Auf 15 Ausstellungstafeln und in zwei Vitrinen mit historischen Briefen und postalischen Belegen wird den Besuchern des Heimatspielhauses bald die postalische Geschichte Münnerstadts unter dem Titel "Da geht die Post ab" näher gebracht. Dr. Ortwin Guhling hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, Christine Schikora übernahm die grafische Gestaltung. Der Fotokreis des Rhönklubs kümmerte sich um die künstlerische Umsetzung der ehemaligen Poststationen und zur Ausstellung wird es auch noch ein Rahmenprogramm geben. Veranstalter ist der Verein "Zukunft für das Heimatspielhaus".

Dessen Vorsitzender, Martin Kuchler, erzählt die außergewöhnliche Geschichte, wie die Idee zur Ausstellung geboren wurde. Und die begann mit einem Anruf von Antje Abeska. Sie hat ein Atelier im "Fränkischen Hof", an dem ja auch "Gasthof zur Post" geschrieben steht. Zwei Männer, die nur englisch sprachen, erkundigten sich bei ihr nach der "History" des Hauses. Martin Kuchler traf im Fränkischen Hof auf Dr. Thomas Dooley aus den USA, einem Ur-Ur-UrUr-Enkel von Louis Rambour. Das war jener französische Offizier, der sich während der napoleonischen Zeit in die Wirtstochter Johanna Mahler verliebt hatte und ein Liebesgedicht in ein Fenster ritzte (heute im Henneberg-Museum). Er heiratete sie, wurde später Wirt und Posthalter von Münnerstadt.

Martin Kuchler versprach Thomas Dooley, ihm bei seiner Ahnenforschung zu helfen und dachte dabei an Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling. "Das passt ja prima", hat Klaus Dieter Guhling gesagt. Sein Sohn Ortwin forschte da gerade über die Rambour-Zeit der Münnerstädter Postgeschichte. Und weil die Post im Laufe der Zeit in vielen Häusern untergebracht war, entstand die Idee, daraus anlässlich des Stadtjubiläums eine Ausstellung zu organisieren. Martin Kuchler bot das Heimatspielhaus als Veranstaltungsort an.

"Ich habe Thomas Dooley Emails zur Geschichte seiner Vorfahren geschrieben", sagt Ortwin Guhling. Louis Rambour hatte das Amt des Posthalters 1807 von seinem Schwiegervater übernommen, der tatsächlich der erste Posthalter in Münnerstadt war.

Ortwin Guhling wurde das Interesse an der Münnerstädter Stadtgeschichte, aber auch die Freude an der Philatelie und dem Sammeln postalischer Dokumente gewissermaßen in die Wiege gelegt. Er teilt sie mit seinem Vater und nennt viele Gründe, warum ihm diese Tätigkeit viel Vergnügen bereitet, auch wenn sich manch Außenstehender über ein solches Hobby wundern mag. Für den wissenschaftlichen Bibliothekar sind postgeschichtliche Belege lebendige Zeugnisse des jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehens, aus der sie stammen. Er sieht in ihnen unter anderem Alltagszeugnisse mit einem ästhetischen Wert. Als sich nun die Möglichkeit ergab, die Postgeschichte seiner Heimatstadt im Jubiläumsjahr einer breiten Öffentlichkeit darzustellen, hat Ortwin Guhling nicht lange gezögert und sich mit Elan an die Konzeption der Ausstellung "Da geht die Post ab! 235 Jahre Münnerstädter Postgeschichte" gemacht.

Viel Lob findet Ortwin Guhling für Christine Schikora, die das Ganze grafisch umgesetzt hat.

"Das ist auch total interessant", sagt Christine Schikora dazu. Das sei nicht trocken, wie man vermuten könnte, sondern wirklich spannend, weil es historische Gegebenheiten zur Stadtgeschichte beleuchtet. Sie habe dadurch viel gelernt. Die Ausstellung wurde ehrenamtlich organisiert, sagt Martin Kuchler. Für die anfallenden Kosten, wie das Drucken der Plakate, hat er Sponsoren gefunden.

Die Ausstellung hält zusätzliche Informationen bereit, die über einen QR-Code abgerufen werden können (Handy nicht vergessen!). Einige Mitglieder des Rhönklub-Fotokreises haben die vielen Ortswechsel der Post fotografisch umgesetzt, indem sie sehr unterschiedliche Techniken, Tricks und Verfremdungen anwendeten. Zudem haben die Veranstalter historische Ansichtskarten von Münnerstadt nachdrucken lassen, die erworben werden können. Darunter ist auch die älteste Ansichtskarte.

Eröffnung im kleinen Kreis

Wegen Corona wird die Eröffnung im kleinen Kreis geladener Gäste stattfinden, Geöffnet ist sie vom 17. Oktober bis 8. November immer Donnerstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag von 11.30 bis 18 Uhr im Heimatspielhaus (Hafenmarkt 1). Der Eintritt ist frei.

Dazu gibt es ein Rahmenprogramm. Am Samstag , 17. Oktober wird Rainer Kirch kleine Geschichten präsentieren, welche die ehemaligen Poststationen über ihre Zeit und ihre Menschen erzählen können. Start des Rundgangs ist um 18 Uhr am Rathaus. Er dauert gut eine Stunde.

Anmeldung für die Führung

Dr. Ortwin Guhling wird am Sonntag, 25. Oktober, um 16 Uhr durch die Ausstellung führen. Dafür wird um Anmeldung mit Angabe der Kontaktdaten unter Mail: heimatspielhaus@web.de oder Tel.: 09733/ 780550 gebeten. Ein Vortrag von Ortwin Guhling unter dem Titel "Streifzug durch die lokale Postgeschichte vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart" folgt am Mittwoch, 4. November, um 19 Uhr in der Alten Aula (Veranstalter ist das Henneberg-Museum). Bei allen Veranstaltungen ist auf die geltenden Corona-Regeln zu achten.