Obwohl im Kreis die Infektionsfälle überschaubar sind, so Landrat Thomas Bold in seiner Begrüßung, drückte die Pandemie dem Musik- und Kultursektor ihren Stempel auf. Die mit der Krise verbundenen Entscheidungen zur Einschränkungen von öffentlichen, kulturellen Veranstaltungen hätten den Landkreis schwer getroffen. "Unsicherheit im März, gelockerte Restriktionen im Juni, die Proben unter Auflagen erlaubten, und seit einigen Wochen wieder rapide steigende Infektionszahlen."Von der alten Normalität sind wir weit entfernt", stellte der Landrat fest.

Dennoch sollten die Kultur- und Musikschaffenden nicht in Lethargie verfallen. "Der Blick muss nach vorne gerichtet bleiben, denn der Mensch sehnt sich nach kulturellem Angebot. Unterhaltung, Zerstreuung, Ausdruck gesellschaftlicher Strömungen und politischer Meinungen sind untrennbar mit dem kulturellen Angebot verbunden", so Bold.

Die Gemeinden nähmen ihren Auftrag in der Kulturarbeit ernst, sagte Bold weiter. Dabei sei die Kulturförderung keine Pflichtaufgabe, sondern eine freiwillige Leistung. "Gemeinde- und Stadträte haben diesbezüglich Weitsicht bewiesen. Dies tritt gerade auch in Hammelburg mit der Bayerischen Musikakademie zutage", fügte er an.

Das von Tanja Berthold geleitete Kreisjugend-Blasorchester Bad Kissingen der Nordbayerischen Bläserjugend bettete die Würdigung in den passenden, musikalischen Rahmen ein. Vier Personen und zwei Vereine aus dem Landkreis nahmen die Auszeichnung entgegen.

Der Hammelburger August Brendan hat sich "mit großem Engagement um die Friedhofskultur verdient gemacht", sagte der Landrat bei der Übergabe des Ehrenbriefs. Seit mehr als 20 Jahren macht der heutige Ruheständler seine ehemalige Dienstaufgabe zum Hobby, für das er sogar Freizeit und Urlaub opferte. Er war Leiter des Ordnungsamtes in Hammelburg und hat sich stets für den Erhalt alter Gräber und lesbarer Inschriften stark gemacht. Er bereicherte die Bestattungs-Kultur mit kleinen Weinbergen, Wasserteichen, Rosenbeeten und Kräutergärten.

Matthias Elm aus Speicherz engagiert sich seit zwei Jahrzehnten um die Heimatpflege. Das Wissen über die Geschichte der Orte im Altlandkreis Bad Brückenau bleibe dank ihm für künftige Generationen erhalten, erklärte der Landrat bei der Übergabe des Ehrenbriefs. Besonders am Herzen lägen ihm die abgesiedelten Ortschaften des Truppenübungsplatz Wildflecken, wo Elm auch Führungen organisiert. "Bitte lassen sie in ihren Bemühungen um die Wahrung der Heimatgeschichte nicht nach", sagte Thomas Bold.

Archäologische Artefakte, Fossilien und Mineralien sammelt Walter Heck aus Oberleichtersbach seit 1989. Die Fundstücke sind auf der Trimburg, in Oberbach und in Geroda zu bewundern. Ein überregional bedeutender Fund gelang mit rund 35 Millionen Jahre alten Fossilien, die Walter Heck in der Nähe seines Heimatorts entdeckte. Fünf Funde wurden sogar nach ihm benannt. Heck schreibt selbst Fachbeiträge und fungiert als Führer bei naturkundlichen Exkursionen. Auch er wurde mit dem Kulturehrenbrief von Landrat Thomas Bold ausgezeichnet.

Die Kissinger Sängervereinigung feiert ihr 175. Bestehen und ist einer der ältesten, fränkischen Chöre. Der Chor zeichnet sich durch hohes soziales Engagement durch zahlreiche Wohltätigkeitskonzerte aus und konnte schon Bismarck und Elisabeth von Österreich zu seinen Konzert-Gästen zählen. Mit 175 Mitgliedern - davon 70 Aktive - gehört die Sängervereinigung zu den "tragenden Säulen des Kulturlebens im Landkreis", erklärte Thomas Bold bei der Übergabe des Ehrenbriefs an Vorsitzenden Dr. Sven Steinbach.

Die Hammelburger Laienspielgruppe "spectaculum" gründete sich 1988. In zahlreichen Aufführungen steckten die Mitglieder viel Engagement in Kostüme und Proben, bei aufwendigen Inszenierungen interessanter und oft anspruchsvoller Stücke. Das passende Ambiente fanden sie oft in historischen Gebäuden wie Schloss Saaleck, der Trimburg oder dem Kellereischloss. Die Schlossbühne Saaleck wurde 1998 ihr Haupt-Spielort. Aktuell mit 60 Aktiven bestückt, gelingen der Laienspielschar auch ohne Berufsschauspieler immer wieder überzeugende Leistungen, erklärte der Landrat. Den Ehrenbrief nahmen Wolfgang Althoff und Claudia Albrecht entgegen.

Last not least erhielt diese Ehre auch Bernhard Uebel, aktives Mitglied der Fuschter Musikanten und zunächst deren "Reserve-Dirigent". Vor 16 Jahren übernahm er dieses Amt, baute ein Nachwuchsgruppe auf und bildete teils auch junge Musici aus Langendorf und Machtilshausen aus. Als stellvertretender Dirigent und Jugendausbilder hält er dem Verein die Treue. Uebel leistete einen erheblichen Beitrag zum Erhalt und Wachstum der Fuschter Musikanten, sagte der Landrat. Auch dieses kulturelle Engagement wurde mit dem Ehrenbrief gewürdigt. Die Würdigung endet mit dem Schlusswort des Vize-Vorsitzenden der Sängergruppe Bad Kissingen, Carsten Ahlers, der dem Landkreis und allen flankierenden Kräften seine Dank aussprach.