Es geht voran: Am Sitz der Stadtwerke gegenüber dem Schlachthof sind im zurückliegenden Jahr zwei große Betriebsgebäude in die Höhe gewachsen. "Der Rohbau war im Oktober fertig, wir stecken aktuell voll im Innenausbau", sagt Stadtwerke-Chef Manfred Zimmer (55), und: "Ende des Jahres werden wir im neuen Gebäude sein." Knapp sechs Millionen Euro werden die Stadtwerke bis dahin investiert haben.
Die rund 900 000 Euro teure Sanierung des Baugrundes gar nicht eingerechnet.

"2016 haben wir viel vor, das ist unser Jahr der Infrastruktur", weist Zimmer auf weitere Investitionen hin: Auf dem Parkplatz an der Eissporthalle entsteht derzeit ein 20-Kilovolt-Schalthaus. "Das stand eigentlich schon für 2013 auf dem Plan." Weil damals der Ausbau der Windkraft boomte, seien jedoch alle Hersteller von Umspannwerken ausgelastet gewesen. Also wurde der Bau des Verteiler-Knotens aufgeschoben. Obwohl die Zeit drängt: "Unsere Technik im alten E-Werk ist 60 Jahre alt und steht im Hochwasser-Gebiet." Das Schalthaus samt Trafostation kostet rund zwei Millionen Euro. "Versorgungssicherheit hat ihren Preis."

Noch länger liegen die Planungen für das neue Betriebsgebäude in den Schubladen: "Das stand ja schon seit Jahrzehnten auf der Agenda, lange vor meiner Amtszeit", berichtet der Stadtwerke-Chef. Ganz neu ist dagegen ein anderes Groß-Projekt: Die Entscheidung für den Neubau eines Hallenbades an der Kisssalis-Therme sei erst in den vergangenen drei Wochen konkretisiert worden.


Schätzung: Acht Millionen Euro

Die Baukosten seien noch nicht ermittelt, aber eine erste Schätzung geht von acht Millionen Euro aus, die in den Jahren 2017 und 2018 investiert werden. "Uns wird nicht langweilig, das wird spannend", sagt Zimmer, und: "Wir bauen ein neues Hallenbad in einer Zeit, in der anderswo Hallenbäder geschlossen werden." Die Planung für den Anbau soll europaweit ausgeschrieben werden, der endgültige Plan werde also frühestens in einem Jahr vorliegen.

Klar sei jedoch bereits, dass die Belange der aktuellen Nutzer des Hallenbades möglichst gut berücksichtigt werden. In welcher Form es eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben wird, sei noch völlig offen, aber: "Wir können natürlich nicht am Bedarf der späteren Nutzer vorbei planen", betont Zimmer. Fest stehe zudem, dass die Kisssalis-Therme und das Hallenbad einen gemeinsamen Betreiber haben werden. Bei der zweiten großen Einrichtung, die die Stadt Bad Kissingen gerne privatisieren würde, winkt Stadtwerke-Chef Manfred Zimmer dagegen kategorisch ab: "Wir haben die Eissporthalle in keiner Weise auf der Agenda", betont Zimmer auf Nachfrage.

"Unser Ziel ist ein optimierter technischer Betrieb", fasst Manfred Zimmer das Konzept des Neubaus zusammen: In die zwei Betriebsgebäude am Hang oberhalb der Würzburger Straße ziehen die Techniker, Meister und Ingenieure ein, deren Arbeitsplätze aktuell noch auf vier Standorte in der Stadt verteilt sind. "Wir schaffen die Basis, um die nächsten Jahrzehnte vernünftig arbeiten zu können."


Geteilte Arbeitsplätze

Insgesamt haben die Stadtwerke aktuell rund 100 Mitarbeiter. Seit Jahren seien die Verhältnisse sehr beengt: "Wo eigentlich nur einer hinpasst, müssen halt zwei Monteure arbeiten", sagt Zimmer. Auch der Hauptsitz an der Würzburger Straße sei überlastet. Wenn der Naubau bezogen ist, soll dort weiter gebaut werden: "Hier wird alles für die Kunden optimiert", verweist Zimmer darauf, dass im Erdgeschoss eine zentrale Information rund um Strom, Gas, Wasser und Fernwärme geplant ist. Vom Häuslebauer bis zum Unternehmer könne sich dort jeder gezielt informieren, samt barrierefreiem Zugang vom neuen Kunden-Parkplatz.


Großes Lager für Ersatzteile

Nicht nur beim neuen Schalthaus, sondern auch beim Lager investieren die Stadtwerke viel Geld in die Versorgungssicherheit. "Rohre, Schieber oder Muffen: Wir halten alles vor, was man braucht, um den Netzbetrieb zu gewährleisten, auch nachts und am Wochenende." Das schließe auch ein, dass der ein oder andere "Ladenhüter" im Regal liege.

Die Arbeiten im Neubau, selbst die technische Ausrüstung, werde komplett an Fachfirmen vergeben, betont Zimmer: "Wir können unser tägliches Geschäft nicht liegen lassen." Zudem sei der Einbau einer Schaltwarte, von der aus unter anderem die Parkhäuser in der Innenstadt rund um die Uhr überwacht werden, auch eine ganz andere Herausforderung als der übliche Netzbetrieb.


Mieter für altes E-Werk gesucht

Noch keine Einigung gebe es dazu, wer die Altlasten-Sanierung bezahlt: Vor Baubeginn mussten fast 10 000 Kubikmeter benzol- und teerbelastete Erde abgefahren werden. Die Thüringer Gasgesellschaft hatte bis in die 1960er Jahre auf dem grundstück Kokerei-Gas hergestellt. "Das wird wahrscheinlich auf eine rechtliche Auseinandersetzung rauslaufen."

Vermutlich zum Jahresende werde das denkmalgeschützte E-Werk aufgegeben werden. Dort sind bislang unter anderem Schaltzentrale und Leitwarte untergebracht "Wir sind auf der Suche nach einer Nutzung durch Dritte", berichtet Zimmer.

Zahlen und Daten rund um die Stadtwerke

Gesellschaft
Die Stadtwerke Bad Kissingen GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Bad Kissingen. Sie versorgt vor allem die Stadt Bad Kissingen mit Strom, Gas, Fernwärme und Wasser, betreibt die beiden Parkhäuser in der Innenstadt und organisiert den öffentlichen Personennahverkehr. Außerdem sind die Stadtwerke Eigentümerin der KissSalis Therme, die in den kommenden Jahren um ein Hallenbad und möglicherweise ein Hotel erweitert werden sollen. Den Betrieb dort hat die Kannewischer Holding übernommen, die insgesamt rund 575 Mitarbeiter beschäftigt.

Verbrauch Im Strommarkt liefern die Stadtwerke ihren rund 16 000 Kunden etwa 90,6 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Beim Erdgasvertrieb haben die Stadtwerke rund 9500 Kunden, die zusammen etwa 463,3 Millionen Kilowattstunden im Jahr abnehmen. Im Bereich Wasser beziehen rund 4700 Kunden im Stadtgebiet rund 1,8 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr.