Ein Mammut-Programm mit nicht weniger als 21 Tagesordnungspunkten, davon 17 öffentlich, absolvierte der Marktgemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der sechswöchigen Sommerpause unter Leitung des Zweiten Bürgermeisters Wolfgang Rützel (Wählergemeinschaft Poppenlauer). Dabei ging es um eine Stellungnahme zum umstrittenen Neubau der Kreisstraße KG 43 nach Rannungen ebenso wie um die Herstellung der Barrierefreiheit in der Wirthsgasse. Auch mehrere Baugesuche standen wieder auf der Tagesordnung.


Neue Beratung im Herbst

Der Landkreis will bis Ende 2018 die Straße KG 43 zwischen Rottershausen und Rannungen neu bauen. Außerdem habe der Wirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistages in Aussicht gestellt, die vollständige Umfahrung von Rannungen zu planen und zeitnah zu realisieren, so heißt es in den Sitzungsunterlagen für den Marktgemeinderat. Nachdem der Rannunger Gemeinderat den Neubau einer Umgehung aber abgelehnt hat, werde sich der Kreistags-Ausschuss im Herbst erneut mit dem Thema befassen.
Eine der Entscheidungsgrundlagen werde dabei die Haltung der betroffenen Gemeinden aus dem östlichen Landkreis zu diesem Vorhaben sein. Deshalb sei der Markt Maßbach um Mitteilung gebeten worden, ob und in welcher Variante die Umgehung aus Sicht des Marktgemeinderates benötigt wird.
Für Marktgemeinderat Jürgen Müller (für Bürger und Umwelt) wäre der Bau dieser rund sechs Millionen Euro teuren Umgehung angesichts von rund 900 Fahrzeugen pro Tag jedoch eine "Steuergeld-Verschwendung ohne Ende". In Maßbach wolle man auch keine Umgehungsstraße, "was würde man hier davon halten, wenn in den Nachbarorten über unsere Köpfe hinweg abgestimmt würde." Achim Bieber (Bürgerblock Poppenlauer) jedoch meinte "Rannungen hat früher dafür gestimmt, jetzt sind die plötzlich dagegen", und "in meinen Augen haben sich die Rannunger Bürger für den Ausbau ausgesprochen. Die Mehrheit war für den teilweisen oder ganzen Ausbau. Das Ende am Sportplatz wollte ich als Rannunger auch nicht haben."
Ein weiterer Marktgemeinderat fährt über Münnerstadt nach Bad Kissingen. Das gehe schnell, der Ausbau sei deshalb unnötig. "Solange Rannungen dagegen ist, sollten wir es auch sein", ergänzte ein weiterer Sprecher. Die große Mehrheit des Marktgemeinderates stimmte schließlich für den Beschluss-Vorschlag der Verwaltung.


Neubau befürwortet

Darin heißt es, "im Interesse der lang ersehnten verbesserten Anbindung der östlichen Landkreisgemeinden an die Kreisstadt Bad Kissingen" werde primär der geplante Neubau der KG 43 bis zur Einmündung in die KG8 oberhalb der Sportanlage befürwortet.
Damit könne gleichzeitig auch ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der regionalen Verkehrsinfrastruktur für die Bevölkerung der betroffenen Gemeinden geleistet werden. Wenn dies von der Gemeinde Rannungen so gewünscht werde, sei man auch mit der weitergehenden Ortsumfahrung von Rannungen bis zur Maßbacher Straße einverstanden.
Die Wirthsgasse am Marktplatz war im Rahmen der Städtebauförderung in den achtziger Jahren saniert und gepflastert worden. Doch das holprige und unebene Granit-Pflaster macht gerade gehbehinderten Senioren und Müttern mit Kinderwagen Probleme. Die Marktgemeinde will nun Abhilfe schaffen und einen Streifen mit einem Plattenbelag verlegen, der an jeder Stelle mindestens 1,50 Meter breit ist. Der Marktgemeinderat entschied sich für eine Variante, bei der nur ein Parkplatz vor dem Haus Nummer sieben wegfällt. Die andere Variante hätte fünf Parkplätze gekostet.
Die Maßnahme an sich war im Marktgemeinderat völlig unumstritten. Diskussionen gab es nur um die Frage, welches Material für die Platten verwendet werden soll. Der Marktplatz ist mit Natur-Platten belegt und die Bezirksregierung, die 60 Prozent Zuschuss zu den Kosten zugesagt hat, verlangt Natur-Platten auch in der Wirthsgasse, so Bauhofleiter Wolfgang Brust, der Kosten von maximal 75 000 Euro errechnet hatte, von denen die Gemeinde 30 000 aufbringen müsste. Sie stehen bereits im Gemeindehaushalt. "75 000 Euro finde ich einen Hammer", meinte jedoch Achim Bieber und stellte die Frage, ob man nicht auf die Förderung verzichten und einfache Betonplatten verwenden könne, um Steuergelder sparen. "Die Regierung, die fördert, will Granit" entgegnete Bauhofleiter Wolfgang Brust. Bei einer Gegenstimme wurde die Maßnahme, die noch dieses Jahr umgesetzt werden soll, schließlich beschlossen.