Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung wurde ein heute Zwanzigjähriger aus dem Landkreis vom Amtsgericht Bad Kissingen zu einer Geldstrafe von 700 Euro und acht Monaten Führerscheinentzug verurteilt. Der Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Im Juli 2016 näherte sich am alten Brückenauer Bahnhof ein Streifenwagen, besetzt mit einem Polizeibeamten und einer Mitarbeiterin der Sicherheitswacht, dem Fahrzeug des Angeklagten. Als dieser die Polizei bemerkte, habe sich der Fahrer sofort ins Auto gesetzt und sich fluchtartig entfernt, sagte der Beamte. Vom Streifenwagen mit Blaulicht verfolgt und zum Stoppen aufgefordert, hielt der damals 19-Jährige in einer Hofeinfahrt. Bei der Überprüfung der Personalien bemerkte der Beamte drogentypische Auffälligkeiten, weshalb er den Fahrer zur Blutentnahme auf die Wache mitnehmen wollte. Dieser widersetzte sich allerdings nach vergeblichem Fluchtversuch mit aller Kraft seiner Festnahme, so dass dem Polizisten nicht nur die Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes, sondern auch ein Nachbar zur Hilfe kam. Die Frau erlitt Abschürfungen und Prellungen und wurde krankgeschrieben. Die später erfolgte Blutentnahme beim Fahrer zeigte hohe Restwerte an Cannabis und Amphetaminen.


Angeklagter zeigt Reue

Der Angeklagte war vor Gericht geständig. "So etwas werde ich nie wieder machen." Seit seinem 15. Lebensjahr habe er regelmäßig Drogen konsumiert, berichtete er. Angefangen habe er mit Cannabis, später seien Amphetamine und Ecstasy hinzugekommen. Seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker hatte er abgebrochen und sich - bald nach einer ersten Verurteilung im Mai 2016 - zu einer stationären Entziehungstherapie ab Herbst 2016 angemeldet, die inzwischen abgeschlossen sei. In Kürze wolle er an einer Beruflichen Oberschule im Landkreis seine Ausbildung fortsetzen.

Die Staatsanwältin hielt dem Angeklagten sein Geständnis, seine Entschuldigungen bei den Beteiligten und auch seine Reue zugute, machte ihm aber zum Vorwurf, die Mitarbeiterin der Sicherheitswacht "nicht unerheblich verletzt" zu haben. Zudem habe er sich durch seine erste Verurteilung nur zwei Monate zuvor nicht von weiterem Drogenkonsum abhalten lassen. Unter Berücksichtigung aller Fakten forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 700 Euro und achtmonatigen Führerscheinentzug. Die Verteidigerin wollte die Fahrt unter Drogeneinfluss nur als Ordnungswidrigkeit gelten lassen und hob hervor, der Angeklagte habe bei seiner Festnahme nicht um sich geschlagen. Einige Entwicklungsdefizite, wie die abgebrochene Berufsausbildung oder sein Leben noch im Elternhaus, seien Argumente zur Anwendung des Jugendstrafrechts.

Deshalb beantragte die Verteidigerin eine Geldstrafe von nur 500 Euro mit einem Monat Führerscheinentzug sowie die Auferlegung von Arbeitsstunden: "Er hat wenig Geld, viel Zeit und erzieherisch wären Arbeitsstunden das bessere Mittel." Die Richterin folgte in ihrem Urteil der Staatsanwaltschaft. Die Blutentnahme habe "massive Leistungsdefizite und Fahruntüchtigkeit" erwiesen. Mit seinem Widerstand habe der Angeklagte "Verletzungen billigend in Kauf genommen". Sie habe zwar das Jugendstrafrecht angewandt, aber dennoch sei der Angeklagte voll schuldfähig. Die 700 Euro sowie die Zahlung der Verfahrenskosten sah die Richterin als erzieherische Maßnahme: "Sie sollen die Strafe am eigenen Geldbeutel spüren."