Die Inzidenzen steigen, der Herbst rückt nahe - und damit auch die Gefahr einer vierten Welle. Um im Ernstfall die Schulen offen halten zu können, will die Stadt Luftfilteranlagen für Schulen anschaffen. Für Kindergärten läuft derzeit eine Abfrage. "Die Resonanz ist allerdings noch verhalten", sagte Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt. Außerdem mussten sich die Gremiumsmitglieder mit diversen Satzungen rund ums Abwasser beschäftigen. Insbesondere die Filter sorgten für eine ausführliche Diskussion im Plenum.

DBK: Appell, zu handeln

"Die Zahlen sind noch im Rahmen, eine Schulschließung scheint momentan kein Thema zu sein - aber in der Sicherheit haben wir uns schon einmal gewogen", sagte Alexander Koller (DBK), der Martina Greubel vertrat."Die Realität hat uns dann eingeholt." Seine Meinung: "Das wäre nicht notwendig gewesen, wenn wir die Technik gehabt hätten. Wir sollten schnell handeln, aber nichts überstürzen. Geräte sollen die Henneberg-, die Sinnberg-Grundschule und die Anton-Kliegl-Mittelschule erhalten.

Luftfilteranlagen: Das sind die Möglichkeiten für die Bad Kissinger Schulen

Zur Auswahl stehen verschiedene Varianten. Es gibt Geräte mit Filtertechnik, UV-C-Technik und Ionisations- und Plasmatechnologie", teilte Stefanie Kaufmann, Referatsleiterin für Schulen und Kindertagesstätten der Stadt Bad Kissingen, mit. Bei der UV-C-Technik kommt UV-Strahlung zum abtöten der Viren zum Einsatz. Bei der Ionisations- und Plasmatechnologie werden Viren über physikalische Vorgänge inaktiv gesetzt. Anlagen mit Filtern hat die Stadt bereits im Einsatz. Allerdings ist der regelmäßige Filterwechsel kostenintensiv. Das bestätigte Klaus Werner (Grüne): "Bei manchem Gerät kostet das 300 Euro." Er appellierte dazu, die Folgekosten im Blick zu behalten. "Aber wir kommen nicht umhin, das Risiko für Infektionen möglichst gering zu halten." Laut Bedarfserhebung brauchen die drei Schulen insgesamt etwa 120 Geräte.

Kostspielige Filterwechsel vermeiden

Klaus Werner favorisierte deshalb Geräte mit Ionisations- und Plasmatechnologie. Dabei ziehen geladene Ionen Partikel aus der Luft und binden diese. Durch Oxidation werden Viren dann inaktiv gesetzt. Hierbei kommt keine Chemie zum Einsatz. Einen kostspieligen Filterwechsel gibt es hier nicht.Ein weiterer Grund für Klaus Werner, Filteranlagen abzulehnen, waren seine persönlichen Erfahrungen. "Ich habe etwa ein viertel Jahr mit so einem Gerät arbeiten müssen. Da ist kein Unterricht mehr möglich." Er verwies darauf, dass die Luftfilteranlagen lediglich ein Zusatz zu weiteren Aspekten wie den FFP-2 Masken und regelmäßigem Lüften sind.

Verwaltung arbeitete nach Regularien

Gerhard Schneider, der geschäftsleitende Beamte der Stadt, verwies darauf, dass die damals angeschafften Geräte mit den damals geltenden Förderlinien einher gingen. Bei der jetzigen Förderrunde hätte der Freistaat, der rund 190 Millionen Euro zur Verfügung stellt, bei der Lautstärke nachgebessert. Neue Geräte dürfen nur noch eine Lautstärke von unter 40 Dezibel haben.

Hohe Kosten für die Stadt

Von festeingebauten Lüftern riet Stefanie Kaufmann ab. Der Grund war pragmatisch: "Aufgrund der Dringlichkeit ist ein Einbau faktisch zeitlich nicht möglich." Zur Debatte standen daher zwei Alternativen: das Leasing oder der Kauf mobiler Geräte. Der Fördersatz des Freistaats liegt bei bis zu 50 Prozent je Anlage und maximal 1750 Euro pro Raum. Das Geld darf für den Kauf und die Kosten der Inbetriebnahme genutzt werden - oder die Leasingkosten. Personal-, Betriebs-, Wartungs- und Verwaltungskosten lassen sich nicht fördern.

