Gibt es noch Flusskrebse in der fränkischen Saale und müssen diese Krebse biologische Feinde fürchten? In Bayern ist nämlich die Flusskrebs-Pest erneut auf dem Vormarsch. Noch gibt Tierarzt Dr. Helmut Fischer Entwarnung für Sinn und Saale. Doch ist Vorsicht geboten.
"Ich weise die zukünftigen Angler bei ihrer Ausbildung verstärkt auf die gewissenhafte Einhaltung von Hygienemaßnahmen hin", bestätigt Hans-Peter Donislreiter von der Unteren Jagdbehörde des Landratsamtes Bad Kissingen. Jährlich legen neue Angler in den Räumen der Hammelburger Mittelschule unter seiner Leitung ihre Prüfung ab.
"Angler, Kanuten und Bachpaten sollten über die leichte Übertragung der Krebspest informiert werden und entsprechende Schutzmaßnahmen treffen", macht Donislreiter auf ein Merkblatt der Fischerei-Fachberatung aufmerksam. So sei beim Wechsel des Gewässers das Anglermaterial, die Stiefel und die Paddel zu desinfizieren beziehungsweise mindestens eine Woche lang trocken zu halten. Weitere Maßnahmen wären das Einfrieren für länger als zwei Tage oder das kurzfristige Erwärmen der betroffenen Gegenstände über 60 Grad.
Der Edelkrebs, der Steinkrebs und der Dohlenkrebs gehören zu den heimischen Arten. Ähnlich wie die Flussperlmuschel gehören sie zu den Indikatoren für sauberes Fließgewässer. Fast in allen bayerischen Flüssen und Bächen seien durch eine Fadenpilzerkrankung in den Fließgewässern diese Krebsarten nahezu erloschen, so Fischer. Anlass seien diese schon im 19. Jahrhundert durch nordamerikanische Krebsarten wie der Signalkrebs und der Kamberkrebs eingeschleppten Algenpilze (=Flusskrebs-Pest), gegen die heimische Krebse nicht resistent seien. Während die amerikanischen Arten spätestens nach deren Häutung mit der Pest fertig werden, ist der Befall für den heimischen Krebs absolut tödlich.
"Nein, im gesamten Landkreis Bad Kissingen sind mir zurzeit keine Vorkommen von Flusskrebsen in den öffentlichen Gewässern bekannt", bestätigt der Experte Fischer, der sein Wissen ehrenamtlich dem Bund Naturschutz zur Verfügung stellt. Wenngleich man niemals sicher sein könne. Denn woher kamen einst im 19. Jahrhundert die amerikanischen Flusskrebse, welche die heimischen Krebse in Europa durch die Pesterreger verdrängten? Offensichtlich besteht das Problem der Flusskrebs-Pest nicht nur in der Oberfränkischen Alster (bei Seßlach), sondern aktuell am Main und seinen Zuflüssen, wie der Bayerische Rundfunk vor einigen Wochen berichtete. Das Einsetzen von heimischen Edelkrebsen war offenbar auch dort zum Scheitern verurteilt.

Für Menschen nicht gefährlich

Ein weiterer Unterschied zu den Zugewanderten macht den heimischen Krebsarten den Garaus: Während Edelkrebs, Steinkrebs und Dohlenkrebs Standorttreue an den Ufern der Fließgewässer beweisen, wandern die amerikanischen Sorten über längere Strecken und verbreiten so den Erreger. Auch der Mensch trägt manchmal unbewusst dazu bei. "Hygiene ist in jedem Fall geboten", empfiehlt Fischer. Das gelte nicht nur für die Freizeitpaddel, sondern speziell für die Angler, die nach jedem Kontakt mit fremdem Gewässer ihre Geräte desinfizieren sollten, weist auch er auf das oben genannte Merkblatt hin.
Ist der heimische Flusskrebs infiziert worden, so beginnt er sich mit seinen Beinen an den Augen zu kratzen. Zunehmende Tagaktivitäten, Lähmungserscheinungen, Aussetzen des Fluchtreflexes und der Verlust der Gliedmaße sind laut Merkblatt weitere Erscheinungsformen beim infizierten heimischen Krebs. Das Tier kippe schließlich zur Seite und sterbe in der Regel sechs Tage nach dem Befall. Für den Menschen jedoch seien infizierte Krebse als Mahlzeit nicht gefährlich.