Zum politischen Aschermittwoch begrüßte Norbert Schaub, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hammelburg, einen vollen Bocksbeutelkeller. "Unser Land braucht den Zusammenhalt der Vernunft, und Demokratie ist zurzeit enorm wichtig", umschrieb Schaub die politische Situation Deutschlands. Ohne das Engagement vieler Ehrenamtlicher im sozialen Bereich ginge auch im Jubiäumsjahr (1300 Jahre Hammelburg) vieles nicht mehr. Doch nicht politische Diskussionen rund um die Saalestadt standen im Mittelpunkt, sondern ein Kabarett-Abend mit Franziska Wanninger. Schaub: "Deshalb sind wir zum Lachen in den Keller gegangen."


Mundart gehört dazu

"AHOIbe - Guad is guad gnua" heißt Wanningers Soloprogramm. Ja, es brauchte ein wenig Zeit, um sich in den oberbayerischen Dialekt hineinzuhören. Aber auch angelerntes Kölsch hat die 33-jährige gelernte Gymnasiallehrerin und Fremdsprachen-Korrespondentin aus Altötting notfalls parat. Am faszinierendsten jedoch fanden die Zuhörer Wanningers umfangreiches Repertoire ihrer Mimik. Das reicht von superfreundlich auf der Schleimspur bis zu abgrundtiefen Wutausbrüchen, wenn es die jeweilige Situation der Bühnendramatik erfordert.
Nicht über die große Dimension der Landespolitik, sondern über die Fensterchen des kleinbürgerlichen Alltags kommt Wanninger dahinter, dass sich die Halbe oft als ganze Maß ausgibt. Kochen mit dem Thermomix, Joggen gegen Cellulitis, Rollos herunter lassen statt zu putzen oder sich mit "Omm" zu höheren Instanzen zu bewegen, waren nur einige von diesen Themen. Da darf die Halbe auch mal auf Kreuzfahrt gehen.
Wanninger ist Kundenberatern, Dorfbürgermeistern und ihrer eigenen Tante auf der Spur, um menschliche Schwächen zu enthüllen. Gern begibt sie sich auf das Schwungrad niederer Triebe. Vor Wanningers kabarettistischen Attacken bleiben Heile-Welt-Figuren wie der Sänger Florian Silbereisen nicht verschont. Auch das Landleben trifft ein Seitenhieb: "Du kriegst den Trampel aus dem Land, aber das Land nicht aus dem Trampel." In der kurzen Zeit ihres Hammelburger Aufenthalts hatte sie recherchiert: "Da mache ich doch lieber Urlaub in Ochsenthal!".
"Ich finde viel Realistisches in Wanningers Kabarett", sagt Zuhörerin Andrea Frömmichen und nennt das Beispiel Lehrersituation. "Ich bin nämlich selbst im Lehrberuf tätig", fügt sie an. "Für mich war es nicht der Burner", meint Martina Bay. Sie habe mehr politischen Tiefgang statt des Oberflächlichen von diesem Abend erwartet. Als recht unterhaltsam und interessant werteten weitere Zuhörer Wanningers Halbe.
"Das alltägliche Chaos bringt sie ganz gut rüber", meint Norbert Schaub und ist zufrieden. Den meisten Zuhörern war Wanninger schon bekannt aus den Fernseh-Sendungen "Ottis Schlachthof" und "Vereinsheim Schwabing".