Im Frühjahr gibt es in den Weinbergen viel zu tun. Neben den Routinearbeiten in den Weinlagen des Saaletals wie Mulchen und Anbinden der Reben kommen Ende April bis Mitte Mai besondere Pflanzmaschinen bei der Neuanlage von Weinbergen zum Einsatz. Vorne am Traktor ist eine Fräse, hinten die Pflanzmaschine angebaut. Ähnlich wie bei der Kartoffellege sitzen zwei Menschen auf der Pflanzmaschine und bestücken ein Rad mit Setzzeichen und Pflanze, die im gleichmäßigen, wählbaren Abstand in den Boden gebracht werden. Das Lohnunternehmen Florian Hofmann aus Würzburg kommt zum maschinellen Rebenpflanzen zu dritt: ein Fahrer und zwei Setzer. Gerade arbeiten sie im Ofenthal. Am Tag zuvor waren sie in Ramsthal, später geht es noch Richtung Untererthal.
Überregionaler Weinbauservice vom Pflanzen bis zum Ernten wird immer mehr genutzt, vor allem wegen der Spezialmaschinen. Auch das Weingut Ruppert nimmt die Dienste des Weinbauservice in Anspruch. "Aber wir müssen dieses Jahr ein Stück mit der Hand pflanzen, weil die Rebzeilen verlängert werden und so die Maschine nicht fahren kann", erläutert Winzer Matthias Ruppert.
Der Winzer stellt nur Pflanzgut und Setzzeichen. Je besser der Boden vorbereitet ist, desto genauer kann gepflanzt werden. Vor der Neuanpflanzung wird der Boden auf mindestens 60 cm gelockert und die Wurzeln der alten Rebstöcke entfernt. Nur die Anfangszeile, Zeilenbreite und Pflanzabstand legt der Winzer vorab fest. Die Zeilenbreite und der Stockabstand werden in den Pflanzcomputer eingegeben. Dann fährt der Schlepper mittels GPS. Auch die Pflanzmaschine wird über GPS gesteuert. So ergeben sich gerade Zeilen mit einem immer gleichen Stockabstand. In einer Stunde sind 420 Setzlinge im Boden.

Bei Regen wird es rutschig

Bei Pfropfreben können die Setzzeichen, an denen die Pflanzen in den ersten Jahren einen geraden Stamm bilden sollen, ebenfalls mit eingesteckt werden. Auch hier spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Ist der Boden trocken, geht alles noch besser. Regnet es, wird es auch für den 160-PS-Traktor rutschig. In Steillagen kann das auch bedeuten, dass doch mit Hand gepflanzt werden muss. Das Pflanzgut kommt von einem Rebenerzeuger und muss ein Jahr im Voraus in den Veredlerbetrieben vorbestellt werden. Neben der Sorte gibt es noch zu entscheiden, welcher Stamm auf welcher Unterlage verwendet werden soll und ob die Pflanze als Pfropfrebe oder als Hochstamm gesetzt wird. Seit gut 20 Jahren werden Reben als Hochstamm im Saaletal gepflanzt, sie kosten zwar mehr als doppelt so viel wie Pfropfreben, ersparen dem Winzer aber die Stammerziehung und damit viel Handarbeit. So gibt es schon im Vorfeld viel zu bedenken. Schließlich legt der Winzer seinen Weinberg für die kommenden 40 Jahre an.
Passt die Rebsorte zum Boden, zur Lage? Denn die Ansprüche der Pflanze an Sonne, Frostempfindlichkeit müssen erfüllt werden, damit die Geschmacksnoten und Aroma sich optimal entwickeln können. Durch die Klimaveränderung haben frühreife Sorten wie etwa Bacchus Probleme mit Sonnenbrand und Fäulnis vor der optimalen Reife. So werden immer häufiger Sorten aus südlicheren Ländern wie Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Riesling auch in Franken angepflanzt. "Wir müssen uns mit den Rebsorten dem Klimawandel anpassen und Jahrzehnte vorausdenken", begründet Winzer Thomas Müller. "Aber auch traditionelle, bewährte Sorten wie Silvaner werden weiterhin gepflanzt werden." Experimentierfreude kann sich lohnen, ob es sich bewährt, weiß man erst nach Jahren. So wagt sich Winzer Marcel Hümmler bei seiner Neupflanzung im Ofenthal mit Cabernet Blanc an eine relativ junge Rebsorte.
Wer jetzt Lust hat, mit dem Winzer durch eine neu angelegte Rebanlage zu spazieren, hat bei der Weinbergshütten-Wan derung mit Weindozentin und Gästeführerin Christiane Schmid am Samstag, 16. Mai, im Eschen- und Ofenthal Gelegenheit. Zwei Winzer stellen ihre Weinberge und Weine vor. Anmeldung über den Winzerkeller ab sofort, Tel.: 09732/ 3570.