"Wie zu einer Trauung war gestern der Rathaussaal geschmückt", war im Mai 1970 in der Zeitung zu lesen. Streng genommen war es auch eine Verbindung, die die Städte Bad Kissingen und Münnerstadt im Mai 1970 eingingen. Und diese Beziehung hält nun schon 50 Jahre, länger als so manche Ehe. Aber wie beim Bund fürs Leben hat es gute und auch schlechte Zeiten gegeben. Anders ist allerdings, dass die Zweckvereinbarung zur Sicherstellung der Wasserversorgung immer mal wieder erneuert werden muss.

Die Anfänge liegen aber noch viel weiter zurück. Schon 1914 war den Bad Kissinger Stadtvätern klar geworden, dass sie mit der Liebeskindquelle die Wasserversorgung nicht langfristig aufrecht erhalten können. Deshalb gaben sie ein Gutachten beim Zivilingenieur Haßold in Nürnberg in Auftrag. Der sollte neuer Wassergewinnungsgebiete erkunden. Ins Auge gefasst wurde eine Hochquellenleitung aus der Vorrhön, eine Hochquellenleitung aus dem Sinngrund bei Oberbach und eine Wassergewinnung im Talgrund bei Münnerstadt mit Hebewerk.

Wasser passt zusammen

Der Zivilingenieur entschied sich für Münnerstadt, einerseits, weil die Erschließungskosten recht günstig wären und vor allem, weil das Wasser ebenso wie die Bad Kissinger Quellen aus Muschelkalk kommt und somit gut mischbar wäre. Es gingen allerdings noch ein paar Jahre ins Land, bis der Kaufvertrag zwischen einem Münnerstädter Landwirt und der Stadt Bad Kissingen notariell beglaubigt war. Das war im August 1962. Für viele Münnerstädter war der Verkauf ein Skandal.

Es folgten erste Pumpversuche um zu schauen, ob sich die Wasserentnahme auf die Fließgewässer auswirken. Dann sperrte sich die Stadt Münnerstadt, weil sie die eigene Wasserversorgung gefährdet sah. Die Stadt Bad Kissingen kam dem entgegen, es wurde eine Leitung zwischen den nah beieinander liegenden Brunnen gebaut, um Münnerstadt notfalls mit Wasser aus den Bad Kissinger Brunnen versorgen zu können. Darauf genehmigten die Stadträte die vorläufige Wasserentnahme, die zunächst auf ein Jahr befristet war. Bei der Vertragsunterzeichnung hob Hans Weiß hervor, dass von keiner Seite versucht worden sei zu mogeln und es zu einem fairen Vertrag gekommen sei.

Ein Jahr später wurde die Förderung von Wasser für Bad Kissingen aus dem Tal aufgenommen. Die wasserrechtliche Genehmigung, beinhaltete ganz genauer Regelungen bezüglich der Entnahmemenge. Nicht mehr als 160 Liter in einer Sekunde, 10 000 Kubikmeter an einem Tag und 750 000 Kubikmeter in einem Jahr durften es sein.

Vereinbarung geschlossen

Schon damals war klar, dass diese Jahresmenge nicht ausreichen wird. Gleichzeitig stand die Gebietsreform ins Haus. In Münnerstadt war schon beschlossen, dass künftig einige neue Stadtteile im Osten von der Münnerstädter Gruppe mit Wasser aus dem Tal versorgt werden. Weil die Bad Kissinger aber absehbar ebenfalls mehr Wasser aus den neuen benachbarten Brunnen im Tal brauchten, wurde vor 50 Jahren die Vereinbarung zur Sicherstellung der Wasserversorgung der Stadt Münnerstadt von beiden Städten unterzeichnet.

Darin war geregelt, dass die Stadtwerke Bad Kissingen die Münnerstädter mit Wasser mitversorgen, falls der Bedarf steigt, die Schüttung der Münnerstädter Quellen abnimmt oder beides eintritt. Oder auch, wenn ein anderer nicht von der Stadt Münnerstadt zu vertretender Grund die Wasserversorgung beeinträchtigte. Die Wasserlieferung sollte zum Selbstkostenpreis erfolgen.Und das wurde zum Problem.

Die nächsten Jahre ging alles gut. Die Befürchtungen , das Wasser könnte für Münnerstadt nicht mehr reichen, bestätigten sich nicht. Nur forderte die Stadt im Jahr 1986 nicht nur Wasser, sondern mit ihm auch Kolibakterien. Von einer Abkochanordnung sah Münnerstadt ab, bat stattdessen die Stadtwerke Bad Kissingen, Münnerstadt mit zu versorgen, so wie es vertraglich vereinbart worden war.

Und so geschah es auch. In Münnerstadt kam das böse Erwachen, als der Verwaltung die Rechnungs ins Haus flatterte. Denn beide Seiten hatten den Begriff "Selbstkostenpreis" nicht näher definiert. So enthielt die Rechnung beispielsweise auch noch "sonstige Kosten".

Schiedsgericht angerufen

Daraus entbrannte ein Streit, der sich über Jahre hinzog. Dabei ging es auch um die Frage, ob die Wasserlieferungen überhaupt im Rahmen der Vereinbarung stattgefunden hatten. Während Münnerstadt der Meinung war, dass die Probleme mit den Bakterien nicht von ihr zu vertreten sei, sahen die Bad Kissinger das anders. Selbst das angerufene Schiedsgericht vermochte keinen Schiedsspruch zu fällen. Stattdessen unterzeichneten beide Seiten nach schwierigen und langen Verhandlungen im Juni 1998 eine Zweckvereinbarung. Darin wurde festgelegt, dass für beide Städte die Trinkwassergewinnung im Tal sichergestellt werden muss.

Die Wasserentnahme der Stadt Bad Kissingen wurde damals auf 2,5 Millionen Kubikmeter festgelegt, 500 000 Kubikmeter davon müssen an die Stadt Münnerstadt geliefert werden, wenn die das möchte. Dafür wurde eigens ein damals bereits genehmigter fünfter Brunnen an der Bad Kissinger Anlage errichtet. Bei der dringend notwendigen Sanierung der Münnerstädter Brunnen 2008 beispielsweise wurden die Münnerstädter aus den Bad Kissinger Brunnen versorgt.

Mit dem Bau der A71, die mitten durch das Trinkwasserschutzgebiet führt, war bereits eine moderne Aufbereitungsanlage bei den Bad Kissinger Brunnen errichtet worden. Die käme bei einer Verunreinigung nach einem größeren Unfall auch den Münnerstädter zu Gute.

Immer wieder einmal kocht das Thema hoch, beispielsweise als das Trinkwasserschutzgebiet der Bad Kissinger Brunnen erweitert wurde. Bis heute sind einigen Münnerstädtern die Bad Kissinger Brunnen ein Dorn im Auge. Dabei hat es Münnerstadt bis heute nicht geschafft, eine Alternative für den Verkehr zu finden, der unmittelbar neben den Münnerstädter Brunnen rollt. Ein größerer Unfall wäre das Aus für die Münnerstädter Brunnen. Dann müsste vertragsgemäß Bad Kissingen einspringen. Der Vertrag 1998 wurde übrigens für zwölf Jahre geschlossen und dann noch einmal verlängert. Ende 2022 läuft der derzeitige Vertrag ab.