Los ging es am Sonntag um 6 Uhr in Hassfurt, wo um 5 Uhr zuerst ein Auftaktgottesdienst in der Stadtpfarrkirche stattfand. Rund 95 Kilometer waren es bis zum "Heiligen Berg der Franken". Natürlich ging es per pedes auch wieder zurück nach Hassfurt, wo man feierlich einzieht. "Auf dem Marktplatz findet dann ein Kreubergfest statt, was immer wieder eine ganz besondere Attraktion ist und ein Riesenabschluss für die Wallfahrt" so Diakon Manfred Griebel, der seit 14 Jahren diese besondere Wallfahrt leitet.
Heuer sind rund 220 Personen in Hassfurt losgelaufen, zwei Drittel davon waren an allen sechs Tagen dabei. "Manche lassen sich auch schon am Kreuzberg abholen oder laufen nur ein Stück mit. Aber die meisten legen die ganze Strecke zurück", so Griebel. Insgesamt 190 Kilometer galt es in den sechs Tagen zu bewältigen - und das zu Anfang bei tropischen Temperaturen. Da ist es besonders wichtig, dass die Logistik klappt, was dank vieler freiwilliger Helfer auch immer der Fall sei, sagt Griebel. "Am Montag wurden wegen der hohen Temperaturen Unmengen an Wasser benötigt, bis zu 70 Kisten. Das hat das Versorgungsteam schon an die Grenze gebracht", erzählte der Wallfahrtsleiter.
Insgesamt sechs Fahrzeuge begleiten die Wallfahrer. Die Koffer der Pilger wollen schließlich transportiert werden, Essen muss an den Raststationen bereit gestellt werden und ein Sanitätswagen kümmert sich ebenso um die Reisenden. "Sind ein eingespieltes Team", so Griebel.
Besonders freut man sich, wenn man in Thundorf und in Großenbrach ankommt. Hier übernachten die Pilger nämlich. "Die Aufnahme hier ist immer ein Traum, beim Einzug säumen die Menschen die Straßen und zeigen so ihre Begeisterung", erklärt Griebel. Über all die Jahre haben sich Freundschaften gebildet, viele übernachten in jedem Jahr bei "ihren" Gastgebern in Großenbrach und Aschach. Neben privaten Unterkünften bietet auch die Freiwillige Feuerwehr Großenbrach im "Haus der Dorfgemeinschaft" und in extra aufgestellten Zelten Übernachtungsmöglichkeiten. Die Floriansjünger sorgen außerdem für die Bewirtung und das Abendessen, und das an zwei Tagen: Denn sowohl beim Weg zum als auch bei der Rückkehr vom Kreuzberg übernachten die Wallfahrer hier.
Dass bei der Quartiervergabe alles reibungslos klappt, ist ebenso der Verdienst des Großenbrachers Günter Neumann, der sich als Quartiermeister um die Pilger sorgt: "97 private Unterkünfte wurden in Großenbrach und Aschach heuer zur Verfügung gestellt". Neumann telefoniert dabei die Gastgeber an und klärt ab, wie viele Pilger diese aufnehmen können. "Mittlerweile hat sich das ganze fest eingespielt. Die Menschen zeigen sich sehr hilfsbereit und nehmen die Wallfahrer gerne auf" so der Quartiermeister.
Ein "Pionier" der Wallfahrt von Hassfurt zum Kreuzberg ist Stefan Hornung. Man kommt mit den Menschen leicht ins Gespräch, was auch daran liegt, dass man sich auf der Wallfahrt grundsätzlich duzt, berichtet er. "Tiefe und herzliche Gespräche entstehen oft gerade am Abend, wenn man zusammensitzt und den Tag noch einmal Revue passieren lässt." Man höre einander zu und trage auch schon einmal das Instrument von einem, der vom Laufen erschöpft ist.
Natürlich sei auch die religiöse Komponente wichtig. Gerade Wallfahrtsleiter Manfred Griebel verstehe es, den Wallfahrern die Bibel auf persönliche Weise erfahrbar zu machen. "Man erhält dadurch einen anderen Blick auf das Wort Gottes" so der Hassfurter. Besonders ergreifend sei es, wenn die Gebetsanliegen auf dem Weg vorgetragen würden. "Die Nöte des kleinen Mannes treten hier in den Vordergrund und man merkt, dass man mit seinen Sorgen nicht allein ist". Dies gehe den Wallfahrern immer sehr nahe, da man weiß, dass die Gebetsanliegen direkt von Mitgliedern der Gruppe geäußert werden. Und auch die "Daheimgebliebenen" und die, die bei der Wallfahrt nicht mitgehen können, trage man im Herzen.
Auch die Konfessionen, die sonst trennen, treten bei der Kreuzbergwallfahrt zurück. "Sowohl katholische als evangelische Christen treten den Weg gemeinsam an", so Hornung. Und auch Muslime seien schon dabei gewesen.