Das Kulturmarketing im Deutschordensschloss ist innerhalb weniger Tage auf eine private Initiative aufgesprungen und hat den "Münnerstädter Kabarett Herbst" kreiert. Lizzy Aumeier und ihre musikalischen Begleiterinnen, die Weißen Lilien, bildeten den Auftakt in der Alten Aula. 3. Bürgermeister Axel Knauff brachte die Freude über die neue Veranstaltungsreihe im ansonsten ausgefallenen Jubeljahr "1250 Jahre Münnerstadt" zum Ausdruck.

Ein "Strauß weißer Lilien" besetzte das Podium. Mit den ersten Takten im Stile Mozarts Salonmusik versanken wohl die ersten in Melancholie, um Sekunden später einen abrupten Melodienwechsel zu spüren. Lennon/McCartneys " A Hard Days Night" und später noch Bert Kaempfert´s "Stranger in the Night" machten die Ouvertüre zu einem vielversprechenden Auftakt. Eine sehr klassische Besetzung hatte sich "Oberlilie" Lizzy Aumeier da zusammengesucht. Allesamt toll ausgebildete Musikerinnen waren ein Garant für einen spannenden Konzertabend.

Angeführt von Svetlana Klimova auf der Violine spielte Gaby Athmann die Flöte und schüpfte dazu in die Rolle der Mutter von Levi Strauss, dem Erfinder der Jeans. Irene von Fritsch auf dem Violincello fügte sich in die Rolle der Ex-Frau von Dominique Strauss-Kahn, dem sehr tief gefallenen Ex-Chef des Internationalen Währungs-Fonds und potenziellen Präsidentschafts-Kandidaten in Frankreich; am Klavier fand Alice Graf ihre Rolle als Adele Strauß, der 3. Ehefrau des Walzerkönigs Johann Strauß II. Und Lizzy Aumeier, die mittelfränkische Pionierin mit dem Kontrabass, fand ihre Rolle in Marianne, der Ehefrau des ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß.

Die volkstümlichen, bekannten Melodien aus verschiedenen Ländern, vornehmlich mit russischem Einschlag, dienten im ersten Teil als Brücke zu den Rundumschlägen auf die Ehemänner der Strauß-Frauen.

Und immer wieder die Männer

Die bekamen ihr Fett weg, vor allem die Schlafzimmertüren wurden geöffnet und manchmal auch die Bettdecke gelupft. Die Mutter des in die USA eingewanderten Jeansfabrikanten war mehrfach stolz auf die Ehelosigkeit ihres Sohnes, was das auch immer im puritanischen Amerika des 19. Jahrhunderts zu bedeuten hatte. Die Behauptung der Straußmutter, dass sie heute für Donald Trump wäre, löst einen Shitstorm bei den anderen aus. Das mussten aber alle gegenseitig ertragen, denn die Vorzüge ihrer Männer verwandelten sich schnell in triebgesteuerte Verhaltensweisen und moralische Abgründe. Aber lieb hatten sie ihre Kauze doch. "Adele" konnte ihren Johann dann wenigsten noch präsentieren mit "Rosen aus dem Süden" oder Stücke aus der Operette "Zigeunerbaron", das ja auch "nicht mehr politisch korrekt ist", wie "Marianne" alias Lizzy Aumeier sofort bemerkte.

Die Zeitsprünge waren das Bemerkenswerte an dem Streitgespräch der vier Strauß-Frauen über die Vorzüge ihrer Partner. Und natürlich war Oberlilie Aumeier in Hochform, wenn sie die männlichen Zuschauer im Saal mit ihrer unvergleichlich direkten Art ansprach.

Publikum mit eingebunden

Zuerst wurde der Windheimer Thomas Reuß fälschlicherweise von Lizzy Aumeier als der Bürgermeister ausgefragt, wohl deswegen, weil er in der ersten Reihe gesessen hat: "Wer bist denn Du? Was macht Du so? Bei welcher Partei bist du?" Der Angesprochene antwortete brav und konnte zur Entlastung zum wahren Bürgermeister des Abends in der fünften Reihe verweisen. Vom Ingenieur Axel Knauff wollte Lizzy, mit ihren weiblichen Formen kokettierend wissen: "Wenn ich eine Maschine wär"?"Dem fiel natürlich eine schmeichelhafte Bemerkung ein. Und immer wieder war es Svetlana Klimova, die zur Musik zurückkehrte. Ihr schien die Debatte um die Energie der Frau beim Sex nicht zielführend. "69 Kalorien werden verbraucht!" stellt Lizzy Aumeier in ihrem schnoddrigen Mittelfränkisch fest, und die anderen ihrer Musikerinnen erschienen ganz verwundert. Dann lieber "eine Melodie für die Ewigkeit", ein weiterer Hörgenuss mit der ehemaligen Konzertmeisterin der Moskauer Symphoniker. Das Damen-Salonorchester präsentierte sich als eine geschlossene Einheit.

Und zum Ende hin trat auch der leibhaftige Johann Strauß Sohn auf die Bühne und bezirzte seine "Adele" am Klavier, die die Gelegenheit nutzt, ihn wegen seiner Treulosigkeit zur Rede zu stellen:" Warum hat Du mich verlassen?" Der Komponist und Lebemann, dargestellt von Andreas Stock, der im wirklichen Leben wie Lizzy selbstverzweifelt ausruft, seit 23 Jahren ihr Ehemann ist, antwortet mit "Borstenvieh und Schweinespeck" aus der jetzt vom Ensemble korrekt bezeichneten Operette "Der Ungarische Minderheitenbaron".

Lizzy Aumeier versäumt es an diesem Abend nicht, die derzeitigen Coronamaßnahmen als notwendig zu bezeichnen, auch wenn diese ihnen als Künstlerinnen und Künstlern das Überleben sehr, sehr erschwere. "Deshalb ist so eine Auftrittsmöglichkeit hier in Münnerstadt wichtig!" Ein Herzenssmiley ging an Susanne Will, Kilian Düring und Dr. Nicolas Zenzen, den Initiatoren.

Der anschließende "Abendsegen" aus der Hänsel und Gretel" Operette schaffte ein friedliches Ende.