Seit über einem Jahr liegt das kulturelle Leben auch im Landkreis so gut wie brach. Auf Veranstaltungen, Kino, Theater und Konzerte muss verzichtet werden. Nur die Museen durften ab Mitte März bei niedrigen Inzidenzwerten wieder öffnen - wenn auch unter strikten Hygienevorgaben und mit begrenzter Besucherzahl. Welche Folgen ergeben sich daraus für die Betreiber? Lohnt sich unter diesen Einschränkungen überhaupt die Öffnung der Museen?

Aktuell ist ein Museumsbesuch nur mit vorheriger Terminvereinbarung möglich, bei einem Inzidenzwert unter 50 ist dies auch ohne vereinbarten Termin erlaubt. Zusätzlich ist die zeitgleiche Besucherzahl in Abhängigkeit von der jeweiligen Raumgröße begrenzt.

So dürfen sich im Museum Obere Saline (Bad Kissingen) nur maximal 25 Personen gleichzeitig aufhalten, wie Museumsleiterin Annette Späth mitteilt. Doch diese Kapazitätsgrenze wurde bisher an keinem Tag erreicht. "In der Woche kamen etwa 50 Besucher, Tendenz steigend." Ähnliches gilt für das Museum Schloss Aschach (Bad Bocklet). Hier waren es nach Angaben von Leiterin Josefine Glöckner um die 80 Besucher in einer Woche, obwohl sogar täglich 60 Gäste das Museum gleichzeitig besuchen dürften. Auch das Museum Herrenmühle in Hammelburg sowie das Henneberg-Museum in Münnerstadt erreichten an keinem Tag die vorgegebene Höchstgrenze. "Wir vermissen unsere Besucher und den Dialog mit ihnen", klagt deshalb Elli Böck (Herrenmühle). Als sicher darf allerdings vermutet werden, dass wegen der Unsicherheit aufgrund der in den Bundesländern unterschiedlichen, dabei ständig wechselnden Corona-Maßnahmen sowie wegen des Wegfalls der touristischen Gäste, die Besucherzahlen in den Landkreis-Museen ohnehin wesentlich niedriger ausfallen als in normalen Jahren.

Lohnt sich überhaupt eine Öffnung, wenn das Münnerstädter Henneberg-Museum gerade einmal fünf Besucher in der Woche hatte, wie dessen Leiter Nicolas Zenzen auf Anfrage mitteilt, oder das Fahrradmuseum in Bad Brückenau eine Besucherfrequenz von nur 15 Prozent im Vergleich zum Normaljahr 2019 meldet? "Wir dürfen keine Führungen machen, keine Schulklassen und auch sonst keine Gruppen empfangen", klagt Stefanie Faust vom Deutschen Fahrradmuseum. Trotzdem sei die Öffnung der Museen wichtig. "Auch wenn es frustrierend ist, muss man Präsenz zeigen." Vor allem sei es wichtig, "in der Corona-Zeit positive Signale zu senden".

Darin sind sich alle einig. "Museen sind unverzichtbare Kultur- und Bildungseinrichtungen, die präsent bleiben müssen - und wollen", betont Elli Böck (Herrenmühle). Für Josefine Glöckner (Schloss Aschach) gilt außerdem: "Es darf jetzt nicht nur auf Wirtschaftlichkeit geachtet werden. Wir wollen zeigen, dass man Kultur auch in diesen Zeiten hygienisch sicher genießen kann."

Annette Späth (Obere Saline) verweist konkret auf das mit Fördermitteln des Bundes "ausgefeilte Hygienekonzept" für Museen und ihre Besucher. Sie nennt noch einen anderen Aspekt, der für die Öffnung spricht: "Die Museumsbesucher sind froh, im eintönigen Alltag der eingeschränkten Möglichkeiten ein ansprechendes und hochwertiges kulturelles Angebot nutzen zu können. Gerade in schwieriger Zeit muss ein Museum dem gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden."

Die Monate des Lockdowns oder der momentan noch geringen Besucherzahl nutzt das Museum Obere Saline zur Ausarbeitung der nächsten Sonderausstellung "Weltbad Kissingen und Prinzregent Luitpold - Innovativ.International. Königlich", die Mitte Mai eröffnet werden soll. Gleichzeitig werden Führungskonzepte, wie zum Beispiel in Schloss Aschach digitale Formate zum individuellen Ausstellungsbesuch, sowie neue Veranstaltungsformate unter Einhaltung jeweiliger Corona-Schutzmaßnahmen entwickelt, weshalb auch in den anderen Museen noch kein Mitarbeiter in Kurzurlaub geschickt zu werden brauchte.

Während im Museum Obere Saline mit "Blumenkind und Blendax-Max" gerade am 18. April eine Sonderausstellung ausläuft, im Henneberg-Museum aber noch bis Ende Mai die Sonderschau "Geschichte im Bild. Historische Ansichten Münnerstadts" läuft, empfehlen sich alle Museen des Landkreises mit ihren Dauerausstellungen zu den üblichen Öffnungszeiten.

Lediglich das Heimat- und John-Bauer-Museum in Oerlenbach bleibt, wie Nadine Schmitt aus dem Rathaus mitteilt, "bis auf weiteres geschlossen".

Ob sich die Situation ändert, sobald im Kissinger Landkreis die 7-Tage-Inzidenz dauerhaft über 100 bleibt, ist abzuwarten. Natürlich wirkt sich auch diese Unsicherheit im möglichen Wechsel zwischen Öffnung oder Schließung der Museen schädlich auf die Besucherfrequenz aus.

Im Zweifelsfall empfiehlt sich vor einem geplanten Museumsbesuch ein Anruf, zumal momentan ohnehin zuvor ein Termin vereinbart werden muss.