Die Regeln sind klar: Vor dem Schusswaffengebrauch kommt das so genannte Anrufverfahren. "Halt! Stehen bleiben oder ich schieße", heißt es. Reservist Hartmut Vierle aus Aura übt das Wachschießen. "Mein Arbeitgeber unterstützt meinen freiwilligen Einsatz", sagt der Elektroniker und Stabsgefreite. "Die Übung ist eine interessante Abwechslung für mich", spricht Vierle auch von einer netten Kameradschaft, die er auf dem Lagerberg antreffe. Seinen Wachauftrag erwarte er für kommenden Herbst.

Mit Vierle treten Reservisten aus Ober- und Unterfranken freiwillig ihre Wach- und Schießausbildung in der Saaleck-Kaserne an. Sie alle gehören den regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSU) an. Seit April 2013 gibt es in jedem bayerischen Regierungsbezirk eine dieser neuen Kompanien. Sie sollen den Einsatz der Reservisten regional konzentrieren und steuern. Jeder Reservist soll am besten in der Region zum Einsatz kommen, wo er wohnt.

"Der Aufbau der RSU-Kompanien ist Neuland, und Bayern ist das Pilotprojekt", erklärt Oberst Errol Jaffke vom Regionalstab Nord. Die Entscheidung über weitere solcher Kompanien hänge bundesweit davon ab, ob diese Aufgabenstellung hier funktioniere. Dem Regionalstab Nord in Nürnberg mit seinen Außenstellen in Veitshöchheim und Bayreuth unterstehen die RSU-Kompanien in Unter-, Ober- und Mittelfranken.

Stabsoffizier Oberstleutnant Michael Reinwald sagt: "Die Ausbildung heute ist wichtig für den Auftrag der RSU-Kompanien: die Bewachung der Bundeswehr-Liegenschaften". Das Bataillon aus Volkach habe einen Auftrag in Munster und müsse daher bei der Bewachung von zwei Kasernen durch die Reservisten entlastet werden, so das praktische Beispiel.

Auch der Hauptfeldwebel der Reserve, Thomas Klemm aus Münnerstadt, gehört der unterfränkischen RSU-Kompanie an. Bundesweit seien 16 solcher Kompanien angedacht, davon sieben in Bayern. "Wir Reservisten unterstützen die Bundeswehr bei Katastropheneinsätzen und übernehmen den Objektschutz", erläutert Klemm. Im Zuge der Wehrübung werde die Wach- und Sicherungsausbildung vertieft.

"Die rechtlichen Grundlagen gehören genau so dazu wie die praktische Anwendung von unmittelbarem Zwang", bestätigt Oberleutnant Matthias Schmitt. So ist das Schießen mit Pistole und Gewehr ein Teil des Trainings. Von den Reservisten, die teilnehmen, kommen 25 aus Oberfranken und 45 aus Unterfranken. Sie alle mussten sich zuvor einer erneuten Musterung unterziehen. Denn mitunter liegt die erste Musterung weit zurück: Kurt Kies aus Rimpar, der ebenfalls die Ausbildung absolviert, ist bereits 61 Jahre alt. Bei 65 Jahren sei aber die Grenze erreicht. "Personenkontrollen und Streife sind die Hauptaufgaben", sagt Klemm.

Die fränkischen Reservisten kommen aus verschiedenen zivilen Berufen. Sie sind Maschinenbauer, Banker, Friedhofsverwalter, Zollbeamte, Sprengmeister, Verwaltungsangestellte, Sicherheitsleute, Lebensmittelhändler oder Fremdsprachen-Korrespondenten.

"Die Kameradschaft ist prima. Teilweise kennt man sich schon von früher", meint eine Übungsgruppe. Sie macht sich gerade mit der Militärpistole P8 vertraut. Ob der Arbeitgeber in jedem Fall grünes Licht für den Einsatz gebe, sei nicht immer sicher. Eher sei dies von Behörden und großen Unternehmen als von Kleinbetrieben zu erwarten.