Der Schritt diene dem Wohle seines Arbeitgebers, seiner Familie und nicht zuletzt der Stadt Münnerstadt, erklärt Michael Kastl. Sein Nachfolger habe dann in den eher ruhigeren Pfingstferien Zeit zum Einarbeiten. Die Entlassung aus dem Amt erbittet Michael Kastl (CSU) mit sofortiger Wirkung. Das Amt des 2. Bürgermeisters erfordert derzeit durch die Erkrankung von 1. Bürgermeister Helmut Blank einen deutlich erhöhten Aufwand für den 2. Bürgermeister. Kastl hatte seit Februar dessen Vertretung übernommen.
Aus der Stadtverwaltung gibt es eine kurze Stellungnahme, dass für kommenden Donnerstag, 1. Juni (18 Uhr), im Sitzungssaal des Rathauses eine öffentliche Sitzung einberufen wird. In dieser muss der Stadtrat über das Rücktrittsgesuch entscheiden. Auf der Tagesordnung steht auch die Wahl des neuen 2. Bürgermeisters. "Wir stellen uns auf alle Eventualitäten ein", so die Auskunft vom geschäftsleitenden Beamten Stefan Bierdimpfl.


Überlegter Schritt

"Gut überlegt" bezeichnet Michael Kastl auf Anfrage seinen Schritt. Er habe sich die Entscheidung nicht leichtgemacht. Die Tatsache, dass in dieser Woche klar wurde, dass Bürgermeister Helmut Blank für weitere Wochen im Krankenstand sein wird, habe dann die Entscheidung beschleunigt. Denn es sei ihm zunehmend schwerer gefallen, sowohl die beruflichen als auch familiären Verpflichtungen mit den Aufgaben als 2. Bürgermeister unter einen Hut zu bringen. "Wenn ich etwas mache, will ich es richtig machen", erklärt Kastl. Das sei ihm aber auf Dauer nicht möglich, habe er erkannt. Er gehe ohne Gram und sicherte seinem Nachfolger, egal aus welcher politischen Gruppierung, seine Unterstützung zu. Sein Stadtratsmandat behalte er weiter.
Vorbereitet hat sich auf die neue Situation mittlerweile 3. Bürgermeister Axel Knauff. Der Rücktritt Kastls sei für ihn überraschend gekommen, so Knauff. Es sei aber ein Vorfall, der vorkommt und den man in Verwaltung und Stadtrat professionell abhandeln werde.
Axel Knauff (SPD) erklärt auf Anfrage der Zeitung, dass er nicht für das Amt des 2. Bürgermeisters kandidieren werde. Das sei mit seinem Beruf, der ihn auch viel ins Ausland führt, nicht vereinbar. Axel Knauff sichert aber zu, dass er an Bord bleibt, und den Job macht, zu dem er sich verpflichtet habe. Das heißt für ihn, dass er den 2. Bürgermeister vertreten wird, solange dieses Amt nicht besetzt ist. Er müsste dann aber Prioritäten setzen. Allerdings geht Axel Knauff davon aus, dass sich ein Nachfolger finden wird.


Stadträte zeigen Verständnis

Überraschend bezeichnen alle befragten Stadträte den Schritt von Michael Kastl, und sie bedauern einhellig seine Entscheidung. Alle haben aber auch Verständnis für diesen Schritt.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU, Michaela Wedemann, betont, dass sich ihre Fraktion trotz erster Stockstarre auf die Situation einstelle. Am Wochenende werde es Gespräche innerhalb der Fraktion geben, wie sich die CSU positioniert. Michael Kastl habe einen "Bombenjob" gemacht, betont Michaela Wedemann Jetzt müsse die CSU sehen, wie es weitergeht.
Nachvollziehbar sei der Schritt, weil sehr viele Altlasten aufzuarbeiten seien und ein riesiger Berg an Arbeit anfällt, so Dieter Petsch (Forum aktiv). Petsch kündigt wie auch Britta Bildhauer (Fraktionsvorsitzende SPD) an, dass es noch am Wochenende gemeinsame Gespräche innerhalb der Oppositionsgruppierungen geben wird.
Das bestätigt auch Andreas Trägner (Freie Wähler), der unter der Hand derzeit ebenso wie Britta Bildhauer bereits als möglicher Kandidat für das Amt gehandelt wird. Beide äußern sich nicht zu den Gerüchten und verweisen auf die anstehenden Gespräche. Andreas Trägner wagt aber bereits die Aussage, dass es einen Kandidaten geben wird.
Klaus Schebler (Neue Wege) positioniert sich bereits klarer. Er wolle kandidieren, auch auf das Risiko hin, dass er unterliegen kann. Sollte er zum 2. Bürgermeister gewählt werden, würde er auch im Rathaus sitzen, meint er.
Zum Rücktritt Kastls erklärt Schebler: "Wir waren wohl alle in Schockstarre", und lobt wie seine Stadtratskollegen dessen politische Arbeit. Jetzt sei es wichtig, dass es weitergeht, egal welcher Kandidat das Rennen um das Amt des 2. Bürgermeisters macht, so der Windheimer.