24 Jahre fungierte der frühere Schulleiter Bertram Becker (Burghausen) als Heimatpfleger für den Bereich Münnerstadt. Dann ist er auf eigenen Wunsch aus diesem Amt ausgeschieden. "Weil ich ein alter Mensch geworden bin", sagt der 75-Jährige. Und "bevor die Leute sagen, der alte Kerl gehört auch mal weg."

Zu der Funktion ist er 1988 gekommen, weil sein "eifriger und fähiger" Vorgänger Peter Genth aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten
musste. Landratsamt und Bezirk seien an ihn herangetreten. Die Aufgabe habe er übernommen, auch weil er in Würzburg Heimat- und Volkskunde studiert hatte, sagt der Studiendirektor a. D. Der zeitliche Aufwand sei höchst unterschiedlich gewesen. In manchen Monaten war er fast täglich unterwegs, weil Sachverstand vor Ort gefragt war.

Bertram Becker stammt aus dem Raum Aschaffenburg, lebt aber seit 50 Jahren im Kreis Bad Kissingen, habe die Rhön und ihre Menschen lieben gelernt.

Er habe einiges erreicht, bilanziert Bertram Becker. Vor allem für die Themen Brauchtum und Volksmusik habe er sich eingesetzt. Denn "die Traditionen dürfen nicht verschütt gehen". Sie sollen in den Köpfen der Menschen erhalten bleiben.

Heimat sei dort, wo man sich wohl fühle. Das hätten er und seine Frau hier gefunden.
Sein Fazit: "Ich habe das Amt gerne gemacht, aber es gibt auch Jüngere." Ganz zurückziehen wolle er sich aber nicht. Er wisse nicht, ob es für ihn einen Nachfolger geben wird und wer das sein könnte, so Bertram Becker.

Viel Bürde und wenig Würde

Landrat Thomas Bold (CSU) würdigte die Arbeit Bertram Beckers als "ganz hervorragend". Als Beispiel griff er die Kirchenruine auf dem Michelsberg heraus. Sie wurde auch dank Sponsoren vor dem kompletten Verfall bewahrt. Es sei das Verdienst von Bertram Becker, dass dort ein Kreuz aus dem Jahre 1320 einen Standort gefunden hat. Das Areal sei inzwischen zum beliebten Ausflugsziel geworden.

In einer Zeit der Globalisierung spiele der Begriff Heimat für viele eine zunehmend geringere Rolle. Heimat sei wichtig, sie verkörpere unsere Herkunft. Die Heimatpfleger erledigten ihre Aufgaben mit Engagement, viel Bürde und wenig Würde.

Landrat Bold verabschiedete nicht nur Bertram Becker mit lobenden Worten und einer Dankesurkunde. Er überreichte auch Bestellungsurkunden und Dienstausweise an die vier verbliebenen Kreisheimatpfleger Cornelia Mence , Roland Heinlein, Werner Eberth (77) und Christian Neugebauer. Der Kreistag hatte ihrer Bestellung bis zum 30. April 2019 zugestimmt.

Offene Ganztagsbetreuung

Christian Neugebauer übernimmt Bertram Beckers Aufgabenbereich zum Teil mit. Er ist in Arbeitskreisen anlässlich "150 Jahre Deutscher Krieg 1866" tätig. Cornelia Mence engagiert sich sehr bei den Jüdischen Kulturtagen. Roland Heinlein veranstaltet archäologische Kurse für Heimatforscher und kümmerte sich auch um den Nachlass von Josef Wabra (†). Werner Eberth verfasst derzeit ein Buch über Julius Kardinal Döpfner.

Ab dem kommenden Schuljahr wird es, wie seit 2010 in Hammelburg, auch in Bad Kissingen eine offene Ganztagsschule im Sonderpädagogischen Förderzentrum Saaletalschule geben. Geplant ist eine Gruppe mit zwölf Kindern aus den fünften und neunten Jahrgangsstufen. Kooperationspartner wird auch hier die Schweinfurter Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) sein. gfi-Mitarbeiter betreuen die Kinder montags bis donnerstags jeweils von 13 bis 16 Uhr. Zum Angebot gehört auch "ein vernünftiges, qualitativ hochwertiges Mittagessen" (Sitzungsvorlage). Für diese Klasse steht ausreichend Platz zur Verfügung. Zusätzliche Kosten - außer einer Beteiligung in Höhe von 5000 Euro pro Jahr - entstehen dem Landkreis nicht. Der Kulturausschuss nahm das billigend es zur Kenntnis.