Glück mit dem Wetter hatte das Höflesfest am Samstagabend. Die schweren Regenwolken hielten gerade noch dicht. So waren freie Sitzplätze in den Innenhöfen der Hammelburger Altstadt begehrte Raritäten, obwohl die Anzahl der Besucher unter dem Vorjahr blieb.
Zweiter Bürgermeister Reimar Glückler eröffnete das Fest auf dem Marktplatz zu den Klängen der Hammelburger Chorgemeinschaft MGV, die von Florian Schaub geleitet wurde.
Insgesamt zehn Weinbaubetriebe und private Hofbesitzer öffneten ihre Anwesen und gestatteten den Besuchern tiefe Einblicke. So drängte es die Besucher voller Neugier auch in den Rinecker Hof an der Dalbergstraße 30. Denn erstmals öffnete Maria Rinecker die Pforten zu ihrem Anwesen. "Mit so viel Ansturm habe ich nicht gerechnet", war sie erfreut. Gut, dass ihr rund ein Dutzend Helfer aus dem Familien- und Freundeskreis zur Seite stand.
"Ich habe großes Interesse, das aus dem Jahr 1590 stammende Haus zu erhalten und lasse meine Besucher gerne in meinen Hof Einblick nehmen", hat sich die Besitzerin heuer zu ihrem Entschluss durchgerungen. "Für mich ist die aktive Teilnahme am Höflesfest absolutes Neuland", sagt sie und ist froh über die begeisterten Rückmeldungen ihrer Gäste. Die haben auf Bänken und Stühlen im Innenhof und unter dem Scheunendach bei Wildschwein-Bratwurst und Altstadtbier gemütlich Platz genommen.

Das Ambiente kommt gut an

"Sehr viele Bekannte habe ich auf dem Rinecker-Hof entdeckt", freute sich Nachbarin Thea Haase. Darunter seien etliche Jahrgangskameraden, die nicht nur aus dem Landkreis Bad Kissingen, sondern zum Teil auch bundesweit anreisten. "Schön, dass Maria trotz der immensen Vorbereitungsarbeiten heuer ihren Hof öffnet", spricht Haase von einer "tollen Sache". Die Besucher seien alle begeistert vom beschaulichen Ambiente und im Vorfeld neugierig gewesen. "Im Hammelburger Altstadtbereich wohnten früher viele arme Bauern und Winzer", weist Haase auf die Scheunen und Nutzgärten hinter den großen Toren hin.
Nicht nur die Besucher des Höflesfestes, sondern auch die Musikanten wanderten im Stundenzyklus durch die zehn teilnehmenden Höfe. Neu unter den Musikanten war "Quetschenmännle" Gerhard Werthmann, der singende Akkordeonspieler aus Rettersbach (bei Karlstadt). Zu den Hammelburger Barden zählen Konrad Albers und "George" Mathias Uebel. Auch das Hammelburger Saxophon-Quartett, Günter Haas als "Mister Cadillac", die andere Blechmusik "D.A.B.", Josef Körber, die Wasserlöser Pfannenflicker, die "Stammtisch-Musi" Ballinghausen und das Rhöner Blechle waren von Hof zu Hof unterwegs.
"Auch wenn der Horizont in einem Höfle sehr beschränkt ist durch die nahen Dächer rundherum, der Geist bleibt frei und kennt keine Grenzen", wies Familie Beichel auf ihrem Wankelhof auf die Weltoffenheit der Hammelburger hin. Auch dieser Hof, der sich schon in den vergangenen Jahren regelmäßig zum Höflesfest öffnete, wurde vom Besucherstrom fest belagert.

Der Rhöner-Döner war ein Renner

Der Rhöner-Döner und die Silvaner-Bratwurst waren dort die Renner. Darüber hinaus gab es den historischen Hinweis auf die mittelalterlichen Spießbürger, die entgegen ihrem heutigen Ruf als Engstirnige und geistig Unbewegliche, damals jedoch als wehrhafte Städter hellwach ihre Heimat mit ihren Spießen verteidigten.

Führung im Stadtmuseum

Im Vorfeld des Festtages gab es schon vormittags eine Führung durch das Stadtmuseum Herrenmühle "Brot und Wein" und nachmittags eine Führung durch die historische Hammelburger Altstadt. Der Winzerbetrieb Ruppert stellte am Nachmittag typische Weine der Hammelburger Region vor.
Weitere Winzerbetriebe öffneten gegen Abend: Müller, Plewe, Fella und die Winzergenossenschaft. Auch das Deutsche Haus, die Kunst- und Natursteinscheune, der Hof zwischen Stadtcafe und der Einhorn-Apotheke sowie der Pfarramtsgarten luden ebenfalls zum Verweilen ein. "Einen Schoppen kann man auch daheim trinken", bringt es Besucher Albert Heim auf den Punkt.
Der besondere Reiz des Höflesfestes liege im persönlichen Ambiente der Höfe. Außerdem treffe man viele Bekannte, die man das Jahr über kaum sah.