Es ist rappelvoll im Musiksaal des Franz-Miltenberger-Gymnasiums. Alle 6. Klassen waren gestern versammelt, als Premysl Vojta, Solo-Hornist der Staatskapelle Berlin, das Gymnasium und die Staatliche Realschule in Bad Brückenau besuchte. Ihn begleitete sein Kollege Ondrej Vrabec, der ebenfalls Solo-Hornist ist - allerdings bei der Tschechischen Philharmonie. Beide spielen morgen im Staatsbad (siehe Info-Kasten).

"Ich möchte euch ein wunderschönes Instrument vorstellen", sagt Vojta, bevor er die Einzelteile des Horns - samt einer versteckten Banane - dem Instrumentenkoffer entnimmt, sie beschreibt und dabei erklärt, was bei einem Horn das Wesentliche ist: das Mundstück. Vojta setzt es an, und in eigenartig summendem Klang, mit der Hand lebendig geformt, erklingt der "Titanic"-Song "My heart will go on".

"Ihr werdet nun etwas anderes hören. Schreibt oder malt einmal auf, was euch dazu einfällt", fordert Vojta auf. Und nachdem das Horn, nun komplett zusammen gesetzt, raumfüllend und weich klingt, fragt er: "War das alt oder neu?" Alt. Da sind sich alle einig. Und richtig: Es ist das Thema einer Cello-Suite von Johann Sebastian Bach. "Wie auf einem Berg" hat ein Schüler notiert. "Ein Sonnenaufgang" meint ein anderer. Dritte Idee: "Zwei Menschen, die aufeinander zugehen." Eine Stunde später werden die Schüler der 5. Klasse, einer Instrumentalklasse an der Realschule sagen: "Wiese und Wind und Kinder, die in den Wald rennen" und "Junge Vögel, die fliegen lernen."

Dann kommt ein zweites Klangbeispiel. "Alt", sind alle sich einig - übrigens schulübergreifend. Vojta lächelt verwundert, denn es ist eine Komposition von Olivier Messiaen - 20. Jahrhundert. Und die Interpretationen der jungen Hörer sind erstaunlich: "Eine Jagd auf dem Meer. Alles verloren", hat in der Realschule jemand auf seinen Zettel geschrieben. "Eine Welt wird wunderschön erschaffen." Vojta staunt: "Ich sehe: Ihr seid sehr fantasievoll. Es ist interessant, dass das moderne Stück bei euch mehr Fantasien und Ideen weckt. Oft haben die Leute gerade damit Schwierigkeiten."

Fantasie ist auch gefragt, als Vojta einen aufgerollten roten Gartenschlauch hervor nimmt. "Wie lang, schätzt ihr, wäre ein Horn, wenn man es ausrollt?" Es sind etwa dreieinhalb Meter. So lang ist auch der Schlauch, auf den Vojta einen Trichter steckt. "Wer will probieren?" Einige Schüler probieren aus, was aus dem Konstrukt heraus kommt. Töne. Und bei Premysl Vojta sogar Musik. Obwohl der Schlauch keine Ventile hat.

Viele Fragen hat Vojta beantwortet: Wie man Musiker wird, wie lange er schon Horn spielt, wie viel er übt. Die Schüler sind beeindruckt: "Ich fand's voll interessant", sagt Kilian Schaab. Er hat versucht, dem Horn Töne zu entlocken. "Es ist toll, dass die beiden Spieler sich solche Mühe für uns gegeben haben", meint der Gymnasiast. Kim Müller aus der 5. Klasse der Realschule fand es "cool, dass wir selber hier ausprobieren konnten." Der Besuch hat sie neugierig gemacht auf das Konzert, obwohl sie noch nicht weiß, ob sie hingehen kann.

Das ist es, was Premysl Vojta antreibt, sich in Schulen zu engagieren. Einen konkreten, direkten Erfolg, meint er, muss das gar nicht haben. "Es ist gut, wenn die Schüler sich später, wenn sie einmal ein Konzert besuchen, daran erinnern." Aufmerksamkeit wecken für die Musik, für das Instrument, für den Solisten, für das, was der tut -das ist eine Aufgabe. "Alle haben etwas davon", sagt er. "Der Umgang mit den Kindern ist auch interessant. Man bekommt ein direktes Feedback." Wichtig findet er den Kontakt mit Berufsmusikern, denn das Persönliche, die Möglichkeit, Fragen zu stellen, senkt Hemmschwellen und trägt dazu bei, die Musik anders wahr zu nehmen. "Auch bei Konzerten für Kinder sind die Barrieren oft hoch", hat er beobachtet. Den Brückenauer Schülern spricht er ein großes Lob aus: "Sie waren gut dabei und sehr ruhig und interessiert." Schöne Stunden also - für Schüler und Musiker.

Termin Eine "Landpartie" erwartet die Besucher beim Sommerkonzert des Bayerischen Kammerorchesters (BKO) am Samstag, 20. Juli, um 19.30 Uhr im König-Ludwig I.-Saal.

Solisten Premysl Vojta und Ondrej Vrabec sind Solo-Hornisten der Staatskapelle Berlin beziehungsweise der Tschechischen Philharmonie.

Vorverkauf Restkarten gibt's beim BKO, Tel.: 09741/ 93890. Nach dem Konzert stehen die Künstler im Lola Montez-Saal für Gespräche in geselliger Runde zur Verfügung.