Die vergangenen eineinhalb Jahre seit Beginn der Corona-Pandemie waren für den Heiligenhof ein Kampf ums Überleben. "Wenn es die Hilfsprogramme vom Freistaat und vom Bund nicht gegeben hätte, würde es uns nicht mehr geben", sagt Steffen Hörtler, Direktor des Sudetendeutschen Sozial- und Bildungswerks. Die Stiftung ist die Trägerin des Heiligenhofs. Als Bildungsstätte, Jugendherberge und Schullandheim wurde der Heiligenhof insbesondere von den Lockdowns hart getroffen. Gäste durften keine kommen, die 23 Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, manche kündigten in dieser Zeit auch. "Es war wie in einer Schockstarre", erzählt Hörtler. Mit staatlichen Hilfsgeldern in sechsstelliger Höhe und weil viele Gäste für die Einrichtung spendeten (insgesamt kamen 100 000 Euro Spenden zusammen), "sind wir letztlich mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen."

Den Herbergen fehlen Klassenfahrten

Das gilt für die meisten Jugendherbergen in Bayern, berichtet Marko Junghänel, Pressesprecher beim bayerischen Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks. Drei Häuser, die wirtschaftlich bereits angeschlagen waren, mussten komplett schließen. "Da hat Corona die Situation beschleunigt", sagt er. Die geschlossenen Einrichtungen befinden sich in Lohr, Kehlheim und Feuchtwangen. Für die Mehrheit habe sich die wirtschaftliche Lage inzwischen jedoch stabilisiert, wenn gleich nur mit den Hilfsgeldern.

Vor Corona zählten die bayerischen Jugendherbergen eine Million Übernachtungen, 2020 sind sie auf 385 000 eingebrochen. Für das laufende Jahr rechnet der Verband damit, dass die Zahlen bei annähernd einer halben Millionen liegen werden. Wichtig wäre es für die Branche, wenn Klassenfahrten wieder zunehmen würden. "Wir hoffen auf eine Empfehlung des Kultus- und des Sozialministeriums", erklärt Junghänel. Auf Klassenfahrten könne normaler Unterichtsstoff durchgenommen werden, gleichzeitig würde die soziale Interaktion im Klassenverband den Schülern helfen, um die isolierten Monate während des Lockdowns zu kompensieren.

Mehr Gäste als Plätze im Speisesaal

Die Krise ist zwar noch nicht ganz verdaut, inzwischen schaut der der Heiligenhof-Chef aber wieder zuversichtlicher nach vorn. Seitdem seit Pfingsten touristische Übernachtungen wieder erlaubt sind, hat die Nachfrage angezogen - erst zögerlich, inzwischen hat sie ein normales Niveau erreicht. "Seit August sind wir wieder voll ausgelastet", berichtet Hörtler. Auch die Belegungsanfragen für 2022 schauen gut aus.

Das sollten sie aus Sicht des Stiftungsdirektors auch bleiben, denn der Heiligenhof hat eine sechs Millionen Euro teure Investition vor sich - wahrscheinlich die größte für die nächsten Jahrzehnte: Hinter dem Haupthaus soll ein zweigeschossiges Gebäude entstehen mit einer Großküche, einem 380 Quadratmeter großen Speisesaal sowie modernen Lehrsälen (700 Quadratmeter Fläche). "Die Küche ist in die Jahre gekommen und der bestehende Speisesaal fasst nur 100 Leute", schildert er das Problem.

Zuletzt wurde der Heiligenhof mit einem Anbau erweitert und der Zimmerbestand durchsaniert. Die Gästezahlen haben sich in der Folge gut entwickelt. 23 000 Übernachtungen wurden von Seiten des Stiftungsvorstandes um die Jahrtausendwende angestrebt, vor Corona lagen sie mit 40 000 Übernachtungen (Stand: 2018) nahezu doppelt so hoch. In der Hauptsaison sind laut Hörtler im Durchschnitt 170 Gäste täglich im Haus. Die finden dann nicht alle im Speisesaal Platz, sondern müssen auf Seminar- oder Gemeinschaftsräume ausweichen. Gruppen können nicht gemeinsam essen, außerdem gebe es an der Essensausgabe häufig lange Schlangen. "Für die Gäste ist das unbefriedigend", sagt Hörtler. Deshalb müssten nun dringend Küche und Essbereich in Angriff genommen werden.

Ein Baustart für das neue Küchen-, Speisesaal- und Seminargebäude war bereits für 2019 vorgesehen, hatte sich wegen Corona aber verschoben. Weil die Baukosten steigen und weil im Moment eine gute Förderung zu erwarten ist, sollen die Arbeiten nach Möglichkeit Ende dieses Jahres starten. Anfang 2023 soll der Neubau fertig sein. Zwei Millionen Euro staatliche Zuschüsse plant Hörtler ein, dazu noch einmal eine halbe Million Euro Spenden. Für den Großteil der Finanzierung wird die Stiftung Kredite aufnehmen. "Der Bau ist notwendig, um die Gäste zukunftsträchtig unterzubringen. In den Seminarräumen können wir dann zeigen, wie Bildungsarbeit im Jahr 2023 aussieht", sagt der Stiftungsdirektor.

Um den Neubau zu erschließen, ist eine neue Zufahrt nötig. Dafür soll die bestehende Zufahrt entsiegelt sowie alte Garagen- und Werkstattgebäude und ein kleinerer Anbau abgerissen werden. An ihrer Stelle entsteht ein Park neu. Zudem ist ein Biotop auf einem Bereich des alten Bolzplatzes geplant. "Ich bin zufrieden, weil wir das sehr ökologisch umsetzen", findet Hörtler.