Johannes Büttner hat Zierleisten in die Stützprofile gedrückt. Andere Beschäftigte der Lebenshilfe-Werkstatt wie Werner Lichtlein und Jörgen Weiss halfen bei der Montage. So ist gegen Ende des vergangenen Jahres ein einzigartiges Produkt entstanden: ein Universaltisch.

Es ist das erste Produkt, an dem mit der Metall- und Holzbearbeitung sowie der Montage alle Tätigkeitsbereiche der Werkstatt beteiligt waren. Und nicht nur die behinderten Beschäftigten arbeiteten an dem Tisch mit. "Das Schöne daran ist, dass Personal und Mitarbeiter gleichermaßen mitwirkten", sagt Thomas Porkristl. Dem Werkstattleiter merkt man den Stolz auf die gemeinsame Leistung an.

Vom Elektromeister über den Schreinermeister bis zum Maschinenbauingenieur seien alle eingebunden gewesen. So konnten die Tische über alle Schritte hinweg fast komplett selbst gefertigt werden. Da die Hammelburger Werkstatt keine Wasserschneidemaschine hat, musste sie die Fliesenbearbeitung für die Tischplatten als eine der wenigen Aufgaben an ein Fremdunternehmen vergeben. Das schnitt das Lebenshilfe-Logo in das Feinsteinzeug.

Das Emblem leuchtet aus den Tischplatten heraus. Denn die Universaltische sind als Werbeträger gedacht, mit dem die Werkstatt bekannter werden soll, wie Porkristl erklärt. "Es ist ein Produkt, mit dem wir Produkte verkaufen können." Die Tische sollen zum Beispiel für Produktpräsentationen auf Messen mitgenommen werden. Sie können aber auch so wie in der hauseigenen Cafeteria als Stehtische oder Theke dienen.

Die Universaltische sind höhenverstellbar und lassen sich zu verschiedenen Formationen zusammenfügen. Beim Hammelburger Weihnachtsmarkt kamen sie zum ersten Mal zum Einsatz. "Die Resonanz der Besucher war gut", erklärt Porkristl. Es gebe erste Nachfragen von Vereinen und Privatpersonen. Daher werden nach den ersten zwölf Stück, die für eigene Zwecke gefertigt wurden, wohl weitere Exemplare folgen.

Die Idee für die Tische war in einer Sitzung mit dem Personal entstanden. Bei weiteren Treffen arbeitete das Team die Details aus und überlegte, in welche Produktionsschritte das Projekt für die behinderten Beschäftigten zerlegt werden kann. Den Entwurf für die Tische lieferte Porkristl selbst.


Vor allem für Industrie tätig

Die Lebenshilfe-Werkstatt arbeitet ansonsten hauptsächlich für Industriekunden. Sie übernimmt Aufträge für einzelne Fertigungsschritte. Eigenprodukte machen nach Angaben des Werkstattleiters nur einen einstelligen Prozentsatz am Umsatz aus. Als selbst hergestelltes Produkt sind in der Region bisher vor allem die Hochsitze für Jäger bekannt.

Auch die "Grüne Gruppe", die Dienstleistungen für Gärten und Grünanlagen bietet, gehört zu einem in der Öffentlichkeit wahrnehmbaren Tätigkeitsfeld. Dieses soll ausgeweitet werden: Porkristl will gewerblichen Kunden die Pflege ihrer Außenanlagen abnehmen.

Für dieses Jahr ist auch eine Zusammenarbeit mit der Realschule geplant. Die sechs Bundesfreiwilligendienstler der Lebenshilfe-Werkstatt organisieren das. Realschüler sollen gemeinsam mit den Behinderten für das Osterfest backen, wie Lena Keßler erklärt. "Es geht um soziales Lernen außerhalb des Klassenzimmers", sagt die 19-jährige Bundesfreiwilligendienstlerin. Die Kuchen werden auf dem Marktplatz angeboten werden.