Tödliche Gefahren auf dem Schulweg zu vermeiden, ist seit Jahren das Ziel der vom Entsorgungsunternehmen Suez deutschlandweit für Grundschulkinder eingeführten Verkehrserziehungsaktion "Blicki blickt's". Aktionspartner in Unterfranken ist der Recyclingdienstleister Remondis, der am Dienstag mit seinem umgebauten roten Müllauto und dem Känguru-Maskottchen "Blicki" auf dem Schulhof der Henneberg-Grundschule in Garitz vorfuhr.

Selten war es trotz des Gewusels vieler Kinder so still auf dem Schulhof oder in Aula und Turnhalle. Aufmerksam und wissbegierig lauschten sie den Vorträgen der Verkehrserzieherinnen. An vier Stationen durften die Grundschüler, aufgeteilt in mehrere Gruppen und nach genauem Zeitplan wechselnd, an diesem außergewöhnlichen Projekttag in Ratespielen und Aktionen auf unterhaltsame Weise aus den Fehlern des tolpatschig-freundlichen Kängurus im Straßenverkehr lernen, oder ihr bereits vorhandenes Wissen von den mitgereisten Erzieherinnen bestätigen lassen.


Reagieren und bremsen

In der Aula lauschten sie einem Hörspiel: Blicki will zuhause Kekse backen, braucht aber noch Zutaten. Auf dem Weg in den Supermarkt macht das Maskottchen prompt Fehler im Straßenverkehr, über die die kleinen Zuhörer aufgeklärt wurden. Direkt am roten Müllauto lernten sie, dass sie niemals zu dicht an einen Lkw treten dürfen, auch nicht seitlich und schon gar nicht dahinter. Direkt unter dem Seitenspiegel stehend, erkannten die Kinder schnell, dass der Fahrer sie dort unten wegen des toten Blickwinkels nicht sehen kann.

Einige Meter weiter an Station 3 spürten die Teilnehmer am eigenen Körper, dass man nach kurzem Sprint nicht sofort auf den Punkt genau stoppen kann. Aus dieser körperlichen Erfahrung wurde ihnen bewusst, dass erst recht einem schweren Lastwagen dies nicht gelingen kann. Interessant waren deshalb die Erklärungen zu Reaktionszeit und Bremsweg. Spannend wurde es abschließend im Schwarzlichttheater in der Turnhalle. In dem von Saskia Gompf, der Koordinatorin vor Ort, moderierten Theaterquiz mussten die Schüler bei jedem Verhaltensfehler von Känguru Blicki den Film sofort durch Knopfdruck stoppen und den Fehler richtigstellen.

Die Aufmerksamkeit kleiner Kinder richtet sich eher auf spontane Geschehnisse wie rollende Bälle, Tiere oder andere Kinder als auf den allgemeinen Straßenverkehr, haben Fachleute festgestellt. Das größte Problem sei der große Bewegungsdrang, den Kinder auch in Verkehrssituationen nur bedingt kontrollieren können. Vor allem kleine Kinder seien zu sehr auf sich selbst konzentriert und erst vom neunten oder zehnten Lebensjahr an fähig, Situationen auch aus der Perspektive anderer Verkehrsteilnehmer zu überblicken. Dieses Mitdenken im Straßenverkehr zu erlernen, hat sich die Blicki-Initiative für Kinder vom fünften bis zehnten Lebensjahr zur Aufgabe gemacht.

An der Garitzer Henneberg-Grundschule nahmen nur die ersten bis dritten Klassen am Projekttag teil, da die Viertklässler schon ein Intensivtraining bei der Jugendverkehrsschule der Polizei absolviert hatten. Aber allein den Ablauf nur für diese Jahrgänge aus den drei getrennten Schulstandorten Reiterweisen, Arnshausen und Garitz zu koordinieren, sei ein ungeheurer Aufwand gewesen, erklärte Rektor Bernd Czelustek: "Ich habe zwei Tage am Ablaufplan gearbeitet." Die Bustransfers mussten minutengenau getaktet, das Projekt in die Unterrichtszeit passend eingefügt und Lehrkräfte zur Begleitung eingeteilt werden.

Das am Projekttag Erlernte soll nun in den Schulklassen mit dem vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Hilfsmaterial im Heimat- und Sachunterricht vertieft werden. Im Deutschunterricht können entsprechende Text gelesen werden und sogar in Mathematik lassen sich Bremswege berechnen.