Andreas Sandwall kann sich noch gut an den Vorfall erinnern. Der ereignete sich kurz nach der Freigabe des neuen Kreisverkehrs zwischen Aschach und Bad Bocklet. Dabei fuhr ein Fahrzeug mit Bad Neustädter Kennzeichen vor ihm in Richtung Bad Kissingen. Den Kreisverkehr passierte dieses Auto aber nicht wie üblich, rechts herum, sondern entgegengesetzt. Ebenso lief es knapp zwei Kilometer weiter am provisorischen Kreisverkehr in Großenbrach ab. "So etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Das ist ein Kuriosum", schildert der amtierende Bürgermeister des Marktes Bad Bocklet. Glücklicherweise kam beide Male kein Fahrzeug entgegen.


Keine Einzelfälle

Ein Einzelfall, könnte man meinen. Offenbar ist es das aber nicht. Auch Steffen Kiesel, Bauleiter im Bad Kissinger Landratsamt und Kreisbrandmeister, konnte schon ähnliche verkehrswidrige Situationen beim Durchfahren von Kreisverkehren beobachten. Bei der Polizei in Bad Kissingen sind solche Vorfälle ebenfalls bekannt, allerdings hält sich die Zahl der erfassten in Grenzen. "Das Linksabbiegen im Kreisverkehr wurde bisher nur bei neuen oder zu kleinen Kreisverkehren festgestellt", schreibt Polizeihauptkommissar Lothar Manger auf Nachfrage dieser Zeitung. "Im ersten Fall war die Macht der Gewohnheit noch zu frisch. Im zweiten Fall liegt ein Planungsfehler mit Gewohnheitsverhalten vor", fügt der Verkehrsexperte in der Bad Kissinger Polizeiinspektion hinzu.

Dabei ist in der Straßenverkehrsordnung ganz klar geregelt, wie sich Autofahrer in einem Kreisverkehr verhalten sollen. Zudem gibt es eine entsprechende Ausschilderung. Zum einen handelt es sich um drei, zu einem Kreis angeordnete weiße Pfeile auf blauem Untergrund. "Wer ein Fahrzeug führt, muss der vorgeschriebenen Fahrtrichtung im Kreisverkehr rechts folgen", zitiert der Polizist aus den Vorschriften. Dann gibt es den nach rechts zeigenden, weißen Pfeil auf blauem Untergrund. "Wer ein Fahrzeug führt muss der vorgeschriebenen Richtung folgen", erklärt der Verkehrsexperte.


Wann muss man blinken?

Doch es gibt noch andere Probleme. So wissen viele Autofahrer beispielsweise nicht, wann sie blinken müssen: bei der Ein- oder bei der Ausfahrt? Diese Erfahrung haben nicht nur der amtierende Bürgermeister von Bad Bocklet, Andreas Sandwall, und Steffen Kiesel vom Landratsamt gemacht. Auch in der Bad Kissinger Polizeiinspektion ist das bekannt. Dabei ist das ebenfalls in der Straßenverkehrsordnung klar geregelt. "Bei der Einfahrt in einen Kreisverkehr ist die Benutzung des Fahrtrichtungsanzeigers unzulässig", erklärt Lothar Manger. "Wer abbiegen will, muss dies rechtzeitig und deutlich ankündigen. Dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen", fügt er hinzu. Was viele ebenfalls nicht wissen, ist, dass sie beim Nichtblinken zur Kasse gebeten werden können. Wer den Blinker vorschriftswidrig nicht benutzt, muss laut Bußgeldkatalog zehn Euro Verwarnungsgeld entrichten. Denn das Nichtblinken vor dem Ausfahren aus dem Kreisverkehr ist für Einfahrwillige einfach nur nervig, schreibt Lothar Manger weiter. "Da unnötig gewartet werden muss und die Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs verringert wird."

Doch der Kreisverkehr dient nicht nur dazu, den Verkehr "flüssiger" zu machen, sondern auch sicherer. In Aschach beispielsweise wurde der Kreisel gebaut, um die Unfallhäufungsstelle, die es früher hier gab, zu beseitigen. "Ich bin heilfroh, dass diese nun weg ist", sagt Andreas Sandwall dazu. Generell habe er nur Positives von den Bürgern des Marktes Bad Bocklet über den Kreisel gehört. Auch die Aschacherin Annemarie Hüter ist von dem Bauwerk begeistert. "Ich finde ihn gut", sagt die Fußgängerin, die selbst nicht Auto fährt aber täglich den Kreisverkehr zwischen Aschach und Bad Bocklet passiert.

Laut Polizeihauptkommissar Manger gibt es keine wirklich belastbaren Zahlen darüber, wie sich die Unfallzahlen im Landkreis vor und nach dem Umbau einer Kreuzung zu einem Kreisverkehr entwickelt haben. Ein Allheilmittel scheinen die Kreisel jedoch nicht zu sein. So seien in Oerlenbach die Unfälle beim Linksabbiegen und bei Missachtung der Vorfahrt auf null zurückgegangen. "Auch Auffahrunfälle wegen wartender Linksabbieger gibt es nicht mehr", schreibt er. Umgekehrt habe sich am Kreisel in Euerdorf die Anzahl der "Vorfahrt-Verletzer" auf der Zufahrt aus Bad Kissingen erheblich vermehrt. Generell schätzt Manger: Die Unfallarten haben sich auf Vorfahrtsunfälle reduziert. Nur in der Anfangszeit kam es vereinzelt zum Überfahrten der Mittelinsel. Auch Auffahrunfälle wurden bislang sehr selten registriert.



Bußgeldkatalog

Strafen Eine Mittelinsel im Kreisel verbotswidrig zu überfahren kostet zehn Euro. Wer im Kreisverkehr anhält, kann ebenfalls mit zehn Euro belangt werden. 15 Euro fallen an, wenn man im Kreisverkehr parkt. Wer einen solchen entgegen der Fahrtrichtung passiert, muss als Radfahrer mit 20 Euro Bußgeld rechnen, Autofahrer müssen 25 Euro entrichten. Sollten bei den genannten Verstößen Behinderungen oder sogar Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer auftreten oder Dinge beschädigt werden, wird es noch teurer. (Quelle: www.bussgeldkatalog.org)