Ein halbes Jahr stand das Gastgewerbe im vergangenen Jahr pandemiebedingt still. Entsprechend massiv sind die Gästezahlen im Bäderlandkreis eingebrochen. Das zeigen die Jahresbilanzen, die die drei Staatsbäder am Donnerstag vorgelegt haben. Im Vergleich zu 2019 kamen nur noch halb so viele Gäste nach Bad Kissingen, Bad Brückenau und Bad Bocklet. Es wurden 38 Prozent weniger Übernachtungen verzeichnet.

Für das touristische Zugpferd Bad Kissingen ist 2020 das schlechteste Jahr der letzten Jahrzehnte, wenn nicht eines der schlechtesten überhaupt: Die Zahl der Übernachtungen sank auf knapp 980 000 und damit unter die Million-Marke. Sogar in den harten Jahren der Kurkrise (1997 und 1998) und 2008 während der weltweiten Finanzkrise kamen mehr Gäste in die Stadt (jeweils etwa 1,4 Millionen).

Bocklet: Kliniken legen zu

Der kleinste der drei Kurorte, Bad Bocklet, kam bislang am besten durch die Coronakrise. Aber auch das ist relativ. 50 Prozent weniger Ankünfte und Übernachtungen von Privatgästen tun dem Biedermeierbad richtig weh. "Mein grundsätzlicher Wunsch ist, dass es ein solches Jahr nicht mehr geben wird", sagt Kurdirektor Thomas Beck. Gerade die Hotels und Pensionen hat es schwer getroffen. "Für die einzelnen Häuser ist es dramatisch."

Die Kliniken hingegen verzeichneten sogar ein Gästeplus von rund neun Prozent. "Der Rehabereich ist stabil gelaufen", sagt Beck. Schutz- und Hygienekonzepte hätten gut funktioniert. Dank dem Zuwachs bei den Versicherungsgästen fällt das Gesamtminus bei den Übernachtungen noch vergleichsweise moderat aus. "2020 hatten wir eigentlich als erfolgreiches Jahr im Blick. Ohne Corona wären 200 000 Übernachtungen angepeilt gewesen", sagt der Kurdirektor. Mit Corona zählte Bad Bocklet knapp 160 000 Übernachtungen. 2020 ist damit das schwächste Jahr seit 2006.

Kissingen: Guter Sommer reicht nicht aus

Bad Kissingen verzeichnet seit 2014 kontinuierlich um die 1,6 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Im Coronajahr waren es 620 000 weniger. Außerdem zählte die Staatsbad Bad Kissingen GmbH nur noch rund halb so viele Anreisen. Besonders stark war der Einbruch im Tagungsgeschäft. Hier kam im Vergleich zu 2019 sogar nur noch ein Viertel der Gäste in die Stadt. Durch den Gästerückgang halbieren sich die Kurtaxeinnahmen von 4,2 auf 2,2 Millionen Euro.

In allen drei Staatsbädern hatte das Jahr gut begonnen. In den ersten beiden Monaten legte Bad Kissingen sowohl bei den Anreisen, als auch bei den Übernachtungen zu. Im März folgte der Lockdown. Die Übernachtungsbetriebe mussten schließen und viele Kliniken konnten aufgrund der geltenden Schutzbestimmungen weniger Patienten als üblich aufnehmen. "Als im Sommer das Reisen wieder möglich war, haben sich die Zahlen erholt", teilt Pressesprecherin Ines Hartmann mit. Ein Drittel aller Übernachtungen und 42 Prozent der Anreisen entfallen auf den Zeitraum von August bis Oktober. Diese gute Entwicklung erkläre sich aus Marketingmaßnahmen von Stadt und Staatsbad und aus den Veranstaltungsreihen "KissingerKulturSommer" und "Kissinger Spätsommer".

"Im Krisenjahr hat Bad Kissingen gezeigt, dass wir innovationsfähig sind", sagt Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD). Das Kulturprogramm wurde umgestellt und ein kleiner Ersatz für das ausgefallene Rakoczy-Fest organisiert. "Aus den Gästezahlen wird nur bedingt ersichtlich, wie viele Menschen Bad Kissingen besucht haben. Eine strategische Aufgabe wird sein, diese Besucher für Übernachtungen zu gewinnen", sagt er. Laut Kurdirektorin Sylvie Thormann wolle die Staatsbad nach Ende des Lockdown schnellstmöglich wieder Veranstaltungen für die Gäste anbieten. "Unser Angebot ist geplant und kann jederzeit umgesetzt werden", betont sie. Grundsätzlich geht sie davon aus, dass der Inlandstourismus an Bedeutung gewinnt. Davon müsse Bad Kissingen profitieren.

Brückenau: Krise statt Rekordjahr

"2020 wäre das beste Jahr geworden, das wir je hatten", sagt Bad Brückenaus Kurdirektorin Andrea Schallenkammer mit Wehmut. Die Gästezahlen legten zu Beginn des Jahres zu, im Sommer sollte dann die neue Limes Privatklinik im Staatsbad öffnen. Doch das Coronavirus machte einen Strich durch die Rechnung. Im Vergleich zum Vorjahr reiste nicht einmal mehr die Hälfte an Gäste an, die Übernachtungen gingen von 320 000 auf 170 000 zurück. "Dass das Tagungsgeschäft komplett eingebrochen ist und dass keine Hochzeits- und Privatfeiern möglich waren, hat uns sehr getroffen", berichtet sie. Auch die Insolvenz der Klinik Regena sei ein schwerer Schlag gewesen.

Die Kliniken haben ansonsten für eine Grundauslastung gesorgt. Den Wegfall bei den Privatgästen konnten sie aber nicht kompensieren. "Der Sommer ist dann ganz gut gelaufen", sagt Schallenkammer. Sie hofft deshalb, dass der Inlandstourismus nach dem Lockdown schnell wieder anläuft.