Droht Mangel auf dem Markt?

Die Kosten hatte die Stadt aufgrund des Bedarfs der Schulen auf etwa 450 000 Euro angesetzt. "Es ist ein sechsstelliger Betrag.Wir sollten es mit entsprechender Verhältnismäßigkeit angehen", kommentierte 2. Bürgermeister Anton Schick die Sachlage. Für ihn hieß das: "Wir sollten nicht überhastet etwas kaufen, was dann wegen der technischen Systematik überholt ist." Nikola Renner (CSU), die Steffen Hörtler vertrat, mahnte an: "Ich prognostiziere, dass andere Kommunen auch aktiv werden." Sie sah eine drohende Verknappung und Verteuerung bei den Geräten.

2. Bürgermeister Toni Schick: Handlungsfähig bleiben ist die Devise

Martha Müller (DBK) wollte wissen, ob ein regelmäßiges Lüften mit den Geräten noch notwendig sei. Das bejahte Toni Schick. Martha Müller sprach sich für die Anlagen aus, kritisierte jedoch, dass der Freistaat "teils Unsinn" fördere. "Wenn wir diskutieren wollen welche Förderungen sinnvoll und nicht sinnvoll sind, wird das eine Wochenendveranstaltung", mahnte Toni Schick. "Es geht darum, dass die Verwaltung handlungsfähig bleibt." Um das zu gewährleisten, will der 2. Bürgermeister weiter "auf Sicht fahren." Denn: "Wir wissen nicht, ob das Schiff über See segelt."

Masken und Luftfilter hängen nicht zusammen

Peter Eggen (AfD) wollte wissen, ob mit den Luftfilteranlagen die Maskenpflicht fällt. "Die Geräte sind als Thema unabhängig von der Maskenpflicht", machte Toni Schick klar. Letztere sei abhängig vom aktuellen Infektionsgeschehen. "Vielleicht schaffen die Geräte die Möglichkeit, bei den ganz Kleinen in der Schule auf Masken zu verzichten. Das wäre ganz wichtig - gerade für das Erlernen von Mimik."

Seine Meinung war klar: "Die Verwaltung sollte sich bei den Geräten an Empfehlungen des Landratsamtes halten.Weder im Finanzausschuss, noch im Stadtrat gibt es Personen, die über das nötige Fachwissen verfügen. Wir müssen uns an die Expertise Dritter halten und uns darauf verlassen." Allerdings: "Es bleibt ein mulmiges Gefühl." Toni Schick fügte an: "Vielleicht ist im kommenden Frühjahr die Pandemie zu Ende - allerdings ist das Geld dann auch durch den Kamin."

Gelder stehen bereit

Der Finanzausschuss bewilligte dennoch einstimmig, der Verwaltung Mittel zur Verfügung zu stellen, um Lüfter für die Schulen zu beschaffen. Tendenziell sollen die Geräte eher gekauft als geleast werden. Auf welche Geräte sich die Verwaltung einigt, ist noch offen. "Wir lehnen uns bei der Entscheidung an andere Stellen wie das Landratsamt an", kommentierte 2. Bürgermeister Toni Schick (DBK) den Entschluss.

Außerdem stellte der Finanz- und Verwaltungsausschuss die Weichen um drei Satzungen an aktuelles Recht anzupassen. Das war notwendig, weil sich teils Begriffe und Rechtsgrundlagen geändert haben. Dabei orientierte sich die Stadt an Mustersatzungen. "Es sind keine verschärften Kissinger-Spezial-Regeln, sondern Mustertexte, die im ganzen Freistaat Anwendung finden", stellte Toni Schick klar. "So kann niemand sagen 'was habt ihr euch hier wieder ausgedacht'." Dabei ging es um die Entwässerungssatzung, die dazugehörigen Gebührensatzung und den Neuerlass der Erschließungsbeitragssatzung.

Aus nichtöffentlicher Sitzung gab 2. Bürgermeister Toni Schick bekannt, dass die Telekom für rund 100 000 Euro den Glasfaserausbau der Schulen übernimmt.