Eine kleine Milchflasche weckt bei Bürgermeister Ernst Stross Erinnerungen an die Schulzeit: "Der Hausmeister hat die dünnen Deckel der Flaschen der Reihe nach durchstochen, um Strohhalme durch die Löcher zu stecken." Stross weiß noch, dass in der Trinkstube der Molkerei in Gerolzhofen das Glas frische Buttermilch 13 Pfennige kostete.

Andere Besucher der Ausstellung "Von Arauner bis Wüstenfeld - Unterfränkische Lebensmittel aus hundert Jahren" kommen nicht an der Schachtel Eiskonfekt der Firma Eichetti vorbei, ohne dass sie ins Schwelgen geraten. Die Sonderschau des Bezirks Unterfranken, die im Stadtmuseum Herrenmühle gastiert, erschließt sich jedem auf Anhieb.

Die Exponate sind aus dem Leben gegriffen: Marmeladengläser von Maintal, Tütenzucker von Südzucker, Milchverpackungen der Milchwerke Mainfranken. Doch so alltäglich die Produkte auch sind, so schwierig ist es, Spuren längst geschlossener Firmen zu finden. "Wer hebt denn schon Flaschen oder Verpackungen auf", meint Museumsleiterin Elfriede Böck.

Von der titelgebenden Zuckerfabrik Wüstenfeld in Schweinfurt bleibt in der Vitrine daher nur ein Etikett übrig. Der Schweinfurter Edgar Kolb hat es aus seiner privaten Sammlung zur Verfügung gestellt. "Bei der Zusammenstellung der Objekte mussten wir uns danach richten, was es noch gibt. Wir konnten nicht danach gehen, welche Firmen wir haben wollten", sagt Birgit Speckle, beim Bezirk Unterfranken für Kulturarbeit und Heimatpflege zuständig.

An die Mineralwasserfabrik Anton Neder Hammelburg erinnern zwei Glasflaschen mit Bügelverschluss. Sie ergänzen als Zufallsfund die Exponate. "Die Flaschen wurden vor zwei Wochen beim Keller aufräumen in Hammelburg entdeckt", erklärt Böck.

"Von Arauner bis Wüstenfeld" war zum ersten Mal beim Tag der Franken 2011 im Alten Rathaus in Bad Kissingen zu sehen. Dann ist die Ausstellung für zwei Jahre von der Bildfläche verschwunden. Die Objekte wurden im Schloss Aschach sicher eingelagert. Nun, gegen Ende der Leihverträge, sind sie aber doch noch einmal zu sehen. Das Stadtmuseum ist die letzte Station bevor die Stücke an die zahlreichen Sammler zurückgehen. Es habe sich im Gespräch mit dem Bezirk kurzfristig ergeben, dass die Ausstellung in Hammelburg noch einmal aufgebaut wird, sagt Böck.

Die Herrenmühle, die die Geschichte von Brot und Wein erzählt, bildet den idealen Rahmen, um die Lebensmittelproduktion in Unterfranken umfassender in den Blick zu nehmen. So konnte das Museum die vom Bezirk zusammengetragenen Exponate durch Gegenstände aus dem eigenen Bestand und der hauseigenen Dauerausstellung ergänzen - dazu gehören nicht nur Bocksbeutel.

Böck hat die Schau zudem noch speziell auf Hammelburg ausgerichtet, indem sie eine Vitrine den Brauereien der Stadt einräumt. Von denen gab es früher drei Stück: eine Gemeinschaftsbrauerei, den Felsenkeller-Hammelburg (1828 bis 1971) auf dem Gelände der heutigen Musikakademie und die Brauerei Salch (1887 bis 1993) in Altstadtnähe.

Böck: "Es wäre interessant, die Geschichte der Hammelburger Brauereien noch ausführlicher zu erforschen und Stücke aus den einzelnen Betrieben aufzuspüren."


Die Ausstellung "Von Arauner bis Wüstenfeld - Unterfränkische Lebensmittel aus hundert Jahren" ist bis 15. Dezember im Stadtmuseum Herrenmühle zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Eventuell wird die Sonderschau über Weihnachten verlängert. Das ist aber noch nicht entschieden.