Das macht manch anderer Chor auch; meistens aus Nachwuchsmangel. Die Kissinger Sängervereinigung hat einen anderen Grund. "Das ist keine Werbung oder Abwerbung von Sängern", stellt Wolfgang Russ, der Vorsitzende des Chores, klar. "Es ist nicht so, dass wir Leute brauchen. Wir haben viel Zuwachs in letzter Zeit." Und der Chor ist in der Tat gut aufgestellt: 45 Damen und 20 Herren singen mit und nehmen regelmäßig an den Proben teil. Auch der häufig beklagte Männermangel macht sich hier nicht bemerkbar. "Wir haben sogar eine Zahl von Tenören im zweistelligen Bereich", sagt Ewald Kiesel, Vorsitzender der Sängergruppe Bad Kissingen im Sängerkreis Schweinfurt, der zu den aktiven Sängern des Chores gehört. Russ fügt an: "Wir haben seit Jahren eine konstante Chorstärke und schaffen es bisher immer, die altersbedingten Verluste aufzufangen."

Samstagsproben

Was aber ist dann der Grund für die Einladung? "Es gibt viele Leute, die gerne singen möchten und talentiert sind, die aber nicht regelmäßig proben können", sagt Chorleiter Hermann Freibott, von dem die Idee für Programm und Projekt stammt. "Denen, die singen können und gerne einmal bei einem solchen Konzert dabei wären, möchten wir die Möglichkeit dazu geben." Und das geht so: Am Samstag, 16. März, und am Samstag, 27. April, finden in der Zeit von 14 Uhr bis 17 Uhr Projektproben in der Sinnberg-Grundschule statt. Wer projektweise beim Frühlingskonzert mitsingen möchte, muss an beiden Samstagsproben teilnehmen.

Vorsingen

Vor der ersten Probe findet ein Vorsingen statt, bei dem die künftigen Projektsänger sich der Stimmbildnerin Andrea Rottmann aus Ostheim, die die Proben begleiten wird, im Beisein von Chorleiter Freibott vorstellen. Rottmann, die während der Proben auch den Stammsängerinnen und -sängern Stimmbildung in Kleingruppen anbietet, wird Empfehlungen geben, welcher Aspirant wo im Chor für dieses Projekt seinen Platz finden kann.

"Ein Versuchsballon"

Das Vorsingen findet natürlich nicht vor dem ganzen Chor statt, und Angst muss auch niemand haben, verspricht der Chorleiter. "Die Interessenten sollten nicht unerfahren im Chorsingen sein und schon größere Sachen mitgesungen haben", sagt er. Notenkenntnisse sind von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Auf das Echo sind alle gespannt. "Es ist ein Versuchsballon, den wir mal starten", sagt Freibott. Angesprochen sollen sich Sängerinnen und Sänger aller Altersgruppen fühlen.
Ins Auge gefasst hatte Freibott solch ein Projekt schon länger. "Jetzt ist es an der Zeit", meint er. Die Begleitung mit einer Stimmbildnerin ist für die Sängervereinigung auch neu. "Wir müssen voraus schauen und auch neue Wege gehen", sind die Verantwortlichen sich einig. Der Chor hat den Vorschlag gut angenommen.
Sorge davor, dass es Unruhe unter den Chorsängern gibt, wenn "Fremde" dazu kommen, gibt es nicht. "Wir sind eine Chorgemeinschaft", sagt Wolfgang Russ, der den Wortteil "-gemeinschaft" dabei besonders betont. "Unter den Mitgliedern herrscht ein guter Geist."

Anspruchsvolles Programm

Das hoch gesteckte Ziel für das Frühlingskonzert ist dem Wagner- und Verdi-Jahr geschuldet. Opernchöre aus "Nabucco" und "Lohengrin" werden beispielsweise gesungen, und auch Mozart steht auf dem Programm. Aus dem Bereich Operette arbeitet der Chor unter anderem an Chören von Offenbach und Lehar. "Es ist keine Mogelpackung, sondern konsequent Opern- und Operettenmusik", kündigt Hermann Freibott an. "Und alles schön brav in Originalsprache."
Als Solistin ist Carla Trescher, Studentin an der Hochschule für Musik Würzburg, eingeladen, begleiten wird der "Hauspianist" der Sängervereinigung, Thomas Betzer, Chor und Solistin. Die Proben laufen bisher gut. "Unser Chorleiter hat uns so ein bisschen überrascht mit der Idee", berichtet Anne Zaak, die stellvertretende Vorsitzende. "Er meinte: ,Ihr könnt das!‘" Der bestätigt: "Der Chor ist eifrig und mit sehr viel Freude und Spaß dabei."

Viel Spaß bei den Proben

Dass seine Sänger "sehr, sehr rege" sind und, wie er schmunzelnd sagt, "leidensfähig", dass sie "alles mit ausprobieren", freut ihn. Seine Leute geben das Kompliment gerne zurück. "Eine solche Chorprobe ist immer ein Erlebnis. Daran liegt es, dass wir Sänger haben", ist Ewald Kiesel sicher. Vorsitzender Wolfgang Russ ergänzt: "Bei uns wird nicht todernst geprobt, aber mit Anspruch. Und die Proben machen einfach Spaß."

Anmeldung Wer beim Opern- und Operettenkonzert mit singen möchte, kann sich bei Wolfgang Russ (Tel.: 0971/ 64 556; E-Mail: w.russ.bk@gmail.com) oder Anne Zaak (Tel.: 0971/ 3788; E-Mail: annerhoen@t-online.de) wenden.