Im September 2014 waren die 40 Polizeimeisteranwärterinnen und 103 Polizeimeisteranwärter ins Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Oerlenbach eingerückt. Zweieinhalb Jahre später wurde ihnen jetzt nach bestandener Prüfung die Beförderungsurkunde zur Aufnahme als Beamter auf Probezeit ausgehändigt und alle in den aktiven Dienst verabschiedet. Viel Zeit zum Feiern blieb nicht: Schon am Montag mussten sich die Absolventen in ihren neuen Dienststellen zum Einsatz melden - die meisten in Bayern und Baden-Württemberg, manche auch am Frankfurter Flughafen.
Eine harte Umstellung waren die ersten Ausbildungstage für viele Anwärter. Lehrgangssprecher David Ernemann und sein Stellvertreter gaben den Festgästen einen humorvollen Rückblick auf den Leidensweg ihrer männlichen und weiblichen Kameraden. "Es gab Momente, wo sich mancher fragte, was er hier eigentlich macht." Einige Neulinge waren direkt aus dem behüteten Elternhaus in die Kasernenanlage in Oerlenbach gekommen - "Ein Ortsname, den 99,9 Prozent von uns nie gehört haben!" - und wurden gleich am Eingangstor ín energischem Unterfränkisch in die neuen Verhaltensregeln eingewiesen. "So manches Mal hat man sich einen Dolmetscher oder zumindest Untertitel gewünscht."


"Das Grauen hat einen Namen"

Auch die harte Ausbildung "in der fränkischen Toskana" hatte nicht nur bei den beiden Lehrgangssprechern einen starken Eindruck hinterlassen. Vor allem bestimmte Ausbildungsteile waren nachhaltig in Erinnerung geblieben. "Das Grauen hat einen Namen", rief Petters zur hörbaren Freude seiner Kameradinnen und Kameraden in die Festhalle. "Nature Challenge": Drei harte Tage in wilder Natur, 72 Stunden ohne Privatsphäre. "Und was das Schlimmste war: Ohne Smartphone!"


Verantwortung ist gewachsen

Diese frischen Einblicke in die polizeiliche Ausbildung schienen Landrat Thomas Bold als ausgeschiedener Polizeihauptkommissar sehr vertraut. Einiges habe sich wohl seit seinem Ausbildungsbeginn im Jahr 1980 nicht verändert. Allerdings seien die Anforderungen an die Polizei inzwischen gestiegen, die Einsätze auch internationaler geworden. "Die Verantwortung für unsere Gesellschaft ist gewachsen, die innere und äußere Sicherheit sind stärker verknüpft als vor Jahrzehnten."
Als Landrat sei er dankbar, so Bold weiter, dass verantwortliche Politiker und die Regierung ihre Konsequenzen aus der veränderten Sicherheitslage gezogen und eine Aufstockung der Bundespolizei bis 2020 um 7000 Stellen bewilligt haben. Sie seien "dringend und erforderlich". Denn: "Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie. Dazu gehört eine gut ausgebildete und gut ausgestattete Polizei."
Zu Beginn der Verabschiedungsfeier hatte der stellvertretende Leiter des Oerlenbacher Aus- und Fortbildungszentrums, Erster Polizeihauptkommissar Bruno van Eckert, in seiner kameradschaftlich-warmherzigen Festansprache auf die steigenden Anforderungen an die Bundespolizei hingewiesen. "Wir sind stärker gefragt als je zuvor." Er ermutigte die jungen Menschen, auch außerhalb deutscher Grenzen polizeiliche Aufgaben zu übernehmen. "Im Mittelpunkt Ihrer Arbeit steht immer die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger."


Straftat vereitelt, Täter gefasst

Die Ausbilder hätten den Lehrgangsteilnehmern in den vergangenen zweieinhalb Jahren viel abverlangt, gestand der Vorgesetzte ein. Sie hätten hohe Anforderungen an die jungen Menschen gestellt. "Doch auch Ihr künftiger Alltag stellt hohe Anforderungen an Sie", erklärte er den Absolventen. Mit einem aktuellen Beispiel forderte er alle zu verantwortungsbewusstem Handeln auf: Kürzlich hatten drei ihrer Kameraden während der Freizeit in der Schweinfurter Einkaufsgalerie eine Straftat nicht nur vereitelt, sondern gleich den Täter vorläufig festgenommen und der Schweinfurter Polizei übergeben. "Dieses Beispiel zeigt: Sie sind im Polizeialltag angekommen."