ende des Konzerts, der am Ende begeistert war von der Leistung seiner Chöre.


Besonderes Ereignis

Das Regionaltreffen mit dem Gottesdienst zum Abschluss war auch für die Sänger herausragend: "Dieses Gemeinschaftserlebnis zu spüren, ist etwas Besonderes", betone Markus Wollmann (Chorleiter in Bad Brückenau). Wollmann sprach von einem Aha-Erlebnis. "Für solche Ereignisse singt man eigentlich", stellte sein Chorkollege Christoph Starz fest. In einem so großen Gemeinschaftschor zu singen, war für den Bad Kissinger Sänger Winfried Pfülb eine Premiere, auf die sich die Bad Kissinger Kantorei in den letzten Wochen gerne vorbereitet hatte. Alrun Lintner (Münnerstadt) freute sich, dass dieses Treffen zum Patrozinium der Stadpfarrkirche stattfinden konnte. Für sie war es spannend zu erleben, wie das Zusammenspiel von Chören und Musikern funktionierte. Langer Applaus beschenkte die Akteure. Pater Markus sprach von einem Geschenk, das die Chöre und Musiker der Münnerstädter Pfarrei zum Patrozinium gemacht hätten. Beim Blick in die voll besetzten Bänke lud er die Akteure ein, auch am kommenden Samstag Gast in der Vorabendmesse der Stadtpfarrkirche zu sein.