Mehrere Sitzsäcke liegen auf dem Boden vor einem riesigen Bildschirm. Ein paar Jungs haben es sich darauf gemütlich gemacht, Controller in der Hand, Rucksack mit Skateboard daneben und zocken zusammen. Weitere Konsolen sind an den großen, runden Tischen, auf der Bühne und vor den Sofas im JuKuZ verteilt. Vor der Verleihstation für die Videospiele hat sich eine lange Schlange gebildet. Ein paar Kids spielen auch auf dem Smartphone, am Arcade-Automaten oder - ganz retro - am Röhrenfernseher, während sich die Eltern die Pommes von der Streetfood-Station vor dem Gebäude schmecken lassen.

Eins ist klar: das erste Gaming-Festival in Bad Kissingen von 22. bis 24. Oktober kam bei den Jugendlichen und Kindern ziemlich gut an. "Wir wollten erstmal austesten, wie so ein Festival angenommen wird", sagt Veranstalter Philipp Pfülb vom Referat Jugend, Familie und Soziales der Stadt Bad Kissingen, doch mit 250 Besuchern am ersten Tag kann er vollauf zufrieden sein.

"Gaming ist ein großes Thema unter den Jugendlichen. Uns ist wichtig, dass beide Seiten des Videospiels - Risiken und Chancen - beleuchtet werden und das Thema nicht totgeschwiegen wird", betont Pfülb. Die Idee hinter hinter dem Gaming-Festival "KGames" ist es, der Jugend eine Plattform zu bieten, den Austausch zu fördern und zusammen zu spielen. "Entgegen der landläufigen Meinung führen Videospiele nicht zu Vereinsamung, sondern fordern viel Kooperation und Miteinander." Bei der Podiumsdiskussion hatte sich ein Jugendlicher zu Wort gemeldet, der alleine zum Festival gekommen ist und dann drei Leute zum Spielen gefunden hat, mit denen er sich auch in Zukunft treffen will. "Damit haben wir unser Ziel erreicht", sagt Pfülb zufrieden.

Kooperation und Miteinander waren auch bei der Organisation des Festivals gefragte Eigenschaften, denn die Stadtverwaltung wurde von einem Planungsteam bestehend aus 17 Jugendlichen unterstützt. Über Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram und über die lokalen Medien wurden Kinder und Jugendliche gesucht, die mitmachen, Ideen einbringen und selbstständig Workshops leiten wollten.

Kaum hatte das sich rumgesprochen, kamen immer mehr Kids dazu. Lukas ist einer von ihnen - beim Entwerfen des Flyers, der Auswahl der Spiele und beim Aufbau der Technik war er mit dabei: "Ich finde es einfach cool, das Ganze mit zu organisieren und den Kindern zu helfen, und die Spiele zu erklären", sagt der 15-Jährige, "und abends ist dann auch mal Zeit, selber zu spielen." Sein aktuelles Lieblingsspiel ist "FIFA 22". Die Organisation durch Jugendliche war Voraussetzung für die Fördergelder aus der Stiftung "Kultur macht stark", mit denen unter anderem die Ausstattung finanziert wurde. Die von den Jugendlichen entworfenen Festivalbändchen gaben an den verschiedenen Veranstaltungsorten Jugend- und Kulturzentrum, Stadtbücherei, Rathausplatz und Museum Obere Saline Einlass. Manche Workshops wie "FIFA 22: Streetfootball" wurden komplett alleine von den Jugendlichen auf die Beine gestellt. Dabei spielen die Kids draußen an der frischen Luft erstmal an der Konsole gegeneinander und dann - mit einem echten Ball - auf einem kleinen, aufgebauten Fußballfeld. "Daran erkennt man, dass sich virtuelle und reale Welt gut verbinden lassen", so Pfülb. Diese Verbindung ist auch bei vielen weiteren Workshops des großen Festival-Programms zu erkennen, wenn der Glasuntersetzer aus Gaming-Motiven gebastelt wird, in der Stadtbücherei Comic-Figuren selbst gezeichnet werden oder die Wohnung von Otto von Bismarck in eine Gamer-Höhle umgestaltet wird.

Rickey (16) hatte gut zu tun, wenn er an der Verleihstation die jungen Spielerinnen und Spieler berät, Spiele-CDs und Controller ausgibt und nach der Abgabe desinfiziert. Trotzdem: "Beim nächsten KGames bin ich auf alle Fälle wieder dabei!" ist er sich sicher. Das es nicht das letzte Gaming-Festival gewesen ist, ist jetzt schon klar.