Im Rahmen der unterfränkischen Kulturtage in Bad Brückenau fand auch in diesem Sommer wieder das vierteljährliche Jahreszeitenkonzert des Bayerischen Kammerorchesters statt. Im Solisten-Gepäck war diesmal die 29-jährige, zweifache Echo-Preisträgerin Tianwa Yang, die zurecht mit ihrem virtuosen Violinenspiel in allen Medien hochgelobt wird.

Die gebürtige Chinesin kam durch ein DAAD-Stipendium (Deutscher Akademischer Austauschdienst) mit 16 Jahren nach Deutschland und lebt heute in Kassel. Sie trat in renommierten Konzertsälen auf, darunter die Berliner Philharmonie, das Gewandhaus in Leipzig, die Wigmor Hall in London, dem Salle Pleyel in Paris und dem Lincoln Center in New York. Zu den wichtigen Debuts in der kommenden Saison zählen Einladungen zum London Philharmonic Orchestra, zur Singapore Symphony und zum Gürzernich Orchestra Köln. "Die großen Bühnen waren schon immer mein Ziel gewesen", erzählt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.
Unweit ihrer deutschen Heimat gab sie nun im ehrwürdigen König Ludwig I.-Saal ein Konzert, das ihrem Ruf alle Ehre machte. Mozart sollte es sein, und zwar das - zu Unrecht selten gespielte - Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 B-Dur KV 207.
Zunächst begrüßte der Dirigent Johannes Moesus mit seinem Orchester das ausverkaufte Haus mit einer Sinfonie von Michael Haydn, der Sinfonie G-Dur P 16 mit einer Introduktion von Mozart KV 444. Dem Ambiente angemessen, stellte die romantisch-fürstliche Musik einen guten Beginn dar. Im Anschluss betrat Tianwa Yang die Bühne und interpretierte Mozart in seiner reinen Form. Bereits im Allegro moderate spielt sie meisterhaft zusammen mit dem Orchester und schwebt mit den Tönen. Doch gerade im Adagion zeigte sich ihre Brillanz. Mit ihrer Violine erfüllte sie den gesamten Saal und zog das Publikum in ihren Bann. Der Funken war übergesprungen. Im dritten Satz spielte Tianwa Yang schnell und präzise die Töne, ja fast rockig klang der leuchtende Abschluss ihres Auftritts.


Spanische Leichtigkeit

In ihrer Zugabe übertrug sich die spanische Leichtigkeit von Pablo de Sarasates Stück "Romanza Andaluza" auf das Publikum und zeigte erneut die dramatische und herzzerreißende Präzision der Musikerin. Zusammen mit dem Orchester stellte sie bei allen Stücken eine perfekte Symbiose dar.
Nach tosendem Applaus bestätigte die zweite Zugabe ihre Professionalität. Tianwa Yang spielte das wohl schönste Stück "Malinconia" des belgischen Komponisten Eugene Ysaye. Tiefgründig, philosophisch und meditativ klang es, genauso, wie die Violinistin die Musik von Ysaye in einem Interview erst kürzlich bezeichnete.
Nach dem Abschied von der Solistin spielte das Orchester in der zweiten Hälfte ein moderneres Stück von Bahuslav Martinu, die Serenade Nr. 2. Leider ging dieser Teil klangmäßig nach dem fantastischen Auftritt der Solistin etwas unter, allerdings nicht wegen der großartigen Musiker, sondern eher aufgrund der Musikauswahl, die nur mit Violinen und Viola besetzt war.


Bezaubernde Klarinette

Die abschließende Sinfonie von Joseph Haydn in C-Dur Hob. I: 90 mit der kompletten Orchesterbesetzung füllte wieder den Raum.
In der - laut Moesus "schweren Sinfonie" - zeigte sich auch das Kammerorchester wieder in der besten Form. Vor allem die schöne Klarinette bezauberte im Menuett die Zuhörer.
"Die Zusammenarbeit war ohne Fehl und Tadel", bestätigte der Dirigent Johannes Moesus. "Es ist sehr einfach gewesen, sie zu begleiten. Ihr Spiel war sehr klar, musikalisch als auch technisch", ergänzt er. Und er habe gerne mit ihr zusammengearbeitet.
Zwei Tage war sie in Bad Brückenau und hat - nach eigenen Angaben - sofort die Wirkung der guten Luft hier gespürt. Gut geschlafen und - nach Meinung der Gäste im ausverkauften König Ludwig I-Saal - erstklassig gespielt. Ob das an der guten Luft im Staatsbad liegt, ist unklar. Doch schon bald, nämlich im Frühling nächsten Jahres, soll es zu einer weiteren Zusammenarbeit mit der Chinesin Tianwa Yang kommen, versprach der Geschäftsführer des Kommerorchesters, Pavol Tcak erfreut.