Der offene Kindertag im Selberthof war für die 73 Grundschüler aus Dittlofsroda der Anlass, sich über die Landwirtschaft schlau zu machen. In mehreren Gruppen besuchten die vier Klassen eine Ferkelzucht, Schweineställe und Damwild. Zum Schluss gab es leckere Kostproben aus dem hofeigenen Backofen.
Es war der elfte Kindertag auf bayerischen Bauernhöfen, an dem heuer rund 36 000 Kinder bayernweit teilnehmen. Im Hof von Stefan Selbert waren es am Freitag junge Besucher. "Für meinen Betrieb ist diese große Aktion das erste Mal", bestätigt Selbert. Zwar waren schon zuvor einzelne Kinder und Jugendliche dort vorbei gekommen, doch nie in dieser Dichte. "Die Erfahrung zeigt, dass viele jugendliche Besucher überhaupt keine Vorstellung darüber haben, wie die Landwirtschaft funktioniert", so Selbert.
So standen die Erst- und Zweitklässler nach ihrer kurzen Busfahrt von Dittlofsroda nach Völkersleier bald schon dicht gedrängt vor dem Abferkelstall und schauten neugierig durch die Fensterluke. Denn betreten durften sie diesen sensiblen Bereich nicht. "Das hat zwei wichtige Gründe", erklärt Selbert. Erstens wegen der peinlichst genau einzuhaltenden Hygiene und zweitens wegen der Ruhe, die die Muttertiere kurz vor und direkt nach der Geburt ihrer kleinen Ferkelchen unbedingt brauchen. Einige Sauen waren schon so weit und hatten rund ein Dutzend Ferkel geworfen, die gierig an den Eutern der Mutter saugten. "Etwa zwölf Liter Milch gibt die Muttersau bei guter Fütterung täglich", erklärte Selbert.


Eindrucksvolles Erlebnis

Auch für die Lehrerinnen Kathrin Fleischer und Sonja Vierheilig war der Besuch auf dem Selberthof ein eindrucksvolles Erlebnis. Fleischer: "Ich bin froh, dass sich die Eltern mit anschließendem Fahrdienst engagieren, so dass wir den Bus nicht dauernd brauchen".
Weiter ging der Erkundungsgang zum Laufstall der Schweine. Die halbwüchsigen Sauen waren fast schon von normaler Größe und tobten ausgelassen durch das Stroh. Die fröhlichen Schweine begrüßten ihre jungen Besucher mit einem lauten Grunzen. "Nein sie heißen weder Piggy noch Babe", erklärte Seniorchef Kurt Selbert, sondern sie tragen Ohrmarken mit Registriernummern, damit man sie unterscheiden kann.
Weiter ging es zum Gehege des Damwildes. Auch hier waren frisch geborene Nachkommen zu bewundern. Allerdings aus der Ferne, weil das Damwild trotz der gewohnten Menschennähe mit seinen Kitzen im weitläufigen Gatter auf Distanz geht. "Schade, ich hätte gerne so ein Kitz gestreichelt", bedauert Schülerin Lisa.
So ein Rundgang macht hungrig. Da waren die Schüler froh, dass sie bei Sandra Selbert frische Brötchen aus dem Backofen bekamen. Dazu gab es Wienerle von der Rhöner Bauernmetzgerei Schumann aus Weißenbach und selbst hergestellten Apfelsaft. "Wir Landwirte stehen oft in der Kritk der Öffentlichkeit", bedauert Stefan Selbert. Und das nicht immer zu recht. Deshalb sei es wichtig, transparente Einblicke in die Bauernhöfe zu gewähren und Vorurteile abzubauen. "Ich bin überzeugt, dass unsere Lebensmittel noch nie so gut wie heute waren", sagt er. Die Verbraucher und die Landwirte sollten mehr ins Gespräch kommen, wünscht Selbert sich auch das Verständnis Außenstehender für die Sachzwänge in der Landwirtschaft.