Das Entzünden von Sabbat-Kerzen, ein kleiner Schluck süßen Weines und das Brechen des Brotes waren weitere Rituale, die auf das wichtigste Fest der Woche vorbereiteten. Im Rahmen des deutsch-israelischen Jugendaustausches, der seit 1995 stattfindet, bot das AFZ-Campus den äußeren Rahmen für die freitägliche Zeremonie, an der neben den israelischen Jugendlichen mit zwei Betreuern auch elf deutschen Jugendlichen mit Edwin Metzler, Martin Pfeuffer und Landrat
Thomas Bold teilnahmen.
Die elf deutschen Jugendlichen waren in den Osterferien im Landkreis Tamar am Toten Meer gewesen. Diesmal waren sie die "Gast-Familien" für die israelischen Gäste. Nach einigen Tagen in den Familien sind alle miteinander in den AFZ-Campus gezogen, um von dort das touristische Programm zu starten.
Edwin Metzler betonte: "Ich möchte, dass die 16- bis 17-Jährigen alles gemeinsam machen." Und das taten die Jugendlichen auch: Sie waren zusammen im Hochseilgarten am Volkers berg, an der Wasserskianlage in Thulba, bei einem "Rhön-Tag" besuchten sie das Haus der Schwarzen Berge und die Sommerrodelbahn auf der Wasserkuppe und auch ein Abstecher nach Würzburg mit Besuch der Marienburg durfte nicht fehlen. Gestern ging es für die letzten Tage nach München und von dort zur Zugspitze. Am Mittwoch geht es zurück nach Hause.
Sechs Tage waren die insgesamt 20 Jugendlichen im AFZ-Campus untergebracht. Für die Küche bedeutete dies eine Herausforderung, denn zu den jüdischen Speiseregeln, die sowohl das Essen als auch dessen Zubereitung betreffen, gehören koschere Speisen. "Koscher" steht dabei für "tauglich" und bedeutet: eine Speise entspricht den Vorschriften der "Thora", also den Vorgaben des Alten Testaments mit den fünf Büchern Mose. Alle Tiere, die Wiederkäuer sind und gespaltene Hufe haben, gelten als koscher. Dazu gehören Rinder, Schafe, Ziegen, Geflügel und Fische. Schweine sind nicht koscher.

Ein ganz spezieller Speiseplan

"Eine weitere Regel ist, dass Fleisch und Speisen aus Milch in getrennten Kochtöpfen zubereitet werden müssen und nicht zusammen gegessen werden dürfen", erläuterte Renate Pinnow als verantwortliche Köchin des AFZ-Restaurants. So bestand der Speiseplan z. B. aus Fisch mit Kartoffelsalat, wobei das Gebot dadurch eingehalten wurde, dass "der Kartoffelsalat ohne Mayonnaise, dafür mit einer Öl-Marinade hergestellt wurde". Auch das Putengeschnetzelte wird ohne Molkereiprodukte hergestellt. "Man behilft sich mit einem Geflügelfonds und Kräutern - als Beilage gibt es Reis, das ist problemlos." Das Frühstücksbüffet ist mit Geflügelwurst und Tomate bestückt - Käse steht zwar ebenfalls bereit, ist aber separater Bestandteil.
Die kleine Zeremonie vor dem freitäglichen Abendessen wurde mit dem Aufsetzen der traditionellen Kopfbedeckung, einer weißen Kippa, eingeleitet und von einem Betreuer auf Englisch erklärt. Die beiden Jugendlichen Roi Amir und Shoval Swissa hielten die Zeremonie. Der Sabbat als wichtigstes Fest der Woche soll an die Erschaffung der Welt erinnern und Gottes Werk ehren. Am Sabbat ist jede Art von Arbeit verboten.
Zwei Sabbat-Kerzen wurden entzündet, an denen symbolisch das Feuer am Sabbat entzündet werden kann. Süßer Wein wurde in einen Kelch geschüttet, wobei ein Tropfen vergossen wird - dieser Tropfen soll zeigen: Man hat genug davon! Am Weinkelch nippte jeder Gast und nahm dazu das koscher gebackene Brot, das gebrochen und in Salz gedrückt wird, bevor man ein Stück isst. Ein Sabbat-Lied beendete die Zeremonie im AFZ-Restaurant. Das Abendessen endete bevor der Sabbat begann, also mit dem ersten Stern am Abendhimmel. Der Sabbat endet am Samstagabend, wenn drei Sterne am Himmel zu sehen sind.