"Erneuerung der Infrastruktur" nennt sich das Ganze, doch im Mittelpunkt der Großbaumaßnahme steht die Erneuerung des Kanals unter der nördlichen Von-Hessing-Straße und einem Teil der Maxstraße. Bis Oktober kommenden Jahres wird in diesem Kernbereich der Stadt gebuddelt, und das sogar mit einer Art Tunnelbau-Maschine.

Verkehr kann weiter fließen

Der Stadtrat hat sich auf Vorschlag der Bauverwaltung dazu entschlossen, den Kanal unter der Von-Hessing-Straße unterirdisch vorantreiben zu lassen. Einer der Vorteile dieses bergmännischen Kanalvortriebs ist laut Thomas Hornung vom städtischen Tiefbauamt, dass Wasser- und Gasleitungen sowie der Mühlbach, die alle höher liegen als der Kanal, nicht berührt werden müssen. Denn alle diese Leitungen seien noch relativ neu. "Außerdem kann der Verkehr weiter durch die Von-Hessing-Straße fahren", ergänzt Hornung.

Für den unterirdischen Vortrieb werden eine Start- und eine Zielgrube benötigt. Erstere wird an der Amtsgerichtskreuzung ausgehoben, letztere zwischen der katholischen Kirche und der Kupsch-Filiale.
"Mitte nächster Woche werden wir mit dem Aushub für die Startgrube beginnen", sagt Hornung. Die Grube wird erst einmal acht Meter tief ausgehoben, zwei Meter werden dann mit einer Gründung für die Bohrmaschine wieder aufgefüllt. Stahlträger, Bohlen und Spritzbeton werden die Grube stabilisieren.

Die Maschine, die Anfang Oktober anrücken soll, wird vorne einen Bohrer haben. Der frisst sich durch den bisherigen Kanal, der schon über 100 Jahre alt und erneuerungsbedürftig ist. Hinter dem Bohrer wird gleich der neue Kanalstrang hydraulisch durchgedrückt. In drei Meter langen Stücken, die einen Außendurchmesser von 1,50 Metern haben. Zwischen Rohr und Boden wird ein schmaler Zwischenraum bleiben, in den Gleitflüssigkeit gepresst wird.

Abwasser wird abgepumpt

Da während des Baus der Kanal nicht zur Verfügung steht, werden die Abwässer so lange andere Wege nehmen müssen. Es wird in Gruben gesammelt, abgepumpt und über Rohrleitungen bestehenden Kanälen zugeleitet.
Ab der kommenden Woche werden auch Ent- und Versorgungsleitungen in der Maxstraße zwischen dem Neuen Schloss und der Amtsgerichtskreuzung erneuert. Hier aber in offener Bauweise. Das heißt, es wird eine Baugrube geben.
Denn in der Maxstraße muss nicht nur der Kanal erneuert werden. Hier sind auch Wasser-, Strom- und Telekommunikatonsleitungen zu erneuern, beziehungsweise einzubauen.

Neue Umleitung

Das bedeutet, dass die Autos wieder neue Wege nehmen müssen, denn dieser Abschnitt der Maxstraße ist ab Montag, 17. September, gesperrt. Die Autos biegen dann grundsätzlich nach links ab und erreichen über den Parkplatz Tattersall die Salinenstraße. Ab hier können die Fahrer den Weg an der Amtsgerichtskreuzung vorbei über die Von-Hessing-Straße nehmen.
Dass die Maßnahmen in der Von-Hessing-Straße und der Maxstraße parallel laufen können, ist laut Thomas Hornung ebenfalls ein Vorteil des unterirdischen Vortriebs. Ein gleichzeitiges Aufgraben beider Straßen wäre laut Hornung nicht möglich gewesen, weil sonst der Verkehr in diesem Bereich der Stadt zusammengebrochen wäre. Wären aber beide Maßnahmen hintereinander durchgeführt worden, wäre eine Bauzeit von 100 statt der jetzt veranschlagten 55 Wochen nötig gewesen.
Zurück zum Mühlbach, dessen Verrohrung in der Von-Hessing-Straße vor nicht allzu langer Zeit erneuert wurde. Im Bereich des Marienplatzes dagegen fließt der vom Liebfrauensee gespeiste Bach noch in alten Rohren, die jetzt ebenfalls ersetzt werden müssen, und zwar ab 24. September. Dann müssen sich die Autofahrer auch hier an eine Umleitung gewöhnen, die zwischen Springbrunnen und Kirche hindurchführen wird.
Wenn alle Arbeiten bis Oktober 2013 abgeschlossen sind, werden rund 3,5 Millionen Euro in den Untergrund Bad Kissingens geflossen sein.