Die Freiwillige Feuerwehr in Völkersleier blickt stolz auf ihre 144-jährige Geschichte zurück. Gehört sie doch zu den ältesten Wehren im Landkreis Bad Kissingen. Alte Aufzeichnungen im Protokollbuch zeugen mit Sütterlinschrift vom Gründungsjahr 1870. Damals hatten die Waldaufseher Josef Vöth und Johann Kohlhepp sowie Bauer Johann Volpert diese Wehr als "Rettungsmannschaft" gegründet. Bis zur heutigen modernen Spritzentechnik brauchte es lange Anläufe. Noch recht primitiv war 1873 der erste Spritzenzug ausgerüstet, der drei Jahre später mit einer Behelfsspritze unterstützt wurde. Erst 1890 gab es die mit Wipp hebeln zu bedienende Saug- und Druckspritze, von der noch ein altes Foto existiert.

Ludwig Fürst erinnert sich

Freilich, Zeitzeugen aus den Reihen der Floriansjünger von 1900 gibt es längst nicht mehr. Zum Einsatz bei der heimischen Feuerwehr nach dem Kriegende kam Ludwig Fürst, Jahrgang 1927. "Ich blies damals das Feuerwehrhorn", erinnert er sich und nimmt jetzt das alte Instrument noch einmal zur Hand. Es funktioniert noch gut mit den alten Feuerwehr-Signalen. "Den Alarm bei einem Brand gaben die sturmgeläuteten Kirchenglocken in unseren beiden Kirchen, denn eine Sirene stand noch nicht zur Verfügung", erzählt Fürst. Es gab kein Feuerwehrhaus, sondern einen alten Holzschuppen in der Fronstraße, zwischen der damaligen Bäckerei Müller und der Schmiede bei der Alten Hofhaltung.
Vom 19. Januar 1945 bis Kriegsende im Mai war Fürst als 17-Jähriger als Soldat eingezogen worden und dann bei Ludwigshafen in amerikanische Gefangenschaft geraten. "Unter freiem Himmel habe ich damals gelernt, was Hunger heißt", berichtet er. Das Essen bei den Amis sei zwar gut gewesen, aber viel zu wenig. Mäntel oder Zeltplanen seien damals Mangelware gewesen. Wieder daheim, übte Fürst immer den Beruf des Landwirts aus. Bekannt ist Ludwig Fürst vielen Besuchern, denen er auf Festen gerne zeigt, wie man Körbe flechtet. "Vielleicht werde ich demnächst einen Kurs über das Flechten halten", überlegt er.
Doch erinnert sich Fürst auch an einen Wartmannsröther Brand in sehr frühen Zeiten, als noch die handbetriebene Feuerwehrspritze auf dem Leiterwagen zum Löscheinsatz transportiert wurde. "Zum Brandherd sind unsere Kameraden nicht mehr gekommen, weil auf dem Weg zum Nachbardorf das Holzrad in der Steigung Röhrt brach", erzählt er. Enormes Glück hatte Fürst in den 60er Jahren bei einem Brandeinsatz in Dittlofsroda. Als er das Gebäude nach dem Löschen verlassen wollte, stürzte kurz vor ihm das Dach herunter und verfehlte ihn nur knapp.
Schon als Zwölfjähriger habe er bei einem Brand in seinem Dorf erstmals Hand angelegt, erinnert sich Fürst, der 1947 offiziell aktives Mitglied bei der Wehr wurde, wie das Protokollbuch belegt. "Damals hatten wir 1939 noch die alte Saug-Druck-Spritze", sagt er. Erst 1955 gab es eine Motorspritze TS 8/8. Ein Löschfahrzeug kam 1985. Das heutige Gerätehaus wurde 1968 gebaut und 2007 erweitert. Die neue Tragkraftspritze "Ultra-Power" wird bei der Großübung am Samstag zum Einsatz kommen. Sie besitzt einen VW-Motor mit 45 kW (= 61 PS) und fördert bis zu 2000 Liter Wasser in der Minute.

Parade und Ehrungen: Ganz im Zeichen der Feuerwehr steht das kommende Wochenende in Völkersleier. Höhepunkt ist am Sonntag, 18. Mai, die Weihe der neuen Tragkraftspritze. Die Kirchenparade führt um 9.15 Uhr zum ökumenischen Gottesdienst. Um 19 Uhr am Sonntagabend werden Floriansjünger aus der gesamten Gemeinde Wartmannsroth für ihren langjährigen Dienst mit Auszeichnungen staatlich geehrt. Schon am Samstag, 17. Mai, rücken um 18,15 Uhr alle Wehren der Gemeinde Wartmannsroth zu einer Großübung aus. Am Samstag ab 20 Uhr wird das DFB-Pokalspiel im Festzelt übertragen, und später legt DJ Sky-Walker in der Flammenbar auf.

Vorführungen Am Sonntag um 14 Uhr gibt es eindrucksvolle Aktionen am Firetrainer mit Schaubränden von Fett und Spraydosen sowie Demonstrationen von Gasexplosionen. Festausklang ist am Montag, 19. Mai, ab 18 Uhr mit Haxenessen und einem bayerischen Abend im Festzelt. hgs