Vor drei Jahren wurde Franziska Bischof aus Wartmannsroth nach ihrem Lehrgangsbesuch an der TU Weihenstephan-Triesdorf zur jüngsten Edelbrandsommeliere gekürt. Jetzt schloss sie ihre Ausbildung zur Brennerin an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim als beste Lehrgangsteilnehmerin aus Franken und Zweitbeste insgesamt ab.
Die Bestimmung zur Brennerin war Franziska Bischof eigentlich schon in die Wiege gelegt. Schließlich betreibt Vater Anton als Landwirt schon seit Jahrzehnten im Nebenerwerb eine Brennerei und verkauft seine Obstbrände an den regionalen Einzelhandel oder Gastwirte. Für Franziska gehörte die Brennerei also schon von Kindesbeinen an zum Alltag. So wundert es kaum, dass die studierte Marketing- und Tourismusmanagerin den väterlichen Nebenerwerb jetzt professionell aufstellen und hauptberuflich betreiben will.


Eigene Produktlinie

Gleich nach ihrem Lehrgang zur Edelbrandsommeliere gründete sie 2015 mit ihrem Vater die Edelbrennerei Bischof GbR und begann eine eigene Produktlinie zu entwerfen. Angefangen mit den für die erfolgreiche Vermarktung wichtigen Äußerlichkeiten wie dynamisch gestylten Flaschen, grafisch-modernen Etiketten und dem eigenen Logo "Franziska - die Brennerin", begann sie im zweiten Schritt eigene Brände herzustellen.
Für deren Produktion war spezifisches Fachwissen vorteilhaft, weshalb sie sich 2016 zur Brenner-Ausbildung bei der LWG anmeldete, die diesen auf zwei Jahre verteilten sechswöchigen Kurs in Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Beispielsbetrieb für Obstbau in Deutenkofen (Landkreis Landshut) erst seit wenigen Jahren anbietet.
Voraussetzung zur Lehrgangsteilnahme ist eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie mehrjährige Erfahrung im Brennereiwesen. "Vieles wusste ich schon vorher", meint die junge Brennerin im Rückblick. "Da profitiere ich vom Wissen und der Erfahrung meines Vaters." Aber dieses Fachwissen konnte sie im Lehrgang vertiefen. Zusätzlich wurde im Lehrplan weniger alltägliches Spezialwissen vermittelt wie Analytik und Labortechnik. "Jetzt kann ich sogar schwierige Laborberichte verstehen."
Von den insgesamt 23 Absolventen wurde Franziska Bischof mit der Gesamtnote 1,8 die Zweitbeste, nur etwas besser war ein Teilnehmer aus Baden-Württemberg. Immerhin stammten 15 Teilnehmer aus Franken, einer von der Insel Rügen, zwei aus Österreich. Der nächste Ausbildungskurs ab Januar 2018 ist ausgebucht, weiß Bischof. Die Nachfrage ist groß: "Das Brennen ist trendy geworden."
Doch während beim Wein schon viele Jahrzehnte geforscht wurde, "steckt die Brennerei noch in den Kinderschuhen", kritisiert die Brennerin aus Wartmannsroth. In Zukunft werden die Anforderungen an die bayerischen Kleinbrenner höher werden, ist sie sicher. "Man braucht dann die Ausbildung, um überhaupt brennen zu dürfen." Deshalb war ihr dieser Lehrgang wichtig. "Man muss immer besser werden." Nur mit professioneller Weiterbildung sei man besser gegen den baldigen Wegfall des Bundesbranntweinmonopols gewappnet.
Eine qualifizierte Ausbildung im Brennereiwesen ist Franziska auch wichtig, weil sie sich als neue Bischof-Generation verpflichtet sieht, das väterliche Erbe nicht nur zu wahren, sondern "in die Moderne zu führen". Deshalb stellt sie neben die Brände ihres Vaters ganz bewusst seit zwei Jahren ihre "eigene, jüngere, frechere Produktlinie", die vorerst noch aus neun Einzelprodukten besteht - verschiedene Brände, Geiste, Gin und Whisky. Mindestens ein halbes Jahr braucht sie für ein neues Produkt, oft aber auch länger. Da muss entwickelt, gelagert, verkostet und wieder verändert werden, bis endlich der Geschmack nicht nur gut, sondern einzigartig ist.
Das nächste Ziel der jungen Unternehmerin ist die Eröffnung ihrer eigenen Destillathek. "Die Wortschöpfung ist noch neu. Meine Destillathek ist die erste in Bayern, wenn nicht sogar in Deutschland." Bislang fanden das Brennen in Deutschland, die Verkostung und der Verkauf nur in heimischen Kellern statt. Franziska Bischof hat jetzt als erste Brennerin eine eigenständige, 150 Quadratmeter große Destillathek bauen lassen, in dessen 80 Quadratmeter großen Gastraum sie künftig nach vorheriger Anfrage ihre Gästegruppen empfangen will: "Der Genuss des Hochprozentigen soll hier zum Erlebnis werden."
Die offizielle Eröffnung ihrer Destillathek ist zwar erst am 15. Juli, doch schon Ende Mai kam die erste Besuchergruppe. "Die konnte ich doch nicht sausen lassen", lacht die Unternehmerin. Schließlich ist ihre Privatbrennerei weiterhin von der Direktvermarktung abhängig. "Wir bleiben ein Familienbetrieb."