Die steigende Nachfrage nach Biofleisch bekommt Petra Schaub zu spüren. "Es gibt zu wenig auf dem Markt", sagt die Landwirtin. Daher hat sie sich mit ihrem Bruder Georg Kaufmann entschieden, den Hof zu erweitern. "Wir konnten die Nachfrage nicht decken", sagt Schaub.

Denn der Familienbetrieb steht am Anfang der Fleischproduktion. Er zieht Ferkel auf. Seit 20 Jahren arbeitet der Hof dabei nach biologischen Kriterien. 40 Muttersauen und 200 Ferkel gibt es auf dem Hof. In den kommenden anderthalb bis zwei Jahren soll die Zahl auf 80 Muttertiere steigen, wie Schaub erklärt.

Tiere leben auf Stroh

Dafür ist in den vergangenen Monaten ein neuer Stall entstanden. Bruder Georg Kaufmann hat ihn selbst am Computer geplant. Das Gebäude bietet nicht nur Platz für die Erweiterung des Bestands, es entspricht auch den neuesten Anforderungen an eine ökologisch-tiergerechte Haltung. Die Muttersauen und Ferkel lebten schon bisher auf Stroh und nicht auf Spaltenböden. Jetzt haben sie aber zusätzlichen Platz. So gibt es in den neuen Buchten zum Beispiel einen Rückzugs- und Schlafbereich in Form einer Koje.

"Bei uns hat ein Tier dreimal mehr Platz als in der konventionellen Ferkelerzeugung", erläutert Schaub. Die Jungtiere werden außerdem sechs statt drei Wochen von der Sau gesäugt. Mit 15 bis 16 Wochen und einem Gewicht zwischen 25 und 28 Kilogramm werden die Ferkel an Mastbetriebe abgegeben.

Modernisierung geht weiter

Der Ramsthaler Ökobetrieb Kaufmann gehört zum Ecoland-Verband. Die Tiere werden über die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall vermarktet. "Der Zusammenhalt in der Erzeugergemeinschaft ist sehr gut", lobt Schaub. Das sei nicht überall so.

Mit dem Bau der neuen Halle ist die Erweiterung noch nicht abgeschlossen. Als nächstes muss die Familie noch den jetzigen, alten Stall modernisieren.

Ende der 1960er Jahre siedelte Josef Kaufmann mit dem Hof raus aus Ramsthal - aufs Ödland, wie er sagt. Denn der Boden am neuen Standort erwies sich als sehr steinig. Josef Kaufmann ist Quereinsteiger in die Landwirtschaft. Zunächst arbeitete er als Maschinenschlosser in der Schweinfurter Großindustrie. "Die Mistgabel hat mir aber mehr Spaß gemacht", meint Josef Kaufmann. Er hielt Schweine und Bullen, später auch mal Ziegen. In den 1990er Jahren stellte der Betrieb auf Bio um. Vor zehn Jahren überschrieb Josef Kaufmann seinen Hof an Petra Schaub und Georg Kaufmann, zwei seiner drei Kinder.

Die beiden Geschwister teilen sich die Arbeit. Der Bruder, der in einer Bank beschäftigt ist, kümmert sich um den Ackerbau. Der Ökobetrieb baut Futtergetreide sowie Dinkel und Braugerste an. Die Schwester ist für die Stallarbeit verantwortlich. "Ich mache das gern, weil ich gern mit Tieren arbeite", sagt Schaub. Ihr 15-jähriger Sohn Julian steigt auch langsam in die Landwirtschaft ein. Und Josef Kaufmann, der mit seiner Frau direkt auf dem Aussiedlerhof lebt, ist auch noch zur Stelle, wenn es etwas Handwerkliches zu tun gibt - und das mit sympathisch-bodenständigem Humor und Eigensinn.

Seinen Eigensinn bewies Josef Kaufmann bei der Hofhaltung immer wieder. Noch unter konventionellen Bedingungen hat er Kleegras und Heu an die Tiere verfüttert, wie der 77-Jährige berichtet. "Dafür bin ich ausgelacht worden." Doch man müsse die Tiere so füttern, dass sie sich wohl fühlen.