In den nächsten Tagen gibt es kein Wasser vom Luitpoldsprudel "Alt" zu trinken. Die Quelle wird regeneriert, denn das Wasser ließ sich nicht mehr so gut nach oben pumpen.

Den historischen Bohrturm des Luitpoldsprudels "Alt" sieht man schon von weitem. Südlich von Großenbach wird das Wasser gefördert, der Brunnen ist einer von sieben Kissinger Heilquellen. Über unterirdische Leitungen gelangt das Wasser, das zur Trinkkur genutzt wird, bis in die Wandelhalle in Bad Kissingen.


Ein Rohr nach dem anderen

Die notwendigen Brunnenarbeiten am 253 Meter tiefen Luitpoldsprudel sollen in den nächsten zwei Wochen stattfinden. Der heutige Brunnenschacht liegt einige Meter vor dem Bohrturm. Die Arbeiter der Nürnberger Firma Ochs/ABB sind mit einem Kranfahrzeug angerückt. Mit der Seilwinde ziehen sie die Steigleitung des Luitpoldsprudels "Alt" nach oben. Die Pumpe hängt unten am Ende der Leitung.

Die Brunnenarbeiter befestigen die Kette am oberen Rohrende der Steigleitung. Die Pumpe liegt 72 Meter unter der Erdoberfläche. Brunnenbaumeister Andreas Hofmann drückt einen Knopf am Kran und die zwölf miteinander verbundenen Stahlrohre samt Pumpe werden nach oben gezogen. Ingesamt zwölf Rohre bilden die Leitung, jedes ist sechs Meter lang. Der Flansch wird gelöst, das übrige Wasser, das noch im Rohr war, spritzt heraus. So werden nacheinander die Rohre herausgeholt. Die Arbeiter tragen ein Warnmessgerät für Kohlenstoffdioxid am Körper. Während der Bauarbeiten kann das Gas austreten und gefährlich werden. Deswegen sind auch Maschinen zur Be- und Entlüftung des Brunnenschachtes aufgestellt.


Pumpe war bereits am Anschlag

"Jeder Brunnen altert und muss regelmäßig gewartet werden", erklärt Michael Weller vom Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen. 2012 wurden die jetzigen Leitungen am Luitpoldsprudel "Alt" gelegt. Zusammen mit seinem Kollegen Maximilian Schneider ist er beim Staatsbad für die Heilquellen zuständig. Gespannt verfolgen sie die Arbeiten. "Es ist schon spannend, weil es jedes Mal was Neues ist", sagt Weller. Sie wollen herausfinden, wie es um die Quelle steht. Sie pumpt pro Sekunde 0,6 Liter Wasser nach oben, 24 Stunden am Tag. Der Experte erläutert, dass Brunnenanlagen alle vier bis sechs Jahre erneuert werden. Eine Pumpe läuft normalerweise mit einer Frequenz von 30 bis 50 Hertz. "Der Luitpoldsprudel war mit 50 Hertz schon am Anschlag, um die Pumpleistung zu erreichen", so Weller.

Das könnte laut dem Experten daran liegen, dass sich Eisen und Mangan in der Leitung und der Pumpe ablagern. Der Verdacht bestätigt sich: In den demontierten Rohren, die neben dem Brunnenschacht abgelegt werden, sind bräunlich-schwarze Ablagerungen zu erkennen. Dadurch konnte das Wasser nicht mehr so gut abgepumpt werden. Die demontierten Rohre werden in den nächsten Tagen gegen neue ausgetauscht, erläutert Weller. Die alten Leitungen werden von einer Spezialfirma in Hof gereinigt, die Trübungen herausgespült. Danach können sie wieder benutzt werden. "Morgen haben wir dann die Kamerabefahrung des Brunnens", erläutert Weller den weiteren Vorgang. Eine mit einem Seil abgelassene Kamera dokumentiert, wie es im Inneren des Brunnenausbaus aussieht. Dadurch können Verschmutzungen und Defekte am Bauwerk ausfindig gemacht werden.


Quelle soll bis 16. September fertig werden

"Wir erhoffen uns neue Erkenntnisse, was da unten jetzt los ist", fasst Michael Weller zusammen. Außerdem nimmt das Wasserwirtschaftsamt in den nächsten Tagen Wasserproben, die wissenschaftlich untersucht werden. Diese mikrobiologischen Test dauern rund drei Tage, weiß Maximillian Schneider.

Als die Pumpe dann am Ende aus dem Schacht gezogen wird, stellt Michael Weller sofort fest, dass sie derart stark mit Ablagerungen verschmutzt ist, dass sie ersetzt werden muss. Die Arbeiten sollen bis zum 16. September abgeschlossen sein, dann soll das Wasser des Luitpoldsprudels "Alt" wieder fließen.