Mit einem Traum fängt alles an: Für einen Schul-Tanzball hat Sarah Baron zu ihrem Kleid keine passende Tasche. Also beschließt sie, sich eine zu nähen. Der Entwurf fällt ihr im Schlaf ein. "Ich hatte von einer roten Tasche zu einem roten Kleid geträumt", sagt Sarah Baron.

Die Geschichte ist nun vier Jahre her. Heute ist Sarah Baron Maßschneiderin, Fachrichtung Damen. Im Sommer schloss sie ihre Ausbildung im Trend-Atelier Brandler in Untererthal ab. Mit ihrem Gesellenstück hat sie in diesem Monat aber noch einen großen Erfolg gefeiert: Sarah Baron hat auf Bundesebene den ersten Platz beim Wettbewerb "Die Gute Form im Handwerk" erreicht. "Zum Bundessieg führte sie nicht nur die exzellente Verarbeitung, sondern vielmehr der Entwurf ihres Modells", heißt es in einer Mitteilung zum Wettbewerb.
Prämiert wurden Sarah Barons Cocktailkleid aus Seide und Spitze sowie der dazu entworfene Seidenmantel. Die 19-Jährige hatte das Outfit außerdem um einen Haarschmuck und eine Handtasche ergänzt.

"Ich wusste schon immer, dass ich etwas Kreatives machen will", sagt Sarah Baron. Ihre Großmutter habe in einer Kleiderfabrik gearbeitet, und ihre Mutter habe für sie als kleines Kind Anziehsachen genäht. Nach dem ersten Versuch mit der Handtasche für den Realschul-Tanzball und einem Praktikum im Trend-Atelier in Untererthal ergab sich der weitere Weg dann automatisch.

Sarah Baron ist es wichtig, das Handwerkliche an ihrem Beruf herauszustellen. "Jeder Entwurf ist ein Unikat für den Träger." Und so scheut sie auch nicht vor aufwendiger Handarbeit zurück. Sarah Baron meint: "Die Detailarbeit ist gerade das, was mir gefällt."

Die Handtasche als Accessoire zu ihrem Gesellenstück beweist das. Sie ist mit vielen Stoffblüten gespickt. Die Blüten bestehen aus einzelnen Materialstücken, die zusammengenäht und gewendet werden. Verstürzen, so erklärt Sarah Baron, heißt die Technik.

Taschen sind sowieso ein Spezialität von Sarah Baron. Sie hat schon viele Exemplare für ihre Freunde genäht. "Es macht Spaß, sich in andere einzufühlen, um für sie eine Tasche zu gestalten", findet Sarah Baron. Das Design stehe dabei nicht von vornherein fest. Es entwickele sich während dem Nähen.


Keine künstlichen Stoffe

Für sich selbst fertigt Sarah Baron Kleider. Fast alles, was im Kleiderschrank hängt, ist selbst gemacht. Eine Stilrichtung habe sie dabei nicht, da sich diese ständig ändere. "Ich mache, was mir gefällt." Bei der Arbeit an ihrem Gesellenstück sei sie zum Beispiel auf einem "Blau-Grün-Trip" gewesen.

Auf eine Charakteristik ihrer Entwürfe kann sich Sarah Baron dann aber doch festlegen: Sie mag Naturmaterialien. Polyester kommt bei ihr nicht unter die Nähmaschine. Wenn sie in der Stadt unterwegs sei, schaue sie, wie die Leute gekleidet sind - und achte dabei vor allem auf die Stoffe. "Berufskrankheit", sagt Sarah Baron. Sie möchte jetzt im Ausland Erfahrungen sammeln.

Dafür hat die Hammelburgerin nach Frankreich Bewerbungen losgeschickt. Nicole Brandler vom Trend-Atelier hofft, dass es klappt. Sie bescheinigt der jungen Maßschneiderin Talent, Engagement und Feinmotorik, die bei der teilweise filigranen Arbeit nötig ist.